Kardiovaskuläres Risiko: Risikobewertung und Management
Hintergrund
Die Leitlinie der National Heart Foundation of Australia (2023) aktualisiert die Empfehlungen zur Bewertung und zum Management des kardiovaskulären Risikos (CVD) in der Primärprävention. Sie ersetzt die vorherigen Richtlinien aus dem Jahr 2012.
Ein zentrales Element ist die Einführung des neuen "Australian cardiovascular disease risk calculator" (Aus CVD Risk Calculator). Dieser basiert auf der PREDICT-1°-Gleichung und wurde speziell für die australische Bevölkerung und das dortige Gesundheitssystem kalibriert.
Der Rechner schätzt die Wahrscheinlichkeit eines kardiovaskulären Ereignisses innerhalb der nächsten 5 Jahre. Er berücksichtigt neben klassischen Risikofaktoren auch sozioökonomische Faktoren und spezifische Parameter für Menschen mit Typ-2-Diabetes, um eine präzisere Risikostratifizierung zu ermöglichen.
Empfehlungen
Indikation zur Risikobewertung
Die Leitlinie empfiehlt die routinemäßige Bewertung des CVD-Risikos bei Personen ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung in spezifischen Altersgruppen. Für die Berechnung soll der Aus CVD Risk Calculator verwendet werden.
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Alle Personen im Alter von 45 bis 79 Jahren
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Personen mit Diabetes im Alter von 35 bis 79 Jahren
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First Nations People im Alter von 30 bis 79 Jahren (Erfassung einzelner Risikofaktoren bereits ab 18 Jahren)
Klinisch determiniertes Hochrisiko
Bestimmte Personengruppen gelten laut Leitlinie automatisch als Hochrisikopatienten. Bei diesen Personen soll der Risikorechner nicht angewendet werden, da das Risiko unterschätzt werden könnte.
Dies betrifft Personen mit einer bestätigten familiären Hypercholesterinämie. Ebenso fallen Personen mit mittelschwerer bis schwerer chronischer Nierenerkrankung (CKD) in diese Kategorie.
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Anhaltende eGFR < 45 ml/min/1,73 m²
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Persistierende uACR > 25 mg/mmol bei Männern
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Persistierende uACR > 35 mg/mmol bei Frauen
Risikokategorien und Reevaluation
Basierend auf dem 5-Jahres-Risiko definiert die Leitlinie drei Risikokategorien. Die Intervalle für eine erneute Risikobewertung richten sich nach der initialen Einstufung.
| Risikokategorie | 5-Jahres-CVD-Risiko | Empfohlenes Reevaluationsintervall |
|---|---|---|
| Hoch | ≥ 10 % | Keine formelle Reevaluation nötig (klinische Steuerung) |
| Intermediär | 5 % bis < 10 % | Alle 2 Jahre (früher bei Verschlechterung) |
| Niedrig | < 5 % | Alle 5 Jahre (früher bei Verschlechterung) |
Reklassifizierungsfaktoren
Wenn das berechnete Risiko nahe an einem Schwellenwert liegt, wird die Berücksichtigung zusätzlicher Faktoren empfohlen. Diese können zu einer Hoch- oder Herabstufung der Risikokategorie führen.
| Faktor | Potenzielle Auswirkung auf die Risikokategorie |
|---|---|
| Ethnizität (z. B. First Nations, South Asian) | Höhere Einstufung erwägen |
| Ethnizität (East Asian) | Niedrigere Einstufung erwägen |
| Positive Familienanamnese für vorzeitige CVD | Höhere Einstufung erwägen |
| Chronische Nierenerkrankung (eGFR 45-59) | Höhere Einstufung erwägen |
| Schwere psychische Erkrankung | Höhere Einstufung erwägen |
| Koronarer Kalk-Score (CAC) > 99 | Höhere Einstufung erwägen |
| Koronarer Kalk-Score (CAC) = 0 | Niedrigere Einstufung erwägen |
Ein generelles Screening mittels CAC-Score wird laut Leitlinie ausdrücklich nicht empfohlen (starke Empfehlung).
Lebensstilmodifikationen
Unabhängig von der Risikokategorie wird die Förderung eines gesunden Lebensstils empfohlen. Dazu gehören:
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Raucherentwöhnung (Kombination aus Verhaltensintervention und Pharmakotherapie)
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Herzgesunde Ernährung (z. B. DASH- oder mediterrane Diät, Salzreduktion)
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Regelmäßige körperliche Aktivität
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Erreichen und Halten eines gesunden Gewichts
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Reduktion des Alkoholkonsums
Pharmakotherapie
Die Einleitung einer blutdrucksenkenden und lipidsenkenden Therapie richtet sich nach dem berechneten 5-Jahres-Risiko. Die Entscheidung sollte im Rahmen einer gemeinsamen Entscheidungsfindung getroffen werden.
| Risikokategorie | Empfehlung zur Pharmakotherapie |
|---|---|
| Hoch (≥ 10 %) | Verschreibung wird empfohlen |
| Intermediär (5 bis < 10 %) | Verschreibung sollte erwogen werden |
| Niedrig (< 5 %) | Routinemäßige Therapie wird nicht empfohlen |
Bei sehr hohen Einzelrisikofaktoren (z. B. Blutdruck > 160/100 mmHg oder Gesamtcholesterin > 7,5 mmol/l) wird eine sofortige Therapieeinleitung unabhängig vom Gesamtrisiko empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler ist die Anwendung des Risikorechners bei Personen, die bereits ein klinisch determiniertes Hochrisiko aufweisen. Die Leitlinie betont, dass Personen mit familiärer Hypercholesterinämie oder mittelschwerer bis schwerer chronischer Nierenerkrankung automatisch als Hochrisikopatienten gelten. Bei diesen Personen wird eine sofortige Risikomanagement-Strategie ohne vorherige Kalkulation empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt die Risikobewertung für die Allgemeinbevölkerung ab 45 Jahren. Bei Personen mit Diabetes wird ein Beginn ab 35 Jahren und bei First Nations People ab 30 Jahren empfohlen.
Ein generelles Screening mittels CAC-Score wird nicht empfohlen. Die Untersuchung kann jedoch erwogen werden, wenn das berechnete Risiko im niedrigen oder intermediären Bereich liegt und Unsicherheiten bezüglich der Therapieentscheidung bestehen.
Laut Leitlinie wird eine blutdruck- und lipidsenkende Therapie bei einem 5-Jahres-Risiko von über 10 % empfohlen. Bei einem Risiko zwischen 5 % und 10 % sollte eine Therapie im Rahmen einer gemeinsamen Entscheidungsfindung erwogen werden.
Bei einem intermediären Risiko wird eine Reevaluation nach 2 Jahren empfohlen. Liegt ein niedriges Risiko vor, ist eine erneute Kontrolle nach 5 Jahren ausreichend, sofern sich keine Risikofaktoren verschlechtern.
Eine positive Familienanamnese für vorzeitige kardiovaskuläre Erkrankungen gilt als Reklassifizierungsfaktor. Wenn das berechnete Risiko nahe an einem Schwellenwert liegt, kann dieser Faktor eine Höherstufung in die nächste Risikokategorie rechtfertigen.
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Quelle: Australian Guideline for Assessing and Managing Cardiovascular Disease Risk 2023 (National Heart Foundation of Australia, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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