Adipositas bei Erwachsenen: IQWiG-Leitliniensynopse
Hintergrund
Die IQWiG-Leitliniensynopse V21-05 fasst aktuelle evidenzbasierte Empfehlungen zur Versorgung von Erwachsenen mit Adipositas zusammen. Ziel ist es, strukturierte Behandlungsprogramme wie Disease-Management-Programme (DMP) zu unterstützen und die Versorgungsqualität zu verbessern.
Adipositas ist definiert als eine über die Norm hinausgehende Vermehrung des Körperfetts. Die Ursachen sind multifaktoriell und umfassen genetische Dispositionen, Lebensstilfaktoren, Essstörungen sowie den Einfluss bestimmter Medikamente wie Antidepressiva oder Kontrazeptiva.
Die Erkrankung gilt als wesentlicher Risikofaktor für kardiovaskuläre Beschwerden, Diabetes mellitus und bestimmte Krebsarten. In Deutschland weisen laut epidemiologischen Daten rund ein Viertel der Erwachsenen eine Adipositas auf, wobei die Prävalenz mit dem Lebensalter ansteigt.
Empfehlungen
Klassifikation der Adipositas
Zur Einteilung der Adipositas wird standardmäßig der Body-Mass-Index (BMI) herangezogen. Die Leitlinie definiert folgende Schweregrade:
| Klassifikation | BMI (kg/m²) |
|---|---|
| Übergewicht (Präadipositas) | 25,00–29,99 |
| Adipositas Grad I | 30,00–34,99 |
| Adipositas Grad II | 35,00–39,99 |
| Adipositas Grad III | ≥ 40,00 |
Da der BMI nicht zwischen Muskel- und Fettmasse unterscheidet, wird zusätzlich die Beurteilung des Fettverteilungsmusters empfohlen. Von einer abdominalen Adipositas wird bei Frauen ab einem Taillenumfang von über 88 cm und bei Männern von über 102 cm gesprochen.
Diagnostik und Anamnese
Laut Synopse wird eine umfassende Anamnese empfohlen, um die Ursachen der Gewichtszunahme, mögliche Komplikationen und Behandlungshindernisse zu erfassen. Zudem sollte eine Beurteilung der Einschränkungen in den Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) erfolgen.
Hierbei wird empfohlen, insbesondere auf das Sturzrisiko und Bedenken bezüglich der Selbstversorgung zu achten.
Für die anthropometrischen Messungen formuliert die Leitlinie folgende Kernempfehlungen:
-
Bestimmung des BMI bei allen erwachsenen Personen
-
Messung des Taillenumfanges bei Personen mit einem BMI von 25 bis 35 kg/m²
Risikoabschätzung
Es wird eine strukturierte Abschätzung der mit der Adipositas einhergehenden Risiken und der Krankheitslast empfohlen.
Die Leitlinie verweist auf Empfehlungen zum Screening auf Prädiabetes und Diabetes mellitus Typ 2. Dieses Screening wird insbesondere für Personen ab einem Alter von 35 Jahren empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie sollte der BMI stets mit Vorsicht interpretiert werden, da er nicht zwischen Fett- und Muskelmasse unterscheidet. Es wird darauf hingewiesen, dass beispielsweise Erwachsene asiatischer Herkunft bereits bei niedrigeren BMI-Werten zu einer Adipositas neigen. Daher wird bei einem BMI zwischen 25 und 35 kg/m² die zusätzliche Messung des Taillenumfangs zur besseren Risikostratifizierung empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Gemäß der Leitlinie beginnt eine Adipositas Grad I bei einem Body-Mass-Index (BMI) von 30,0 kg/m². Werte zwischen 25,0 und 29,9 kg/m² werden als Übergewicht beziehungsweise Präadipositas klassifiziert.
Die Leitlinie definiert eine abdominale Adipositas bei Frauen ab einem Taillenumfang von mehr als 88 cm. Bei Männern liegt der Grenzwert bei mehr als 102 cm.
Laut Synopse können bestimmte Medikamente als Risikofaktor für die Entstehung einer Adipositas wirken. Dazu zählen unter anderem einige Antidepressiva und Kontrazeptiva.
Es wird ein Screening auf Prädiabetes und Diabetes mellitus Typ 2 empfohlen. Dieses sollte laut Leitlinie bei betroffenen Personen ab einem Alter von 35 Jahren erfolgen.
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Quelle: IQWiG V21-05: Leitliniensynopse Adipositas - Erwachsene (IQWiG, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.