Chronische Nierenerkrankung (CKD): KDIGO-Leitlinie 2024

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: KDIGO (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die KDIGO-Leitlinie 2024 aktualisiert die Empfehlungen zur Evaluation und zum Management der chronischen Nierenerkrankung (CKD). Weltweit sind schätzungsweise 850 Millionen Menschen von dieser komplexen Erkrankung betroffen.

Die Diagnose einer CKD basiert auf strukturellen oder funktionellen Nierenanomalien, die für mindestens drei Monate bestehen. Die Klassifikation erfolgt anschließend anhand der Ursache, der glomerulären Filtrationsrate (eGFR) und dem Ausmaß der Albuminurie.

Das Update fokussiert sich auf eine verfeinerte Einschätzung der Nierenfunktion und die Implementierung neuer medikamentöser Therapien. Ziel ist es, das Fortschreiten der Erkrankung zu verzögern und kardiovaskuläre Risiken zu minimieren.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die Praxis:

Diagnostik und eGFR-Bestimmung

Es wird empfohlen, zur Schätzung der GFR validierte Gleichungen auf Basis des Serumkreatinins zu verwenden. Wenn die alleinige Kreatinin-Messung ungenau sein könnte, sollte laut Leitlinie eine kombinierte Gleichung aus Serumkreatinin und Serum-Cystatin C (eGFRcr-cysC) herangezogen werden.

Die Leitlinie betont, dass die ethnische Zugehörigkeit (Race) nicht mehr in die Berechnung der eGFR einfließen darf. Für die Beurteilung von Nierenschäden wird die Messung der Albuminurie (mittels Albumin-Kreatinin-Quotient, ACR) gegenüber der allgemeinen Proteinurie bevorzugt.

KriteriumeGFR (mL/min/1.73 m2)Stadium
G1≥90Normal oder hoch
G260-89Mild verringert
G3a45-59Mild bis moderat verringert
G3b30-44Moderat bis schwer verringert
G429-15Schwer verringert
G5<15Nierenversagen
KategorieUrin-ACR (mg/g)Bedeutung
A1<30Normal bis mild erhöht
A230-300Moderat erhöht
A3>300Schwer erhöht

Therapieziele und Basis-Medikation

Die Leitlinie empfiehlt einen ganzheitlichen Ansatz, der SGLT2-Inhibitoren, RAAS-Inhibitoren (RAASi) und Statine als Erstlinientherapie für die meisten Patienten umfasst.

Folgende Zielwerte werden für das Management empfohlen:

ParameterZielwertAnmerkung
BlutdruckSystolisch <120 mmHgBei standardisierter Praxismessung
HbA1c (ohne Dialyse)Individualisiert <6,5 % bis <8 %Abhängig von Komorbiditäten und Hypoglykämierisiko

Für den Einsatz von RAAS-Inhibitoren (ACE-Hemmer oder ARBs) gelten folgende Prinzipien:

  • Start bei CKD-Patienten mit moderat bis schwer erhöhter Albuminurie.

  • Nutzung der höchsten zugelassenen und tolerierten Dosis.

  • Kontrolle von Blutdruck, Serumkreatinin und Kalium innerhalb von 2 bis 3 Wochen nach Start oder Dosisanpassung.

Spezifische medikamentöse Therapien

Der Einsatz von SGLT2-Inhibitoren wird für spezifische Patientengruppen stark empfohlen. Dazu gehören Erwachsene mit Typ-2-Diabetes und CKD (eGFR ≥20), Patienten mit Herzinsuffizienz (HFrEF) sowie Patienten mit einer eGFR ≥20 und einer ACR ≥200 mg/g.

Finerenon, ein nichtsteroidaler Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonist, wird zur Reduktion von kardiovaskulären und renalen Ereignissen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und CKD empfohlen. GLP-1-Rezeptor-Agonisten zeigen laut Leitlinie ebenfalls nierenschützende Effekte und sollten bei Patienten mit Diabetes, CKD und Albuminurie eingesetzt werden.

Management von Komplikationen

Bei Auftreten einer Hyperkaliämie unter RAASi-Therapie wird empfohlen, primär die Hyperkaliämie zu behandeln, anstatt die RAASi-Dosis zu reduzieren oder abzusetzen. Hierfür stehen verschiedene Kaliumbinder zur Verfügung.

MedikamentWirkmechanismusWirkeintritt
NatriumpolystyrolsulfonatTauscht Natrium gegen KaliumVariabel (Stunden bis Tage)
PatiromerTauscht Calcium gegen Kalium4-7 Stunden
NatriumzirkoniumcyclosilicatTauscht Wasserstoff/Natrium gegen KaliumInnerhalb 1 Stunde

Nephrotoxin-Stewardship und AKI-Prävention

Die Leitlinie rät zur Dosisanpassung von Medikamenten basierend auf validierten eGFR-Gleichungen. Bei akuten, dehydrierenden Erkrankungen wird die Aufklärung der Patienten über das Pausieren bestimmter Medikamente ("Sick Day Medication Guidance") empfohlen.

Zu den an Krankheitstagen zu pausierenden Medikamenten (SADMANs-Regel) gehören:

  • SGLT2-Inhibitoren

  • ACE-Hemmer und ARBs

  • Diuretika

  • Metformin

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs)

Kontraindikationen

Die Leitlinie formuliert folgende Warnhinweise und Kontraindikationen:

  • Eine Kombination aus ACE-Hemmern, Angiotensin-Rezeptor-Blockern (ARB) und direkten Renin-Inhibitoren ist zu vermeiden.

  • Spironolacton sollte bei Patienten mit Herzinsuffizienz (HFrEF) derzeit nicht routinemäßig durch Finerenon ersetzt werden, da hierfür noch Studiendaten ausstehen.

  • Bei einem Anstieg des Serumkreatinins um 30 % oder mehr nach Beginn einer RAASi-Therapie muss eine akute Nierenschädigung (AKI) ausgeschlossen werden.

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💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie betont, dass eine Hyperkaliämie unter RAAS-Inhibitoren primär medikamentös (beispielsweise durch Kaliumbinder) behandelt werden sollte, anstatt die RAAS-Inhibitoren voreilig abzusetzen. Ein dauerhaftes Absetzen von RAAS-Inhibitoren ist mit einer erhöhten Mortalität und mehr kardiovaskulären Ereignissen assoziiert. Nach Behebung der Hyperkaliämie wird eine rasche Reexposition mit dem RAAS-Inhibitor empfohlen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt die Nutzung validierter Gleichungen auf Basis des Serumkreatinins ohne Einbezug ethnischer Faktoren. Bei ungenauen Werten sollte eine kombinierte Formel aus Serumkreatinin und Cystatin C verwendet werden.

Der Einsatz wird bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und einer eGFR ≥20 mL/min/1.73 m2 empfohlen. Ebenso profitieren Patienten mit Herzinsuffizienz (HFrEF) oder einer eGFR ≥20 kombiniert mit einer Albuminurie (ACR ≥200 mg/g).

Es wird ein systolischer Blutdruck von unter 120 mmHg angestrebt. Voraussetzung hierfür ist eine standardisierte Blutdruckmessung in der Praxis.

Gemäß der "Sick Day"-Regel (SADMANs) wird das Pausieren potenziell nephrotoxischer oder hämodynamisch wirksamer Medikamente empfohlen. Dazu zählen SGLT2-Inhibitoren, ACE-Hemmer, ARBs, Diuretika, Metformin und NSAIDs.

Finerenon reduziert kardiovaskuläre und renale Ereignisse bei Typ-2-Diabetes und CKD, erfordert jedoch eine engmaschige Überwachung. Als häufigste Nebenwirkung tritt eine Hyperkaliämie auf, die Dosisanpassungen erforderlich machen kann.

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Quelle: KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline on Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease (KDIGO, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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