Sucroferric Oxyhydroxid bei CKD: IQWiG-Nutzenbewertung
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aus dem Jahr 2015 befasst sich mit der frühen Nutzenbewertung von Sucroferric Oxyhydroxid. Der Wirkstoff wird zur Kontrolle des Serumphosphatspiegels bei erwachsenen Patienten mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) eingesetzt, die sich einer Hämodialyse oder Peritonealdialyse unterziehen.
Gemäß der Bewertung soll Sucroferric Oxyhydroxid im Rahmen eines multiplen Therapieansatzes angewendet werden. Dieser umfasst unter anderem die Zuführung von Kalziumpräparaten, Vitamin-D-Derivaten oder Kalzimimetika.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie legte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) Sevelamer, Lanthankarbonat oder kalziumhaltige Phosphatbinder fest. Der pharmazeutische Unternehmer wählte für sein Dossier Sevelamer als Vergleichsmedikation.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht kommt zu dem Schluss, dass kein Beleg für einen Zusatznutzen von Sucroferric Oxyhydroxid im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie vorliegt. Die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegten Studien (PA-CL-03A und PA-CL-05A/05B) wurden als nicht geeignet für die Nutzenbewertung eingestuft.
Mängel der Studie PA-CL-03A
Die Phase-II-Studie wurde aufgrund einer nicht zulassungskonformen Verabreichung der Wirkstoffe ausgeschlossen. Das IQWiG kritisiert folgende Punkte:
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Eine Überdosierung von Sevelamerhydrochlorid, da alle Patienten eine Startdosis von 4,8 g/Tag erhielten, unabhängig vom initialen Serumphosphatspiegel.
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Eine fehlende Möglichkeit zur patientenindividuellen Dosisanpassung (Titration), da fixe Dosierungen vorgegeben waren.
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Eine unzureichende Umsetzung des geforderten multiplen Therapieansatzes mit Begleitmedikationen.
Mängel der Studie PA-CL-05A/05B
Auch die Phase-III-Studie PA-CL-05A/05B wurde wegen Abweichungen von den jeweiligen Zulassungen der Medikamente nicht anerkannt. Die Bewertung hebt folgende Aspekte hervor:
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Sucroferric Oxyhydroxid wurde mit 1000 mg Eisen als Startdosis unterdosiert (zugelassen sind 1500 mg).
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Sevelamerkarbonat wurde bei etwa 51 Prozent der Patienten zu Studienbeginn überdosiert, da erneut pauschal 4,8 g/Tag verabreicht wurden.
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Eine zeitnahe Titration auf die zugelassenen Startdosierungen fand nicht statt.
Bewertung der Teilpopulationen
Der pharmazeutische Unternehmer präsentierte separate Ergebnisse für Patienten mit und ohne Kontraindikation gegen kalziumhaltige Phosphatbinder. Das IQWiG bewertet dieses Vorgehen als nicht nachvollziehbar. Da Sevelamer als Vergleichstherapie gewählt wurde, ist eine solche Unterteilung laut Bericht nicht notwendig.
Dosierung
Die IQWiG-Bewertung thematisiert die Diskrepanz zwischen den zugelassenen Startdosierungen und den in den Studien verwendeten Dosierungen. Die folgende Tabelle veranschaulicht die vom IQWiG zitierten Vorgaben der Fachinformationen im Vergleich zum Studiendesign der Phase-III-Studie:
| Medikament | Zugelassene Startdosis | Dosierung in Studie PA-CL-05A/05B |
|---|---|---|
| Sucroferric Oxyhydroxid | 1500 mg Eisen (entspricht 7,5 g/Tag) | 1000 mg Eisen (entspricht 5,0 g/Tag) |
| Sevelamer (Phosphat 1,76 - 2,42 mmol/l) | 2,4 g/Tag | 4,8 g/Tag (pauschal für alle) |
| Sevelamer (Phosphat > 2,42 mmol/l) | 4,8 g/Tag | 4,8 g/Tag (pauschal für alle) |
Laut Bericht ist nach dem Therapiestart mit beiden Medikamenten eine patientenindividuelle Titration in Abhängigkeit vom Serumphosphatspiegel zwingend erforderlich.
💡Praxis-Tipp
Die Bewertung verdeutlicht, dass bei der Therapie mit Phosphatbindern wie Sucroferric Oxyhydroxid oder Sevelamer eine strikt patientenindividuelle Dosierung essenziell ist. Es wird hervorgehoben, dass feste Startdosierungen ohne Berücksichtigung des initialen Serumphosphatspiegels häufig zu einer Über- oder Unterdosierung führen. Eine regelmäßige Titration gemäß den Vorgaben der jeweiligen Fachinformation ist für eine leitliniengerechte und sichere Therapie unerlässlich.
Häufig gestellte Fragen
Laut der IQWiG-Bewertung aus dem Jahr 2015 ist ein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Die vorgelegten Studien wurden aufgrund methodischer Mängel als ungeeignet eingestuft.
Die zugelassene Startdosis beträgt gemäß den im Bericht zitierten Fachinformationen 1500 mg Eisen. Dies entspricht 7,5 g Sucroferric Oxyhydroxid pro Tag.
Der Gemeinsame Bundesausschuss legte Sevelamer, Lanthankarbonat oder kalziumhaltige Phosphatbinder als Vergleichstherapie fest. In der vorliegenden Bewertung wurde Sevelamer als Komparator herangezogen.
Das IQWiG bemängelte vor allem die nicht zulassungskonforme Dosierung der Medikamente. Es kam zu Unterdosierungen von Sucroferric Oxyhydroxid und Überdosierungen von Sevelamer, da die Dosis nicht an den individuellen Phosphatspiegel angepasst wurde.
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Quelle: IQWiG A14-37: Sucroferric Oxyhydroxid - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (Dossierbewertung) (IQWiG, 2015). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.