Glecaprevir/Pibrentasvir bei Kindern: IQWiG

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die chronische Hepatitis-C-Virus-Infektion (HCV) erfordert auch im Kindesalter wirksame und gut verträgliche Therapieoptionen. Der IQWiG-Bericht A21-88 bewertet den Zusatznutzen der fixen Wirkstoffkombination Glecaprevir/Pibrentasvir.

Die Bewertung bezieht sich auf Kinder im Alter von 3 bis unter 12 Jahren. Es besteht ein hoher therapeutischer Bedarf an pangenotypisch wirksamen, Interferon-freien Behandlungsoptionen mit kurzer Therapiedauer.

Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde für die Genotypen 1, 4, 5 und 6 Ledipasvir/Sofosbuvir (LDV/SOF) festgelegt. Für die Genotypen 2 und 3 dient Sofosbuvir plus Ribavirin (SOF + RBV) als Vergleich.

Empfehlungen

Bewertung des Zusatznutzens

Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen nicht belegt. Der pharmazeutische Unternehmer legte keine randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) vor.

Die Bewertung stützt sich auf die einarmige DORA-Studie. Ein Zusatznutzen auf Basis einarmiger Studien kann nur bei sehr großen Effekten im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie abgeleitet werden.

Studienergebnisse und Wirksamkeit

Die DORA-Studie zeigt hohe Heilungsraten unter Glecaprevir/Pibrentasvir:

  • Anhaltendes virologisches Ansprechen (SVR12) bei 98,3 % der Kinder mit Genotyp 1 oder 4

  • SVR12 bei 90,0 % der Kinder mit Genotyp 2 oder 3

  • Keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse oder Todesfälle

Die zweckmäßigen Vergleichstherapien erzielen jedoch in einarmigen Studien Ergebnisse in vergleichbarer Größenordnung. Auch hier werden SVR12-Raten von über 95 % erreicht.

Dosierung

Die Dosierung von Glecaprevir/Pibrentasvir erfolgt bei Kindern unter 45 kg Körpergewicht gewichtsabhängig mittels eines überzogenen Granulats. Ab 45 kg wird die Tablettenform verwendet.

KörpergewichtDarreichungsformTagesdosis (Glecaprevir + Pibrentasvir)
12 bis < 20 kg3 Beutel Granulat150 mg + 60 mg
20 bis < 30 kg4 Beutel Granulat200 mg + 80 mg
30 bis < 45 kg5 Beutel Granulat250 mg + 100 mg
≥ 45 kgFilmtablettenGemäß Fachinformation für Erwachsene

Die Behandlungsdauer richtet sich nach dem Genotyp, dem Vorliegen einer Zirrhose und der Vorbehandlung.

PatientenstatusGenotypZirrhose-StatusBehandlungsdauer
Therapienaiv1, 2, 3, 4, 5, 6Ohne oder mit kompensierter Zirrhose8 Wochen
Vorbehandelt (peg-IFN/RBV/SOF)1, 2, 4, 5, 6Ohne Zirrhose8 Wochen
Vorbehandelt (peg-IFN/RBV/SOF)1, 2, 4, 5, 6Mit kompensierter Zirrhose12 Wochen
Vorbehandelt (peg-IFN/RBV/SOF)3Ohne oder mit kompensierter Zirrhose16 Wochen

Kontraindikationen

Der Bericht nennt folgende Kontraindikationen für die Anwendung von Glecaprevir/Pibrentasvir:

  • Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe oder sonstige Bestandteile

  • Schwere Leberfunktionsstörung (Child-Pugh C)

  • Gleichzeitige Anwendung mit Atazanavir, Atorvastatin, Simvastatin oder Dabigatranetexilat

  • Gleichzeitige Anwendung mit ethinylestradiolhaltigen Arzneimitteln

  • Gleichzeitige Anwendung mit starken P-Glycoprotein- und CYP3A-Induktoren (z. B. Rifampicin, Carbamazepin, Johanniskraut, Phenobarbital, Phenytoin, Primidon)

Frage zu dieser Leitlinie stellen...

💡Praxis-Tipp

Es wird darauf hingewiesen, dass die Dosierung bei Kindern unter 12 Jahren streng gewichtsadaptiert mit einer speziellen Granulat-Formulierung erfolgt. Da ab 45 kg Körpergewicht auf die Erwachsenen-Tabletten umgestellt wird, ist eine regelmäßige Gewichtskontrolle vor und während der Therapie essenziell.

Häufig gestellte Fragen

Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Dies liegt daran, dass die Vergleichstherapien bereits ähnlich hohe Heilungsraten von über 95 % aufweisen.

Die Dosierung erfolgt gewichtsabhängig in Form eines überzogenen Granulats, das in Beuteln verabreicht wird. Ab einem Körpergewicht von 45 kg ist laut Fachinformation die Anwendung als Filmtablette vorgesehen.

Bei therapienaiven Kindern beträgt die empfohlene Behandlungsdauer unabhängig vom Genotyp und Zirrhose-Status 8 Wochen. Bei vorbehandelten Patientinnen und Patienten kann sich die Dauer je nach Genotyp auf bis zu 16 Wochen verlängern.

Für Kinder mit dem Genotyp 2 oder 3 wurde Sofosbuvir in Kombination mit Ribavirin als zweckmäßige Vergleichstherapie festgelegt. Für die Genotypen 1, 4, 5 und 6 dient Ledipasvir/Sofosbuvir als Vergleich.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: IQWiG A21-88: Glecaprevir/Pibrentasvir (chronische Hepatitis C bei Kindern) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien