Koronare Herzkrankheit (DMP KHK): IQWiG-Bericht
Hintergrund
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beauftragte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mit einer systematischen Leitlinienrecherche zur koronaren Herzkrankheit (KHK). Ziel des 2011 publizierten Berichts war es, potenziellen Aktualisierungsbedarf für das Disease-Management-Programm (DMP KHK) zu ermitteln.
Es wurden 14 evidenzbasierte internationale und nationale Leitlinien eingeschlossen und methodisch bewertet. Die extrahierten Empfehlungen wurden mit den damaligen Anforderungen der Anlage 5 der Risikostrukturausgleichs-Änderungsverordnung abgeglichen.
Empfehlungen
Der Bericht fasst die Empfehlungen der internationalen Leitlinien in verschiedenen Versorgungsaspekten zusammen:
Allgemeine Maßnahmen und Lebensstil
Laut IQWiG-Bericht wird in den zugrundeliegenden Leitlinien eine detaillierte Erfassung von Risikofaktoren empfohlen. Dazu gehört die Bestimmung von Body-Mass-Index (BMI) und Taillenumfang.
Zudem wird eine spezifische Ernährungsberatung sowie die Definition konkreter Zielwerte für Cholesterin und Triglyzeride angeraten.
Weitere nichtmedikamentöse Kernempfehlungen umfassen:
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Konkrete Vorgaben zu Dauer, Art und Intensität der körperlichen Aktivität
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Erweiterte medikamentöse Unterstützung bei der Raucherentwöhnung
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Eine jährliche Influenzaimpfung für KHK-Patienten
Medikamentöse Therapie
Der Bericht identifiziert mehrere Bereiche mit Spezifizierungsbedarf gegenüber dem bisherigen DMP. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über ausgewählte medikamentöse Empfehlungen der Leitlinien:
| Wirkstoffklasse | Indikation / Situation | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|
| Kurzwirksame Nitrate | Anfallskupierung | GoR I, LoE C |
| ACE-Hemmer | Langfristig, unabhängig von LV-Dysfunktion | GoR IIa, LoE A/B |
| Clopidogrel | ASS-Unverträglichkeit | GoR I, LoE A/B |
| Orale Antikoagulanzien | ASS- und Clopidogrel-Unverträglichkeit | GoR IIa/IIb, LoE B |
| Prasugrel | ACS mit Stent (Alternative zu Clopidogrel) | GoR I, LoE B |
Aldosteronantagonisten werden mit dem höchsten Empfehlungsgrad für Patienten nach Myokardinfarkt empfohlen, sofern folgende Kriterien erfüllt sind:
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Keine bedeutsame Nierenfunktionseinschränkung oder Hyperkaliämie
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Bestehende Therapie mit ACE-Hemmern und Betablockern
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Linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) ≤ 40 %
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Begleitende Herzinsuffizienz oder Diabetes mellitus
Thrombozytenaggregationshemmung
Nach einem akuten Koronarsyndrom (ACS) wird eine duale Thrombozytenaggregationshemmung für bis zu 12 Monate empfohlen. Bei ACS-Patienten mit Stentimplantation wird Prasugrel als Alternative zu Clopidogrel genannt (GoR I, LoE B).
Interventionelle Therapie und Schulung
Bezüglich der interventionellen Therapie verweist der Bericht auf eine Leitlinie, die unter bestimmten Voraussetzungen einen geringeren Stenosegrad von über 50 % für die Indikationsstellung nennt.
Zudem wird empfohlen, Patienten im Rahmen von Schulungen gezielt darauf vorzubereiten, bedrohliche Akutsituationen zu erkennen und rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Kontraindikationen
Laut IQWiG-Bericht sprechen die ausgewerteten Leitlinien explizite Negativempfehlungen für bestimmte Therapien bei KHK aus.
Es wird vom Einsatz von COX-2-Hemmern, der menopausalen Hormontherapie sowie Dipyridamol abgeraten.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht hebt hervor, dass bei Patienten nach einem Myokardinfarkt mit einer LVEF ≤ 40 % und begleitendem Diabetes oder Herzinsuffizienz der Einsatz von Aldosteronantagonisten stark empfohlen wird. Es wird angeraten, vorab eine bedeutsame Nierenfunktionseinschränkung oder Hyperkaliämie laborchemisch auszuschließen.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht wird bei einer Kontraindikation oder Unverträglichkeit von Acetylsalicylsäure (ASS) der Einsatz von Clopidogrel empfohlen. Sind beide Wirkstoffe kontraindiziert, wird zu oralen Antikoagulanzien geraten.
Die ausgewerteten Leitlinien empfehlen nach einem akuten Koronarsyndrom eine Kombinationstherapie aus ASS und Clopidogrel für eine Dauer von bis zu 12 Monaten.
Der Bericht nennt als Indikation Patienten mit einer LVEF von maximal 40 %, die zusätzlich an Herzinsuffizienz oder Diabetes mellitus leiden. Voraussetzung ist das Fehlen einer schweren Niereninsuffizienz oder Hyperkaliämie.
Ja, die internationalen Leitlinien sprechen übereinstimmend eine Empfehlung für die jährliche Influenzaimpfung bei KHK-Patienten aus.
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Quelle: IQWiG V09-05: Systematische Leitlinienrecherche und -bewertung sowie Extraktion neuer und relevanter Empfehlungen für das DMP KHK (IQWiG, 2011). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.