Ischämischer Schlaganfall: Thrombolyse & Thrombektomie
Hintergrund
Der ischämische Schlaganfall gehört zu den häufigsten Ursachen für Morbidität und Mortalität. Die vorliegende AWMF-Leitlinie (S2e) definiert die Standards für die Akutbehandlung und Sekundärprävention in der Frühphase.
Im Zentrum der Akutversorgung stehen die rasche Diagnostik und die schnellstmögliche Reperfusionstherapie. Je früher diese Maßnahmen eingeleitet werden, desto besser ist das funktionelle Outcome für die Betroffenen.
Neben der spezifischen Rekanalisation durch Thrombolyse oder Thrombektomie spielt die strukturierte Überwachung auf einer Stroke Unit eine entscheidende Rolle. Hierbei werden Vitalparameter engmaschig kontrolliert und Komplikationen frühzeitig behandelt.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist das Warten auf den Abschluss der Gefäßdiagnostik, bevor eine indizierte Thrombolyse gestartet wird. Die Leitlinie betont, dass die nicht-invasive Gefäßdarstellung (CTA/MRA) eine systemische Thrombolysetherapie niemals verzögern darf. Zudem wird darauf hingewiesen, dass das Ausmaß der Behinderung nicht allein mit dem NIHSS-Wert gleichgesetzt werden darf, da auch bei niedrigem Score stark behindernde Defizite vorliegen können, die eine Thrombolyse rechtfertigen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie soll der Blutdruck vor, während und in den ersten 24 Stunden nach einer systemischen Thrombolyse auf Werte von ≤ 180/105 mmHg gesenkt werden. Eine intensive Senkung auf normotensive Werte wird jedoch nicht empfohlen.
Eine duale Plättchenhemmung (z.B. ASS plus Ticagrelor oder Clopidogrel) kann bei ausgewählten Patienten mit leichtem, nicht-kardioembolischem Schlaganfall oder Hochrisiko-TIA erwogen werden. Voraussetzung ist, dass diese Patienten keine Thrombolyse oder Thrombektomie erhalten haben.
Die Leitlinie gibt an, dass Tenecteplase in einer Dosierung von 0,25 mg/kg als Alternative zu Alteplase in Betracht gezogen werden kann. Dies gilt insbesondere für Patienten, bei denen im Anschluss eine endovaskuläre Schlaganfalltherapie geplant ist.
Bei Patienten mit unklarem Symptombeginn wird eine Thrombolyse empfohlen, wenn sie sich innerhalb von 4,5 Stunden nach dem Erwachen vorstellen und in der MRT ein DWI/FLAIR-Mismatch nachweisbar ist. Bei Nachweis eines Großgefäßverschlusses und Vorliegen von rettbarem Gewebe (Mismatch) ist zudem eine Thrombektomie indiziert.
Bei Patienten bis 60 Jahre mit einem großen, raumfordernden Mediainfarkt soll laut Leitlinie innerhalb von 48 Stunden eine dekompressive Hemikraniektomie erfolgen, um das Überleben zu sichern. Bei Patienten über 60 Jahren kann dieser Eingriff nach sorgfältiger individueller Abwägung ebenfalls erwogen werden.
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Quelle: Akuttherapie des ischämischen Hirninfarktes (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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