IQWiG2021

Tafamidis bei ATTR-CM: IQWiG-Nutzenbewertung

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bewertet den Zusatznutzen von Tafamidis. Das Medikament wird zur Behandlung der Wildtyp- oder hereditären Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie (ATTR-CM) bei erwachsenen Personen eingesetzt.

Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) die Best supportive Care (BSC) festgelegt. Die Bewertung basiert maßgeblich auf den Daten der randomisierten, kontrollierten Studie ATTR-ACT.

In dieser multizentrischen, doppelblinden Studie wurde Tafamidis in Kombination mit BSC gegen Placebo plus BSC verglichen. Die geplante Behandlungsdauer der eingeschlossenen Personen betrug 30 Monate.

Empfehlungen

Der IQWiG-Bericht differenziert den Zusatznutzen von Tafamidis stark nach dem Schweregrad der Herzinsuffizienz zu Studienbeginn. Die Bewertung basiert auf der Abwägung von positiven und negativen Effekten im Vergleich zur Best supportive Care (BSC).

Patientengruppe mit NYHA-Klasse I und II

Für Personen mit einer Herzinsuffizienz der NYHA-Klasse I und II zu Studienbeginn zeigt die Bewertung ausschließlich positive Effekte. Es wird ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen abgeleitet.

Die positiven Effekte mit beträchtlichem Ausmaß zeigen sich laut Bericht bei folgenden Endpunkten:

  • Gesamtmortalität

  • Kardiovaskuläre Hospitalisierung

  • Dyspnoe (wobei laut Bericht fraglich ist, ob dies eine Nebenwirkung oder ein Symptom der Grunderkrankung darstellt)

Patientengruppe mit NYHA-Klasse III

Für Personen mit einer Herzinsuffizienz der NYHA-Klasse III zu Studienbeginn ergibt sich in der Gesamtschau kein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen. Hier stehen positiven Effekten auch negative Effekte gegenüber.

Die Bewertung zeigt für diese Gruppe folgende gemischte Ergebnisse:

  • Ein Vorteil mit beträchtlichem Ausmaß bei der Gesamtmortalität

  • Ein geringerer Nutzen mit geringem Ausmaß beim Endpunkt kardiovaskuläre Hospitalisierung

  • Nicht quantifizierbare positive Effekte bei Belastbarkeit und gesundheitsbezogener Lebensqualität

Bewertete Endpunkte der Studie

Die Nutzenbewertung stützt sich auf verschiedene patientenrelevante Endpunkte. Für die Gesamtmortalität zeigte sich über alle Gruppen hinweg ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Tafamidis.

Bei den Endpunkten für Nebenwirkungen (schwerwiegende unerwünschte Ereignisse und Abbruch wegen unerwünschter Ereignisse) ergab sich kein statistisch signifikanter Unterschied. Ein höherer oder geringerer Schaden ist laut Bericht damit nicht belegt.

Dosierung

Der Bericht weist auf eine Diskrepanz zwischen der in der Zulassung empfohlenen Formulierung und der in der Zulassungsstudie verwendeten Formulierung hin. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) stimmte der Zulassung der freien Säure trotz Bedenken hinsichtlich der Bioäquivalenz zu.

FormulierungDosierungKontext laut IQWiG-Bericht
Tafamidis als freie Säure61 mgZugelassene und empfohlene Dosierung laut Fachinformation
Tafamidis-Meglumin80 mgIn der ATTR-ACT-Studie eingesetzte und untersuchte Dosierung
Tafamidis-Meglumin20 mgNur für Transthyretin-Amyloidose mit Polyneuropathie zugelassen

Kontraindikationen

Laut den Einschlusskriterien der zugrundeliegenden Studie waren bestimmte Vorbehandlungen und Begleittherapien nicht erlaubt. Diese umfassen unter anderem:

  • Vorangegangene Herz- und/oder Lebertransplantation

  • Einsetzen einer mechanischen Kreislaufunterstützung

  • Vorbehandlung mit Tafamidis

  • Begleitbehandlung mit Diflunisal, Tauroursodeoxycholat und Doxycyclin

  • Begleitbehandlung mit Digitalis und Kalziumkanalblockern (z. B. Verapamil, Diltiazem)

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💡Praxis-Tipp

Der IQWiG-Bericht verdeutlicht, dass der zu erwartende Zusatznutzen von Tafamidis bei ATTR-CM stark vom Stadium der Herzinsuffizienz bei Therapiebeginn abhängt. Während bei Personen im NYHA-Stadium I und II ein beträchtlicher Zusatznutzen belegt ist, fehlt dieser Nachweis für das NYHA-Stadium III aufgrund einer Zunahme kardiovaskulärer Hospitalisierungen. Es wird daher eine genaue Indikationsstellung in Abhängigkeit der NYHA-Klasse nahegelegt.

Häufig gestellte Fragen

Laut IQWiG-Bericht besteht ein beträchtlicher Zusatznutzen für Personen mit Herzinsuffizienz der NYHA-Klasse I und II. Für Personen in der NYHA-Klasse III ist hingegen kein Zusatznutzen belegt.

Die Fachinformation empfiehlt eine Dosierung von 61 mg Tafamidis als freie Säure. In der Zulassungsstudie wurden jedoch 80 mg Tafamidis-Meglumin untersucht.

Die Bewertung zeigt einen statistisch signifikanten Vorteil bei der Gesamtmortalität im Vergleich zu Placebo. Dieser positive Effekt zeigte sich unabhängig von der NYHA-Klasse.

Der Bericht stellt keinen statistisch signifikanten Unterschied bei schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen oder Therapieabbrüchen im Vergleich zu Placebo fest. Ein höherer Schaden durch das Medikament ist somit nicht belegt.

Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde die Best supportive Care (BSC) herangezogen. Diese umfasste eine patientenindividuell optimierte, unterstützende Behandlung zur Linderung von Symptomen.

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Quelle: IQWiG A20-102: Tafamidis (Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen

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