Trifluridin/Tipiracil bei mKRK: IQWiG-Nutzenbewertung
Hintergrund
Der Bericht des IQWiG aus dem Jahr 2020 bewertet den Zusatznutzen der Wirkstoffkombination Trifluridin/Tipiracil. Die Bewertung erfolgt für erwachsene Personen mit metastasiertem Kolorektalkarzinom (mKRK).
Es handelt sich um eine erneute Nutzenbewertung nach Ablauf einer Befristung aus dem Jahr 2016. Damals fehlten valide Daten zur Lebensqualität, Morbidität und zu schweren Nebenwirkungen, um einen Zusatznutzen sicher festzustellen.
Die Zielpopulation umfasst Erkrankte, die bereits mit verfügbaren Standardtherapien behandelt wurden oder für die diese nicht geeignet sind. Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde Best Supportive Care (BSC) festgelegt.
Empfehlungen
Der Bericht des IQWiG formuliert folgende zentrale Ergebnisse zur Studienlage und Methodik:
Studienlage und Vergleichstherapie
Die Bewertung basiert auf den randomisierten kontrollierten Studien RECOURSE und TERRA. Die Studie TALLISUR wurde aufgrund großer methodischer Mängel und Verzerrungen ausgeschlossen.
Zur zweckmäßigen Vergleichstherapie (Best Supportive Care) hält der Bericht fest:
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Die Umsetzung von BSC in den Studien war nicht adäquat.
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Der Ausschluss von palliativer Chemo- und Radiotherapie widerspricht der Leitlinie zur Palliativmedizin.
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Es lag potenziell eine Unterbehandlung im Kontrollarm vor.
Endpunkte und Verzerrungspotenzial
Das endpunktübergreifende Verzerrungspotenzial wird für beide Studien als niedrig eingestuft.
Für spezifische Endpunkte zeigt sich laut Bewertung folgendes Bild:
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Gesamtüberleben: Niedriges Verzerrungspotenzial in RECOURSE, hohes in TERRA.
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Nebenwirkungen: Überwiegend hohes Verzerrungspotenzial aufgrund unvollständiger Beobachtungen.
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Abbruch wegen unerwünschter Ereignisse: Eingeschränkte Ergebnissicherheit trotz niedrigen Verzerrungspotenzials.
Aussagesicherheit der Ergebnisse
Trotz hohen Verzerrungspotenzials ist die Ergebnissicherheit für Myelosuppression und Neutropenie nicht eingeschränkt. Dies wird mit dem sehr großen beobachteten Effekt begründet.
Auch für die gastrointestinale Toxizität in der RECOURSE-Studie ist die Sicherheit aufgrund deutlicher Gruppenunterschiede gegeben. Die Aussagesicherheit für das Gesamtüberleben wird hingegen als eingeschränkt bewertet.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist darauf hin, dass die Umsetzung von Best Supportive Care (BSC) in klinischen Studien kritisch geprüft werden sollte. Der strikte Ausschluss palliativer Maßnahmen wie Radiotherapie in den Zulassungsstudien widerspricht gängigen Palliativ-Leitlinien und kann zu einer potenziellen Unterbehandlung im Kontrollarm führen.
Häufig gestellte Fragen
Die Bewertung basiert primär auf den randomisierten kontrollierten Studien RECOURSE und TERRA. Die Studie TALLISUR wurde aufgrund methodischer Mängel und starker Verzerrungen ausgeschlossen.
Laut IQWiG-Bericht wird das Verzerrungspotenzial für das Gesamtüberleben in der RECOURSE-Studie als niedrig eingeschätzt. In der TERRA-Studie wird es hingegen als hoch bewertet.
Der Bericht bemängelt, dass in den Studien medikamentöse Krebstherapien und palliative Radiotherapien weitgehend ausgeschlossen waren. Dies stellt eine Einschränkung der palliativen Therapie dar und deutet auf eine unzureichende Umsetzung von Best Supportive Care hin.
Die Ergebnissicherheit für Myelosuppression, Neutropenie und gastrointestinale Toxizität wird als nicht eingeschränkt betrachtet. Dies liegt an den sehr großen beobachteten Effekten und deutlichen Unterschieden zwischen den Behandlungsarmen.
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Quelle: IQWiG A20-35: Trifluridin/Tipiracil (Kolorektalkarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (Ablauf Befristung) (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.