Pflanzliche Mittel bei rezidivierender Zystitis: IQWiG
Hintergrund
Der HTA-Bericht des IQWiG (HT20-01) untersucht den Nutzen pflanzlicher Präparate bei Frauen ab 16 Jahren mit unkomplizierter, rezidivierender Urozystitis. Eine rezidivierende Blasenentzündung ist definiert als mindestens zwei symptomatische Episoden pro Halbjahr oder drei Episoden pro Jahr.
Zur Vermeidung von Rezidiven und zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes werden häufig nicht antibiotische Alternativen nachgefragt. Der Bericht analysiert hierfür verschiedene Phytopräparate, insbesondere Cranberry-Extrakte, hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei der Langzeitprävention.
Die Datenlage bezieht sich fast ausschließlich auf die Prävention von Blasenentzündungen. Zur Wirksamkeit pflanzlicher Mittel bei der Akutbehandlung symptomatischer Episoden bei Frauen mit wiederkehrender Zystitis liegen laut Untersuchung keine ausreichenden Daten vor.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende Kernaussagen zum Einsatz von Phytopräparaten:
Cranberry-Präparate zur Prävention
Laut Untersuchung wird der präventive Einsatz von Cranberry-Präparaten als sinnvoll erachtet. Es ergeben sich folgende Resultate:
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Es gibt einen Hinweis auf einen Nutzen im Vergleich zu Placebo hinsichtlich der Verringerung der Rezidivrate.
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Es liegt ein Anhaltspunkt für eine Verlängerung des Zeitraums bis zum nächsten Rezidiv vor.
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Im direkten Vergleich zu einer antibiotischen Langzeitbehandlung (Trimethoprim-Sulfamethoxazol) zeigt sich ein Anhaltspunkt für einen geringeren Nutzen von Cranberry-Präparaten.
Weitere pflanzliche Präparate
Für andere Pflanzenbestandteile liegen laut Bericht vereinzelte positive Ergebnisse zur Rezidivvermeidung vor:
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Bärentraubenblätter und Löwenzahn: Es zeigt sich ein Anhaltspunkt für einen Nutzen im Vergleich zu Placebo.
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Liebstöckelwurzel, Rosmarinblätter und Tausendgüldenkraut: Es gibt einen Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen in Kombination mit Antibiotika im Vergleich zur alleinigen Antibiotikagabe.
Einordnung zur S3-Leitlinie
Die S3-Leitlinie zu Harnwegsinfektionen (Stand 2017) spricht aufgrund damals widersprüchlicher Daten keine Empfehlung für Cranberry-Produkte aus. Der Bericht weist darauf hin, dass diese Diskrepanz durch neuere Studien zu erklären ist, die erst nach der Leitlinienpublikation erschienen sind.
💡Praxis-Tipp
Bei der Aufklärung über pflanzliche Präparate wird empfohlen, auf die unklare Datenlage zur Akuttherapie hinzuweisen. Laut Bericht ist ein Nutzen von Cranberry-Präparaten lediglich für die Rezidivprophylaxe belegt, nicht jedoch für die Behandlung einer bereits bestehenden akuten Blasenentzündung. Zudem wird betont, dass die Kosten für diese Präparate meist von den Betroffenen selbst getragen werden müssen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem IQWiG-Bericht fehlen derzeit Studiendaten zur Wirksamkeit von Cranberry-Präparaten bei der Akutbehandlung einer symptomatischen Episode. Die nachgewiesenen positiven Effekte beziehen sich ausschließlich auf die Prävention weiterer Infekte.
Die Untersuchung zeigt, dass Cranberry-Präparate bei der reinen Rezidivvermeidung einen geringeren Nutzen aufweisen als eine antibiotische Langzeitbehandlung. Allerdings wird eine antibiotische Prophylaxe aufgrund der Resistenzentwicklung in Leitlinien nur als Reserveoption empfohlen.
Die Kosten für pflanzliche Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel zur Zystitis-Prophylaxe werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Es wird berichtet, dass für eine sechsmonatige Einnahme Kosten zwischen 60 und 320 Euro anfallen können.
Die S3-Leitlinie von 2017 konnte aufgrund damals widersprüchlicher Daten keine Empfehlung aussprechen. Der aktuelle Bericht berücksichtigt sechs neuere Studien, die nach Veröffentlichung der Leitlinie erschienen sind und einen Nutzen belegen.
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Quelle: IQWiG HT20-01: Blasenentzündung: Helfen pflanzliche Mittel bei wiederkehrender unkomplizierter Blasenentzündung? (IQWiG, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.