Calcifediol bei sHPT: IQWiG-Nutzenbewertung
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A22-09 bewertet den Zusatznutzen von Calcifediol. Der Wirkstoff ist zur Behandlung des sekundären Hyperparathyreoidismus (sHPT) zugelassen.
Die Zielgruppe umfasst erwachsene Personen mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) im Stadium 3 oder 4. Zudem muss bei den Betroffenen ein Vitamin-D-Mangel vorliegen.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) Paricalcitol festgelegt. Bei Bedarf wird zusätzlich die Gabe von Phosphatbindern vorausgesetzt.
Empfehlungen
Bewertung des Zusatznutzens
Laut IQWiG-Bericht liegen keine geeigneten Daten für einen direkten Vergleich von Calcifediol mit der zweckmäßigen Vergleichstherapie vor. Es wurden keine relevanten randomisierten kontrollierten Studien (RCT) identifiziert.
Daraus resultiert folgende Bewertung:
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Ein Zusatznutzen von Calcifediol gegenüber Paricalcitol ist nicht belegt.
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Die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegten placebokontrollierten Studien (CTAP-CL-3001 und CTAP-CL-3002) wurden nicht zur Ableitung eines Zusatznutzens herangezogen.
Epidemiologie und Kosten
Die Zielpopulation in der gesetzlichen Krankenversicherung wird auf 146.671 bis 184.296 Personen geschätzt. Der Bericht weist jedoch darauf hin, dass diese Zahl aufgrund methodischer Annahmen unsicher ist.
Die Jahrestherapiekosten für Calcifediol belaufen sich laut Bericht auf etwa 2.551 bis 5.035 Euro. Die Kosten für die Vergleichstherapie Paricalcitol liegen bei 1.220 bis 4.316 Euro.
Dosierung
Die Fachinformation gibt laut Bericht folgende Dosierungsschemata für retardiertes Calcifediol vor:
| Therapiephase | Dosierung | Einnahmehinweise | Voraussetzungen |
|---|---|---|---|
| Startdosis | 30 µg (1 Kapsel) 1x täglich | Vor dem Schlafengehen, unzerkaut, ≥ 2 h nach Mahlzeit | Calcium < 2,45 mmol/l, Phosphat < 1,78 mmol/l |
| Dosiserhöhung (nach ca. 3 Monaten) | 60 µg (2 Kapseln) 1x täglich | Wie Startdosis | iPTH über Zielbereich, Ca < 2,45 mmol/l, P < 1,78 mmol/l, 25(OH)D < 162 nmol/l |
Therapiemonitoring
Es wird ein engmaschiges Monitoring empfohlen. Die Konzentrationen von Calcium, Phosphat, 25(OH)D und intaktem Parathormon (iPTH) sollten zu folgenden Zeitpunkten kontrolliert werden:
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Spätestens 3 Monate nach Therapiebeginn
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Nach jeder Dosisanpassung
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Im weiteren Verlauf mindestens alle 6 bis 12 Monate
Kontraindikationen
Laut Bericht bestehen Gegenanzeigen bei einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile.
Zudem werden folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen aufgeführt:
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Hyperkalzämie und Hyperphosphatämie: Eine engmaschige Überwachung ist erforderlich, insbesondere bei anamnestisch bekannten Entgleisungen vor Therapiebeginn.
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Digitalis-Toxizität: Durch eine mögliche Hyperkalzämie steigt das Risiko für Arrhythmien bei gleichzeitiger Einnahme von Herzglykosiden.
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Adynamische Osteopathie: Das iPTH sollte kontrolliert und die Dosis gegebenenfalls angepasst werden.
Wechselwirkungen
Der Bericht nennt potenziell klinisch relevante Interaktionen mit folgenden Substanzklassen:
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CYP3A4-Hemmer (Dosisanpassung und engmaschige Kontrolle nötig)
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Thiazide (erhöhtes Risiko für Hyperkalzämie)
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Cholestyramin und Antikonvulsiva wie Phenobarbital (Dosisanpassung erwägen)
💡Praxis-Tipp
Laut Fachinformation muss die Einnahme von Calcifediol ausgesetzt werden, wenn das intakte Parathormon (iPTH) anhaltend abnormal niedrig ist. Ein Therapieunterbruch ist ebenfalls erforderlich, wenn der Calcium-Spiegel anhaltend über dem Normalbereich liegt oder der 25(OH)D-Spiegel dauerhaft 250 nmol/l überschreitet.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG ist Calcifediol für Erwachsene mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) im Stadium 3 oder 4 zugelassen. Voraussetzung ist das Vorliegen eines sekundären Hyperparathyreoidismus sowie eines Vitamin-D-Mangels.
Der IQWiG-Bericht kommt zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen von Calcifediol gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie Paricalcitol nicht belegt ist. Es liegen keine geeigneten direkt vergleichenden Studiendaten vor.
Die Kapseln werden unzerkaut eingenommen. Die Einnahme erfolgt einmal täglich vor dem Schlafengehen und mit einem Abstand von mindestens zwei Stunden zur letzten Mahlzeit.
Vor der Einleitung der Behandlung müssen die Calcium- und Phosphat-Spiegel bestimmt werden. Der Calcium-Spiegel sollte unter 2,45 mmol/l und der Phosphat-Spiegel unter 1,78 mmol/l liegen.
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Quelle: IQWiG A22-09: Calcifediol (sekundärer Hyperparathyreoidismus) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.