Sacituzumab Govitecan bei Mammakarzinom: IQWiG
Hintergrund
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mit einer ergänzenden Nutzenbewertung beauftragt. Gegenstand ist der Wirkstoff Sacituzumab Govitecan.
Die Bewertung bezieht sich auf erwachsene Personen mit nicht resezierbarem oder metastasiertem, Hormonrezeptor-positivem und HER2-negativem Mammakarzinom. Voraussetzung ist eine Vorbehandlung mit einer endokrin-basierten Therapie sowie mindestens zwei zusätzlichen systemischen Therapien.
Das vorliegende Addendum ergänzt eine vorherige Dossierbewertung. Es analysiert insbesondere die nachgereichten Daten der Studie EVER-132-002 sowie eine Metaanalyse mit der Studie TROPiCS-02.
Empfehlungen
Der Bericht definiert folgende methodische und klinische Rahmenbedingungen für die Bewertung:
Studienpopulation und Einschlusskriterien
Die relevante Studienpopulation wird anhand spezifischer Vorbehandlungen definiert. Es wird vorausgesetzt, dass die Betroffenen einen ECOG-Performance-Status von 0 oder 1 aufweisen.
Zudem müssen gemäß Einschlusskriterien folgende Vortherapien erfolgt sein:
-
Mindestens eine endokrin-basierte Therapie
-
Mindestens eine taxanhaltige Chemotherapie
-
Zwei bis vier Chemotherapie-Regime im metastasierten Stadium
Zweckmäßige Vergleichstherapie
In der bewerteten Studie EVER-132-002 wurde Sacituzumab Govitecan mit einer Therapie nach ärztlicher Maßgabe verglichen. Gemäß IQWiG-Bewertung gelten dabei folgende Wirkstoffe als zulässige Vergleichstherapie:
-
Capecitabin
-
Eribulin
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Vinorelbin
Der Wirkstoff Gemcitabin wird vom Institut in diesem Kontext nicht als Teil der zweckmäßigen Vergleichstherapie anerkannt. Entsprechende Behandlungsarme wurden aus der relevanten Teilpopulation ausgeschlossen.
Endpunkte und Studiendesign
Als primärer Endpunkt der Studie wurde das progressionsfreie Überleben (PFS) definiert. Zu den patientenrelevanten sekundären Endpunkten zählen das Gesamtüberleben, Morbidität, gesundheitsbezogene Lebensqualität und Nebenwirkungen.
Das Institut kritisiert, dass die Beobachtungszeiten für Morbidität, Lebensqualität und Nebenwirkungen systematisch verkürzt waren. Diese wurden lediglich für den Behandlungszeitraum zuzüglich 7 bis 30 Tagen erhoben, was die Aussagekraft im Vergleich zum Gesamtüberleben einschränkt.
Dosierung
Die in der Studie EVER-132-002 untersuchten Dosierungsschemata für die Intervention und die zugelassenen Vergleichstherapien sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst.
| Wirkstoff | Dosierung | Anwendungszyklus |
|---|---|---|
| Sacituzumab Govitecan | 10 mg/kg Körpergewicht i.v. | Tag 1 und Tag 8 eines 21-Tage-Zyklus |
| Capecitabin | 1000–1250 mg/m² Körperoberfläche oral (2-mal täglich) | Tag 1 bis 14 eines 21-Tage-Zyklus |
| Eribulin | 1,4 mg/m² Körperoberfläche i.v. | Tag 1 und Tag 8 eines 21-Tage-Zyklus |
| Vinorelbin | 25 mg/m² Körperoberfläche i.v. | 1-mal wöchentlich |
Kontraindikationen
Der Bericht listet spezifische Vor- und Begleitbehandlungen auf, die im Rahmen der Studie nicht erlaubt waren. Dazu zählen Topoisomerase-1-Inhibitoren vor dem Screening.
Ebenfalls ausgeschlossen waren hochdosierte systemische Kortikosteroide innerhalb von zwei Wochen vor Zyklus 1. Bluttransfusionen oder hämatopoetische Wachstumsfaktoren in diesem Zeitraum waren ebenfalls nicht zulässig.
💡Praxis-Tipp
Laut IQWiG-Bericht ist bei der Interpretation von Studiendaten zu beachten, dass die Beobachtungsdauer für Endpunkte wie Lebensqualität und Nebenwirkungen oft an das Behandlungsende gekoppelt und damit systematisch verkürzt ist. Dies schränkt die Beurteilung von Langzeiteffekten im Vergleich zum Gesamtüberleben deutlich ein.
Häufig gestellte Fragen
Der IQWiG-Bericht setzt eine Vorbehandlung mit mindestens einer endokrin-basierten Therapie und einem Taxan voraus. Zudem müssen zwei bis vier Chemotherapien im metastasierten Stadium erfolgt sein.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie werden Capecitabin, Eribulin oder Vinorelbin herangezogen. Gemcitabin wird in diesem Anwendungsgebiet nicht als zulässige Vergleichstherapie gewertet.
In der bewerteten Studie erfolgte die Gabe in einer Dosierung von 10 mg/kg Körpergewicht intravenös. Die Anwendung fand an Tag 1 und Tag 8 eines 21-Tage-Zyklus statt.
Laut Bericht sind vom Anwendungsgebiet auch Personen ohne vorherige CDK4/6-Inhibitor-Therapie umfasst. Das Institut stellte bei patientenrelevanten Endpunkten keine relevante Effektmodifikation durch dieses Merkmal fest.
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Quelle: IQWiG A24-07: Sacituzumab Govitecan (Mammakarzinom) – Addendum zum Projekt A23-86 (IQWiG, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.