Aflibercept bei Makulaödem: IQWiG Nutzenbewertung
Hintergrund
Der vorliegende Bericht ist ein Addendum zur IQWiG-Nutzenbewertung (Auftrag A14-32) aus dem Jahr 2015. Er befasst sich mit dem indirekten Vergleich von Aflibercept und Ranibizumab zur Behandlung des diabetischen Makulaödems (DMÖ).
Anlass für das Addendum waren nachträglich eingereichte Daten des pharmazeutischen Unternehmers. Diese umfassten zusätzliche Auswertungen zu Endpunkten der Sehschärfe, gemessen in ETDRS-Buchstaben (Early Treatment Diabetic Retinopathy Study).
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bewertet in diesem Dokument, ob die neuen Daten einen Zusatznutzen von Aflibercept belegen. Dabei steht die methodische Qualität und die klinische Relevanz der vorgelegten Endpunkte im Vordergrund.
Empfehlungen
Das IQWiG beschreibt in seiner Bewertung spezifische methodische Anforderungen an die Endpunkte zur Sehschärfe.
Methodik der Relevanzbewertung
Um die klinische Relevanz von Sehschärfenveränderungen zu beurteilen, wendet das Institut eine festgelegte Hierarchie an:
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Stufe 1: Nutzung einer begründeten Irrelevanzschwelle für den Gruppenunterschied (Mittelwertdifferenz)
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Stufe 2: Nutzung von Responderanalysen mit einem validierten Responsekriterium (Minimal Important Difference, MID), falls Stufe 1 nicht möglich ist
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Stufe 3: Nutzung der standardisierten Mittelwertdifferenz (Hedges’ g) mit einer Irrelevanzschwelle von 0,2, falls weder Schwellenwerte noch Responderanalysen vorliegen
Bewertung der Responderanalysen
Laut Bericht legte der pharmazeutische Unternehmer eine Vielzahl von Effektschätzern vor, was das Problem der Multiplizität aufwirft und die Rate falsch-positiver Ergebnisse erhöhen kann. Das IQWiG wählte für die Bewertung eine Responderanalyse mit dem Kriterium einer Veränderung um mindestens 10 ETDRS-Buchstaben, da dies in der Literatur als MID beschrieben wird.
Zusätzlich eingereichte Analysen mit einem Kriterium von mindestens 15 ETDRS-Buchstaben zeigten ebenfalls keinen signifikanten Unterschied zwischen Aflibercept und Ranibizumab.
| Indirekter Vergleich | Endpunkt (mindestens 15 Buchstaben) | Relatives Risiko |
|---|---|---|
| Aflibercept vs. Ranibizumab (mit REVEAL) | Verbesserung | 1,49 |
| Aflibercept vs. Ranibizumab (ohne REVEAL) | Verbesserung | 1,38 |
| Aflibercept vs. Ranibizumab (mit REVEAL) | Verschlechterung | 0,24 |
| Aflibercept vs. Ranibizumab (ohne REVEAL) | Verschlechterung | 0,53 |
Bewertung der stetigen Daten
Die vom Hersteller vorgelegten Berechnungen zur standardisierten Mittelwertdifferenz (Hedges’ g) wurden vom IQWiG als methodisch ungeeignet eingestuft. Es wird kritisiert, dass bei der Berechnung die Variabilität in den Kontrollarmen nicht berücksichtigt wurde.
Dies führt laut Bewertung zu einer Verzerrung des Effektschätzers und einer Unterschätzung der Unsicherheit. Eine Neuberechnung durch das IQWiG ergab, dass ein irrelevanter Effekt nicht ausgeschlossen werden kann.
Fazit zum Zusatznutzen
Zusammenfassend kommt der Bericht zu dem Ergebnis, dass die stetigen Daten keine relevanten Vorteile von Aflibercept gegenüber Ranibizumab belegen. Ein Zusatznutzen von Aflibercept im Vergleich zu Ranibizumab ist somit nicht belegt.
💡Praxis-Tipp
Bei der Interpretation von Studien zur Sehschärfe wird darauf hingewiesen, dass nicht jede statistisch messbare Änderung in ETDRS-Buchstaben für den Betroffenen spürbar ist. Das IQWiG betont die Wichtigkeit validierter Responsekriterien, wie einer Minimal Important Difference (MID) von mindestens 10 Buchstaben, um die tatsächliche klinische Relevanz eines Therapieeffekts zu beurteilen.
Häufig gestellte Fragen
Laut der IQWiG-Bewertung ist ein Zusatznutzen von Aflibercept im Vergleich zu Ranibizumab nicht belegt. Die analysierten Daten zeigten keine relevanten Vorteile für Aflibercept.
Das IQWiG zieht für die Bewertung der klinischen Relevanz eine Minimal Important Difference (MID) von 10 ETDRS-Buchstaben heran. Dieser Wert ist in der Literatur als validiertes Responsekriterium beschrieben.
Die Berechnungen des standardisierten Effektmaßes (Hedges’ g) wurden abgelehnt, da die Variabilität in den Kontrollarmen nicht berücksichtigt wurde. Dies führte laut Bericht zu einer Verzerrung der Effektschätzung und einer Unterschätzung der statistischen Unsicherheit.
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Quelle: IQWiG A15-05: Aflibercept (Addendum zum Auftrag A14-32) (IQWiG, 2015). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.