Cannabidiol bei Lennox-Gastaut-Syndrom: IQWiG-Bewertung
Hintergrund
Die vorliegende Dossierbewertung des IQWiG (A23-120) aus dem Jahr 2024 untersucht den Zusatznutzen von Cannabidiol. Der Wirkstoff wird als Zusatztherapie in Kombination mit Clobazam bei Krampfanfällen im Zusammenhang mit dem Lennox-Gastaut-Syndrom bewertet.
Die Zielgruppe umfasst Patientinnen und Patienten ab einem Alter von 2 Jahren. Da der Umsatz des Arzneimittels die gesetzliche Schwelle von 30 Millionen Euro überschritten hat, war eine reguläre Nutzenbewertung gegenüber einer zweckmäßigen Vergleichstherapie erforderlich.
Zuvor galt der Zusatznutzen aufgrund der Sondersituation für Orphan Drugs durch die Zulassung formal als belegt. Nun musste der pharmazeutische Unternehmer den Nachweis durch entsprechende Studiendaten erbringen.
Empfehlungen
Die IQWiG-Nutzenbewertung formuliert folgende Kernaussagen zur Evidenzlage und zum Zusatznutzen:
Zweckmäßige Vergleichstherapie
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) legte als Vergleichstherapie eine patientenindividuelle antiepileptische Zusatztherapie fest. Diese soll laut Bewertung unter Berücksichtigung von Vortherapien, Anfallsformen und Nebenwirkungen aus 24 verfügbaren Wirkstoffen ausgewählt werden.
Bewertung der Studienlage
Das IQWiG bewertete die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegten placebokontrollierten Studien (GWEP1414 und GWEP1423). Dabei wurden folgende methodische Mängel festgestellt:
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Die Studien verglichen Cannabidiol lediglich als Zusatz zu einer unveränderten, unzureichenden Basistherapie mit Placebo.
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Eine individuelle Therapieanpassung oder Optimierung im Vergleichsarm war zu keinem Zeitpunkt erlaubt.
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Ein Großteil der eingeschlossenen Personen hatte leitliniengerechte Erst- und Zweitlinientherapien noch nicht erhalten.
Fazit zum Zusatznutzen
Aufgrund der fehlenden Umsetzung der zweckmäßigen Vergleichstherapie in den Zulassungsstudien liegen keine geeigneten Daten vor. Das IQWiG kommt zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen von Cannabidiol in Kombination mit Clobazam nicht belegt ist.
Dosierung
Das Dokument zitiert die Fachinformation hinsichtlich der Dosierung von Cannabidiol. Die Einnahme sollte konsequent entweder mit oder ohne Nahrung erfolgen, da Nahrung (insbesondere ketogene Ernährung) den Wirkstoffspiegel erhöhen kann.
| Indikation | Anfangsdosis (Woche 1) | Erhaltungsdosis (ab Woche 2) | Maximale Dosis |
|---|---|---|---|
| Lennox-Gastaut-Syndrom (LGS) | 2,5 mg/kg 2x täglich (5 mg/kg/Tag) | 5 mg/kg 2x täglich (10 mg/kg/Tag) | 10 mg/kg 2x täglich (20 mg/kg/Tag) |
| Dravet-Syndrom (DS) | 2,5 mg/kg 2x täglich (5 mg/kg/Tag) | 5 mg/kg 2x täglich (10 mg/kg/Tag) | 10 mg/kg 2x täglich (20 mg/kg/Tag) |
| Tuberöse Sklerose (TSC) | 2,5 mg/kg 2x täglich (5 mg/kg/Tag) | 5 mg/kg 2x täglich (10 mg/kg/Tag) | 12,5 mg/kg 2x täglich (25 mg/kg/Tag) |
Weitere Hinweise zur Dosierung gemäß Dokument:
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Bei Leberfunktionsstörungen (Child-Pugh B und C) wird eine niedrigere Anfangsdosis empfohlen.
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Ein Absetzen der Medikation sollte ausschleichend erfolgen (Dosisreduktion um ca. 10 % pro Tag über 10 Tage).
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Dosissteigerungen bis zur Maximaldosis können in wöchentlichen Schritten von 2,5 mg/kg zweimal täglich erfolgen.
Kontraindikationen
Laut den zitierten Fachinformationen besteht eine Gegenanzeige bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff.
💡Praxis-Tipp
Das IQWiG betont, dass auch bei vermeintlich pharmakoresistenten Verläufen des Lennox-Gastaut-Syndroms eine individuelle Optimierung der medikamentösen Therapie sinnvoll ist. Laut zitierten Leitlinien fluktuiert das Ansprechen auf Antiepileptika im Krankheitsverlauf, weshalb ein erneuter Therapieversuch mit bisher nicht eingesetzten Wirkstoffen der ersten oder zweiten Linie empfohlen wird, bevor eine Therapie als vollständig ausgereizt gilt.
Häufig gestellte Fragen
Laut der aktuellen IQWiG-Bewertung ist ein Zusatznutzen von Cannabidiol in Kombination mit Clobazam nicht belegt. Die vorgelegten Studien setzten die geforderte patientenindividuelle Vergleichstherapie nicht adäquat um.
Bei der Markteinführung 2021 galt der Zusatznutzen aufgrund des Orphan-Drug-Status formal als belegt. Nach Überschreiten der Umsatzgrenze von 30 Millionen Euro musste nun eine reguläre Nutzenbewertung anhand von Studiendaten erfolgen.
Die empfohlene Anfangsdosis bei LGS beträgt 5 mg/kg Körpergewicht pro Tag, aufgeteilt auf zwei Gaben. Nach einer Woche wird eine Erhöhung auf die Erhaltungsdosis von 10 mg/kg pro Tag empfohlen.
Die Einnahme kann mit oder ohne Nahrung erfolgen, sollte aber laut Dokument konsequent beibehalten werden. Eine gleichzeitige Nahrungsaufnahme, insbesondere bei ketogener Diät, kann den Cannabidiolspiegel im Blut erhöhen.
Es wird empfohlen, die Medikation nicht abrupt abzusetzen. Die Dosis sollte schrittweise um etwa 10 Prozent pro Tag über einen Zeitraum von 10 Tagen reduziert werden.
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Quelle: IQWiG A23-120: Cannabidiol (Lennox-Gastaut-Syndrom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.