Dolutegravir bei HIV-1: IQWiG-Nutzenbewertung

Diese Leitlinie stammt aus 2014 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2014)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der IQWiG-Bericht A14-08 bewertet den Zusatznutzen des Integrase-Inhibitors Dolutegravir. Die Bewertung bezieht sich auf die Behandlung von Infektionen mit dem humanen Immundefizienzvirus (HIV-1).

Die Zielgruppe umfasst erwachsene Patienten sowie Jugendliche ab 12 Jahren. Es wird zwischen therapienaiven und antiretroviral (ART) vorbehandelten Personen unterschieden.

Als zweckmäßige Vergleichstherapie dient bei therapienaiven Erwachsenen Efavirenz in Kombination mit zwei Nukleosid-/Nukleotidanaloga. Bei vorbehandelten Patienten wird eine individuelle antiretrovirale Therapie als Vergleichsmaßstab herangezogen.

Empfehlungen

Der Bericht formuliert basierend auf den eingeschlossenen Studien folgende Ergebnisse zum Zusatznutzen:

Therapienaive Erwachsene

Für nicht ART-vorbehandelte Erwachsene zeigt die Bewertung einen Beleg für einen Zusatznutzen mit dem Ausmaß beträchtlich. Dieser Vorteil gegenüber Efavirenz basiert ausschließlich auf positiven Effekten im Bereich der Nebenwirkungen.

Laut Bericht ergeben sich folgende Vorteile:

  • Ein Beleg für einen geringeren Schaden bei Studienabbrüchen wegen unerwünschter Ereignisse

  • Ein Beleg für einen geringeren Schaden bezüglich Hautausschlägen

  • Ein Beleg für einen geringeren Schaden bei Erkrankungen des Nervensystems, der jedoch nur für männliche Patienten gilt

Hinsichtlich der Gesamtmortalität und AIDS-definierender Ereignisse zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zur Vergleichstherapie.

Vorbehandelte Erwachsene

Für ART-vorbehandelte Erwachsene, für die eine Behandlung mit einem Integrase-Inhibitor (INI) angezeigt ist, ergibt sich ein Hinweis auf einen Zusatznutzen mit dem Ausmaß gering. Als Vergleichstherapie wurde hier Raltegravir herangezogen.

Die Bewertung zeigt folgende positive Effekte im Bereich der Nebenwirkungen:

  • Ein Hinweis auf einen geringeren Schaden bei schweren unerwünschten Ereignissen (Grad 3-4 nach DAIDS)

  • Ein Hinweis auf einen geringeren Schaden bei Erkrankungen des Nervensystems, der auf Patienten ab 50 Jahren beschränkt ist

Jugendliche Patienten

Für therapienaive sowie für vorbehandelte Jugendliche ab 12 Jahren lagen dem Institut keine verwertbaren Studiendaten vor. Daher ist ein Zusatznutzen für diese Patientengruppen nicht belegt.

Dosierung

Der Bericht nennt im Rahmen der Studienbeschreibungen folgende Dosierungen, die mit der individuellen Hintergrundtherapie kombiniert werden:

WirkstoffDosierungIndikation / Studienpopulation
Dolutegravir50 mg einmal täglichTherapienaive und vorbehandelte Erwachsene (ohne INI-Resistenz)
Efavirenz600 mg einmal täglichVergleichstherapie bei therapienaiven Erwachsenen
Raltegravir400 mg zweimal täglichVergleichstherapie bei vorbehandelten Erwachsenen

Bei Vorliegen einer dokumentierten oder vermuteten Integrase-Resistenz wird Dolutegravir laut Fachinformation zweimal täglich verabreicht.

Kontraindikationen

Der Bericht listet basierend auf der Fachinformation folgende Warnhinweise und Kontraindikationen auf:

  • Eine Kontraindikation besteht bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder bei gleichzeitiger Anwendung mit Dofetilid

  • Bei schwerer Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Grad C) ist das Arzneimittel aufgrund fehlender Daten mit Vorsicht anzuwenden

  • Die Wirksamkeit ist beträchtlich eingeschränkt, wenn eine Integrase-Mutation Q148 in Kombination mit mehr als zwei spezifischen Sekundärmutationen vorliegt

  • Es wird vor Überempfindlichkeitsreaktionen (Hautausschlag, Organdysfunktion, schwere Leberreaktionen) gewarnt, die ein sofortiges Absetzen erfordern

  • Wechselwirkungen bestehen mit antaziden Mitteln (Magnesium/Aluminium), Eisen-/Calciumpräparaten, Tipranavir/Ritonavir, Rifampicin und bestimmten Antiepileptika

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💡Praxis-Tipp

Laut Bericht ist bei der gleichzeitigen Gabe von Dolutegravir und Metformin besondere Vorsicht geboten. Es wird eine engmaschige klinische Kontrolle empfohlen, da eine Dosisanpassung des Metformins erforderlich sein kann. Zudem wird betont, dass bei Patienten mit Integrase-Inhibitor-Resistenz alle Faktoren vermieden werden sollten, die die Dolutegravir-Exposition reduzieren.

Häufig gestellte Fragen

Der IQWiG-Bericht sieht für therapienaive Erwachsene einen Beleg für einen beträchtlichen Zusatznutzen im Vergleich zu Efavirenz. Dieser Vorteil begründet sich primär durch ein geringeres Risiko für Nebenwirkungen und Therapieabbrüche.

Laut Bewertung lagen für Jugendliche ab 12 Jahren keine verwertbaren Studiendaten vor. Daher gilt ein Zusatznutzen für diese Altersgruppe als nicht belegt.

Die Auswertung zeigt, dass unter Dolutegravir signifikant seltener Hautausschläge auftreten. Zudem wird bei männlichen Patienten ein geringeres Risiko für Erkrankungen des Nervensystems beschrieben.

Der Bericht warnt vor der gleichzeitigen Anwendung von magnesium- oder aluminiumhaltigen Antazida. Diese können die Exposition von Dolutegravir reduzieren und sollten daher zeitlich versetzt eingenommen werden.

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Quelle: IQWiG A14-08: Dolutegravir - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (Dossierbewertung) (IQWiG, 2014). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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