IQWiG2013Kardiologie

Intensive Blutdrucksenkung bei Diabetes: IQWiG Report

Diese Leitlinie stammt aus 2013 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2013)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Arterielle Hypertonie ist ein wesentlicher Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse bei Menschen mit und ohne Diabetes mellitus. Auch im normotensiven Bereich steigt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse mit zunehmenden Blutdruckwerten an.

Einige internationale Leitlinien empfehlen für Personen mit Typ-2-Diabetes Blutdruckzielwerte unterhalb der allgemeinen Standardgrenze von 140/90 mmHg. Diese Empfehlungen basieren auf der Annahme, dass dadurch die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität weiter gesenkt werden kann.

Der vorliegende Rapid Report des IQWiG (2013) untersucht systematisch, ob eine langfristige Blutdrucksenkung in den unteren normotonen Bereich bei Diabetes Typ 1 und Typ 2 einen patientenrelevanten Nutzen oder Schaden aufweist. Als Vergleichsbehandlung diente die Senkung auf Standardzielwerte.

Empfehlungen

Der IQWiG Rapid Report fasst die Evidenz zur intensiven Blutdrucksenkung bei Diabetes mellitus zusammen und bewertet Nutzen sowie Schaden.

Gesamtmortalität und Schlaganfall (Typ-2-Diabetes)

Für den Endpunkt Schlaganfall (tödlich und/oder nicht tödlich) zeigt der Bericht einen Beleg für einen Nutzen durch eine intensive Blutdrucksenkung unter die Standardzielwerte.

Bezüglich der Gesamtmortalität ergibt sich ein Hinweis auf einen Nutzen, wenn der diastolische Blutdruck auf Zielwerte von < 75 bis 80 mmHg gesenkt wird. Für rein systolische Zielwerte unter 120 mmHg konnte dieser Überlebensvorteil nicht gezeigt werden.

Unerwünschte Ereignisse und Nierenschäden

Eine intensive systolische Blutdrucksenkung auf Werte < 120 mmHg ist laut Report mit Risiken verbunden. Es liegt ein Hinweis auf einen Schaden durch schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkungen der antihypertensiven Therapie vor.

Zudem zeigt die Auswertung einen Beleg für einen nachteiligen Effekt bezüglich der Vorstufen einer terminalen Niereninsuffizienz, gemessen an der Änderung des Serumkreatinins.

Zielwert-Strategie (Typ 2)Nachgewiesener NutzenNachgewiesener Schaden
Generelle intensive SenkungSchlaganfallrisiko reduziertÄnderung des Serumkreatinins
Diastolisch < 75-80 mmHgHinweis auf geringere GesamtmortalitätKeine spezifischen Daten
Systolisch < 120 mmHgKein Nutzen belegtHinweis auf schwerwiegende Nebenwirkungen

Fehlende Evidenz für weitere Endpunkte

Für zahlreiche weitere patientenrelevante Endpunkte bei Typ-2-Diabetes konnte weder ein Nutzen noch ein Schaden belegt werden. Dazu zählen:

  • Kardiovaskuläre Mortalität und Herzinfarkt

  • Herzinsuffizienz

  • Terminale Niereninsuffizienz und Amputationen

  • Erblindung und gesundheitsbezogene Lebensqualität

Typ-1-Diabetes

Für Personen mit Typ-1-Diabetes ist die Datenlage stark limitiert. Der Bericht stellt fest, dass weder ein Nutzen noch ein Schaden einer Senkung in den unteren normotonen Bereich belegt ist.

Kontraindikationen

Der Bericht warnt vor einer zu aggressiven systolischen Blutdrucksenkung bei Personen mit Typ-2-Diabetes. Es wird ein Hinweis auf einen Schaden bei einem systolischen Zielwert von < 120 mmHg beschrieben, da schwerwiegende unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit der antihypertensiven Medikation signifikant häufiger auftreten.

Frage zu dieser Leitlinie stellen...

💡Praxis-Tipp

Bei der Festlegung von Blutdruckzielwerten für Personen mit Typ-2-Diabetes wird eine differenzierte Betrachtung von systolischen und diastolischen Werten nahegelegt. Während eine Senkung des diastolischen Wertes auf < 75 bis 80 mmHg mit einem Überlebensvorteil assoziiert sein kann, geht ein systolischer Zielwert von < 120 mmHg laut Bericht mit vermehrten medikamentösen Nebenwirkungen einher, ohne die Mortalität zu senken.

Häufig gestellte Fragen

Der IQWiG-Bericht zeigt, dass eine Senkung des diastolischen Wertes auf < 75 bis 80 mmHg vorteilhaft sein kann. Ein systolischer Zielwert unter 120 mmHg bringt hingegen keinen belegten Überlebensvorteil und erhöht das Risiko für medikamentöse Nebenwirkungen.

Laut der Auswertung gibt es weder einen Beleg noch einen Hinweis darauf, dass eine intensive Blutdrucksenkung das Risiko für tödliche oder nicht tödliche Herzinfarkte weiter reduziert als Standardzielwerte.

Die Evidenz für Typ-1-Diabetes ist sehr gering. Der Bericht identifizierte nur eine relevante Studie, aus der sich weder ein Nutzen noch ein Schaden für eine intensive Blutdrucksenkung ableiten ließ.

Ja, die gemeinsame Betrachtung der Studien liefert einen Beleg für einen Nutzen. Eine Blutdrucksenkung unter die Standardzielwerte reduziert das Risiko für tödliche und nicht tödliche Schlaganfälle bei Typ-2-Diabetes.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: IQWiG A05-10: Nutzenbewertung einer langfristigen Blutdrucksenkung in den unteren normotonen Bereich bei Patienten mit Diabetes mellitus - Rapid Report (IQWiG, 2013). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien