Lebertransplantation Maschinenperfusion: IQWiG-Bericht
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht H24-01 stellt ein Addendum zur Bewertung der extrakorporalen Diagnose und Behandlung von Lebertransplantaten dar. Dabei wird die normotherme Maschinenperfusion (NMP) unter Vermeidung einer Kaltkonservierung untersucht.
In Deutschland dürfen ausschließlich Lebern von hirntoten Spendern (Donation after Brain Death, DBD) transplantiert werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beauftragte daher eine spezifische Auswertung der vorliegenden Studiendaten für genau dieses Kollektiv.
Ziel der Untersuchung war es zu prüfen, ob sich insbesondere für Spenderorgane mit eingeschränkter Qualität ein Vorteil durch die Maschinenperfusion ergibt. Hierfür wurden Subgruppenanalysen zu Faktoren wie Spenderalter, Donor Risk Index (DRI) und Makrosteatose angefordert.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert basierend auf drei randomisiert-kontrollierten Studien (RCTs) folgende zentrale Ergebnisse zur normothermen Maschinenperfusion (NMP) im Vergleich zur statischen Kaltlagerung (SCS).
Klinische Endpunkte nach einem Jahr
Laut Bewertung zeigt sich für das in Deutschland relevante DBD-Kollektiv nach einem Jahr kein statistisch signifikanter Unterschied bezüglich der Gesamtmortalität. Weder ein Vor- noch ein Nachteil der NMP ist anhand der Datenlage erkennbar.
Auch beim Transplantatverlust lässt sich gemäß den untersuchten Studien kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Konservierungsmethoden feststellen.
Die Auswertung ergibt zudem keinen signifikanten Unterschied bei der Rate der verworfenen Organe nach Randomisierung. Ein Vorteil der extrakorporalen Behandlung zur Vermeidung von Organverwürfen ist somit nicht belegt.
| Endpunkt (nach 1 Jahr) | Normotherme Maschinenperfusion (NMP) | Statische Kaltlagerung (SCS) | Signifikanter Unterschied |
|---|---|---|---|
| Gesamtmortalität | Keine Überlegenheit | Keine Überlegenheit | Nein |
| Transplantatverlust | Keine Überlegenheit | Keine Überlegenheit | Nein |
| Organverwurf | Keine Überlegenheit | Keine Überlegenheit | Nein |
Ergebnisse der Subgruppenanalysen
Der Bericht untersucht spezifische Risikofaktoren, um eine mögliche Effektmodifikation durch eine verminderte Organqualität zu prüfen:
-
Spenderalter: Die Datenlage lässt aufgrund weniger Ereignisse keine verlässliche Interpretation zu.
-
Donor Risk Index (DRI): Aufgrund eines sehr hohen Anteils fehlender Daten sind die Ergebnisse nicht verwertbar.
-
Makrosteatose: Auch hier verhindern fehlende Angaben eine aussagekräftige Bewertung der Subgruppe.
Fazit der Nutzenbewertung
In der Gesamtschau stellt der Bericht für das Anwendungsgebiet der DBD-Leber-Transplantation die Unwirksamkeit der Methode im Sinne von § 137h Abs. 1 Satz 4 SGB V fest. Es liegen nicht ausreichend interpretierbare Daten vor, um abschließend zu beurteilen, ob spezifische Subgruppen von der NMP profitieren könnten.
💡Praxis-Tipp
Laut IQWiG-Bericht bietet die normotherme Maschinenperfusion unter Vermeidung einer Kaltkonservierung bei DBD-Lebern aktuell keinen nachgewiesenen Vorteil gegenüber der etablierten statischen Kaltlagerung. Es wird darauf hingewiesen, dass aufgrund mangelhafter Datenlage auch bei Organen mit eingeschränkter Qualität (wie hohem Spenderalter oder Steatose) derzeit kein klinischer Nutzen der Methode belegt ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut der aktuellen IQWiG-Bewertung lässt sich für die normotherme Maschinenperfusion bei DBD-Lebern im Vergleich zur statischen Kaltlagerung weder ein Nutzen noch ein Schaden belegen. Die Methode zeigt keinen signifikanten Einfluss auf die Mortalität oder den Transplantatverlust.
Der Bericht untersuchte Subgruppen wie ein hohes Spenderalter, einen hohen Donor Risk Index oder Makrosteatose. Aufgrund fehlender Daten konnte jedoch nicht beurteilt werden, ob diese speziellen Risikogruppen von der Methode profitieren.
In Deutschland ist ausschließlich die Transplantation von Lebern hirntoter Spender (Donation after Brain Death, DBD) zulässig. Organe von Spendern mit alleinigem Herz-Kreislauf-Stillstand (DCD) sind von der Entnahme und Transplantation ausgeschlossen.
Die Auswertung der vorliegenden Studien zeigt keinen statistisch signifikanten Unterschied beim Organverwurf nach Randomisierung. Die Maschinenperfusion führt demnach nicht zu einer signifikanten Reduktion verworfener Lebern im Vergleich zur Kaltlagerung.
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Quelle: IQWiG H24-01: Extrakorporale Diagnose und Behandlung von Lebertransplantaten unter Vermeidung einer Kaltkonservierung - Addendum zum Auftrag H21-12 (IQWiG, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.