Lomitapid bei Hypercholesterinämie: IQWiG-Addendum
Hintergrund
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beauftragte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mit einer ergänzenden Nutzenbewertung zu Lomitapid. Dies erfolgte im Rahmen des Auftrags A15-46 als Addendum zur vorherigen Dossierbewertung.
Anlass waren nachgereichte Daten des pharmazeutischen Unternehmers zur Studie AEGR-733-005. Im Fokus standen erwachsene Personen mit homozygoter familiärer Hypercholesterinämie, die trotz medikamentöser und diätetischer Ausschöpfung zusätzlich eine LDL-Apherese erhalten.
Der Bericht evaluiert, wie sich die LDL-Cholesterin-Konzentration (LDL-C) und weitere Parameter unter der Behandlung entwickelten. Ziel war die Überprüfung, ob sich aus den neuen Daten ein Zusatznutzen ableiten lässt.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende methodische Bewertungen und Schlussfolgerungen:
Methodische Mängel der Daten
Das IQWiG kritisiert die vom Hersteller vorgelegte Auswertung als inhaltlich unvollständig und methodisch inadäquat. Folgende Hauptkritikpunkte werden genannt:
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Die Daten basieren lediglich auf einem Vorher-Nachher-Vergleich, der eine per se geringe Aussagekraft besitzt.
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Die Ergebnisse der LOWER-Studie wurden nicht in die Analysen einbezogen.
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Es wurden ausschließlich LDL-C-Werte unmittelbar vor der LDL-Apherese (Spitzenspiegel) ermittelt, wodurch eine Beurteilung der gesamten LDL-C-Last nicht möglich ist.
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Die Eignung einiger untersuchter Personen für die Fragestellung ist fraglich, da teils niedrige Statindosen oder seltene Apherese-Intervalle vorlagen.
Auswirkungen auf den LDL-C-Wert
Aus den Daten der Studie 005 lässt sich laut Bewertung lediglich die Hypothese ableiten, dass Lomitapid den LDL-C-Wert kurzfristig senkt. Ob die LDL-C-Last insgesamt gesenkt wird, bleibt mangels Daten zu den Werten nach der Apherese unklar.
Die Auswertung des Vorher-Nachher-Vergleichs der LDL-C-Werte unmittelbar vor der Apherese zeigt folgende Ergebnisse:
| Zeitpunkt | LDL-C-Wert (Mittelwert) | Relative Änderung | Signifikanz |
|---|---|---|---|
| Studienbeginn | 333 mg/dl | - | - |
| Woche 26 | 184 mg/dl | -43 % | signifikant |
| Woche 78 | 240 mg/dl | -27 % | nicht signifikant |
Unerwünschte Ereignisse
Aufgrund der sehr geringen Fallzahl von nur 10 relevanten Personen lassen sich keine verlässlichen Aussagen zur Sicherheit treffen. Die vorliegenden Daten zeigen folgendes Bild:
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Es traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse (SUE) auf.
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Bei 2 Personen wurden schwere gastrointestinale sowie leberbezogene unerwünschte Ereignisse dokumentiert.
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Ein Therapieabbruch erfolgte aufgrund eines unerwünschten Ereignisses.
Gesamtfazit zum Zusatznutzen
Das Addendum kommt zu dem Schluss, dass die nachgereichten Informationen die ursprüngliche Dossierbewertung nicht verändern. Es gibt keinen Beleg für einen Zusatznutzen von Lomitapid gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie.
💡Praxis-Tipp
Laut IQWiG-Bericht ist für die Beurteilung der LDL-C-Last bei einer Apherese-Behandlung die Erhebung der Werte unmittelbar nach der Apherese (Talspiegel) zwingend erforderlich. Eine alleinige Betrachtung der Werte vor der Apherese kann die lipidsenkende Potenz eines Medikaments deutlich überschätzen.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bewertung gibt es keinen Beleg für einen Zusatznutzen von Lomitapid gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie. Die nachgereichten Daten des Herstellers änderten diese Schlussfolgerung nicht.
Der Bericht zeigt, dass Lomitapid den LDL-C-Wert vor einer Apherese kurzfristig nach 26 Wochen um etwa 30 bis 40 Prozent senkt. Eine längerfristige Senkung nach 78 Wochen ließ sich jedoch nicht statistisch signifikant nachweisen.
In der sehr kleinen untersuchten Gruppe traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf. Es wurden jedoch schwere gastrointestinale und leberbezogene unerwünschte Ereignisse dokumentiert.
Das IQWiG bemängelt, dass nur die LDL-C-Werte unmittelbar vor der Apherese gemessen wurden. Um die tatsächliche LDL-C-Last zu beurteilen, müssen zwingend auch die Werte nach der Apherese erhoben werden.
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Quelle: IQWiG A15-46: Lomitapid - Addendum zum Auftrag A15-23 (IQWiG, 2015). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.