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Schlaganfall: S3-Leitlinie zur Akuttherapie & Prävention

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die initiale Akutversorgung erfolgt nach dem ABCDE-Schema, neurologische Defizite werden per FAST-Test evaluiert.
  • Eine präklinische Sauerstoffgabe ist erst bei einer Sättigung von <95 % indiziert.
  • Bei Verdacht auf Schlaganfall muss der Blutzucker gemessen werden, um eine Hypoglykämie auszuschließen.
  • Die Sekundärprävention umfasst eine Blutdruckeinstellung (<140/90 mmHg), Statine und Thrombozytenaggregationshemmer (ASS oder Clopidogrel).
  • Bei Vorhofflimmern soll eine dauerhafte orale Antikoagulation (OAK) angeboten werden.
  • Die Rehabilitation erfordert ein interprofessionelles Team und individuell definierte, überprüfbare Therapieziele.
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Hintergrund

Der Schlaganfall ist eine gefäßbedingte Erkrankung des Gehirns, meist verursacht durch einen Gefäßverschluss (ca. 80 % ischämisch) oder seltener durch Hirnblutungen (10-12 %) bzw. Subarachnoidalblutungen (3 %). Eine transitorisch ischämische Attacke (TIA) ist eine umschriebene neurologische Funktionsstörung, die innerhalb von 24 Stunden vollständig reversibel ist. Jeder Schlaganfall und jede TIA sind medizinische Notfälle.

Prähospitale Akutversorgung

Die initiale Untersuchung von Notfallpatienten soll standardisiert nach dem ABCDE-Schema erfolgen. Zur neurologischen Beurteilung wird ein standardisierter Algorithmus wie der FAST-Test (Face Arm Speech Time) empfohlen.

MaßnahmeIndikation / ZielwertBemerkung
SauerstoffSättigung < 95 %Sollte erst bei Unterschreitung des Grenzwertes gegeben werden.
BlutzuckerAusschluss HypoglykämieBei Werten < 60 mg/dl soll Glucose i.v. gegeben werden.
Blutdruck< 120 mmHg systolisch + ExsikkoseKristalloide Infusionslösung sollte verabreicht werden.
Blutdruck≥ 220 mmHg systolischVorsichtige medikamentöse Senkung um 15 % kann erfolgen.
Venöser ZugangAbsicherungsmaßnahmeSoll angelegt werden, sofern zeitlich vertretbar.

TIA-Management

Das Vorgehen bei einer TIA richtet sich nach dem zeitlichen Abstand zum Symptombeginn und dem individuellen Risikoprofil:

ZeitfensterEmpfohlenes Vorgehen
< 48 StundenUmgehende Zuweisung auf eine Stroke Unit sollte erfolgen.
IntermediärStroke Unit bei hohem Risiko (ABCD² ≥ 4, VHF, Karotisstenose).
> 14 TageAmbulante Abklärung ausreichend (Abschluss binnen 1 Monat).

Sekundärprävention

Die Sekundärprävention umfasst Lebensstilmodifikationen (Rauchstopp, mediterrane Kost, Gewichtsreduktion, körperliche Aktivität) sowie eine konsequente medikamentöse Therapie.

TherapiebereichEmpfehlungZiel / Bemerkung
BlutdruckAntihypertensive TherapieLangfristiges Ziel sollte < 140/90 mmHg sein.
LipideStatineSoll allen Patienten nach Schlaganfall angeboten werden.
ThrombozytenhemmungASS 100 mg/Tag ODER Clopidogrel 75 mg/TagSoll als Monotherapie erfolgen. Kombination nur bei spezieller Indikation.
Duale PlättchenhemmungASS + ClopidogrelSollte bei nicht-schwerwiegendem Hirninfarkt für max. 30 Tage erfolgen.
Vorhofflimmern (VHF)Orale Antikoagulation (OAK)Soll dauerhaft angeboten werden (NOAK oder VKA mit Ziel-INR 2,5).

Bei Patienten unter 60 Jahren mit einem kryptogenen Hirninfarkt (in den letzten 6 Monaten) und einem persistierenden Foramen ovale (PFO) soll ein interventioneller Verschluss angeboten werden, sofern ein mäßiger Shunt oder ein Vorhofseptumaneurysma vorliegt.

Rehabilitation und Therapie

Die Rehabilitation erfordert ein interprofessionelles Team. Therapieziele sollen gemeinsam mit dem Patienten definiert, zeitlich bestimmt und schriftlich festgehalten werden.

  • Motorik und Spastik: Gehtraining und spezifische Maßnahmen zur Muskelkraftverbesserung sollen angeboten werden. Bei fokaler Spastik soll Botulinumtoxin injiziert werden, bei generalisierter Spastik sollten orale Antispastika (Baclofen, Tizanidin, Dantrolen, Diazepam) erwogen werden.
  • Schluckstörungen (Dysphagie): Bei Dysphagie soll eine oropharyngeale Schluckrehabilitation erfolgen. Ist eine enterale Ernährung > 28 Tage nötig, soll nach 14-28 Tagen eine PEG-Sonde angeboten werden.
  • Sprache und Kognition: Bei Aphasie soll eine hochfrequente Sprachtherapie erfolgen. Bei Neglect soll die Exploration der vernachlässigten Raumhälfte in allen Disziplinen gefördert werden.
  • Emotionale Störungen: Ein regelmäßiges Reassessment bezüglich Angst und Depression sollte erfolgen. Antidepressiva (z. B. SSRI) und Psychotherapie können angeboten werden, eine routinemäßige medikamentöse Prophylaxe soll jedoch nicht erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie den FAST-Test zur schnellen präklinischen Einschätzung. Bestimmen Sie bei jedem Verdacht auf Schlaganfall zwingend den Blutzucker, um eine Hypoglykämie als Differentialdiagnose sicher auszuschließen.

Häufig gestellte Fragen

Eine Sauerstoffgabe sollte erst ab einer Sauerstoffsättigung von <95 % erfolgen.
Blutdruckwerte ≥220 mmHg systolisch können per vorsichtiger medikamentöser Titration um maximal 15 % gesenkt werden.
Nach einem nicht-schwerwiegenden Hirninfarkt sollte eine duale Plättchenhemmung (ASS + Clopidogrel) für maximal 30 Tage erfolgen. Generell wird eine Monotherapie empfohlen.
Wenn die Symptomatik länger als 14 Tage zurückliegt, ist in der Regel eine ambulante Abklärung ausreichend, die binnen eines Monats abgeschlossen sein sollte. Bei <48 Stunden sollte eine Zuweisung auf die Stroke Unit erfolgen.
Wenn eine enterale Ernährung voraussichtlich länger als 28 Tage erforderlich ist, soll nach 14 bis 28 Tagen die Anlage einer PEG-Sonde angeboten werden.

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