Antihypertensiva der ersten Wahl: IQWiG-Bericht
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A05-09 aus dem Jahr 2010 untersucht den Nutzen verschiedener antihypertensiver Wirkstoffe als Therapie der ersten Wahl. Im Fokus stehen erwachsene Personen mit essenzieller arterieller Hypertonie ohne bekannte organische Ursache.
Ziel der systematischen Übersichtsarbeit war es zu klären, inwieweit die Wahl des ersten Medikaments patientenrelevante Endpunkte beeinflusst. Dazu wurden 16 randomisierte kontrollierte Studien mit einer Mindestbeobachtungszeit von einem Jahr und großen Kohorten ausgewertet.
Untersucht wurden die fünf Hauptklassen: Diuretika, Beta-Blocker, ACE-Hemmer, Kalziumantagonisten und Angiotensin-II-Antagonisten. Bewertet wurden Endpunkte wie Gesamtmortalität, kardiovaskuläre Ereignisse, terminale Niereninsuffizienz und gesundheitsbezogene Lebensqualität.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert basierend auf der Meta-Analyse folgende zentrale Ergebnisse zur Erstlinientherapie:
Diuretika als Therapie der ersten Wahl
Laut Analyse sind Diuretika die einzige Wirkstoffgruppe, die bei der Reduktion von Hypertoniefolgekomplikationen keiner anderen Gruppe unterlegen ist. In der Gesamtschau werden sie in der Regel als Therapie der ersten Wahl angesehen.
-
Es ist ein Zusatznutzen gegenüber Kalziumantagonisten hinsichtlich des Risikos für Herzinsuffizienz belegt.
-
Gegenüber ACE-Hemmern gibt es Hinweise auf Vorteile bei der Herzinsuffizienz sowie beim Insultrisiko für die Gruppe der Schwarzen.
-
Im Vergleich zu Beta-Blockern zeigt sich kein Unterschied im Nutzen.
Vergleich der Wirkstoffgruppen
Die Auswertung der direkten Vergleichsstudien zeigt ein differenziertes Bild der Vor- und Nachteile einzelner Substanzklassen bezüglich spezifischer Endpunkte.
| Wirkstoffgruppe | Belegter oder möglicher Zusatznutzen | Unterlegenheit in bestimmten Endpunkten |
|---|---|---|
| Diuretika | vs. Kalziumantagonisten & ACE-Hemmer (Herzinsuffizienz) | Keiner anderen Gruppe generell unterlegen |
| ACE-Hemmer | vs. Kalziumantagonisten (Herzinsuffizienz) | vs. Diuretika (Herzinsuffizienz) |
| Kalziumantagonisten | vs. ACE-Hemmer (Insultrisiko bei best. Gruppen), vs. ARB (Herzinfarkt) | vs. Diuretika & ACE-Hemmer (Herzinsuffizienz) |
| Angiotensin-II-Antagonisten (ARB) | vs. Beta-Blocker bei Diabetes (Mortalität, Herzinsuffizienz) | vs. Kalziumantagonisten (Herzinfarkt) |
| Beta-Blocker | vs. ARB bei Schwarzen (Insultrisiko) | vs. ARB bei Diabetes (Mortalität, Herzinsuffizienz) |
Spezifische Begleiterkrankungen
Für Inhibitoren des Renin-Angiotensin-Systems zeigen sich spezifische Vorteile bei Vorliegen eines Diabetes mellitus.
-
Angiotensin-II-Antagonisten weisen bei Personen mit Diabetes mellitus einen Zusatznutzen gegenüber Beta-Blockern bezüglich Mortalität und Herzinsuffizienz auf.
-
Bei Vorliegen eines Diabetes mellitus gibt es zudem Hinweise auf einen Vorteil von ACE-Hemmern gegenüber Kalziumantagonisten beim Herzinfarktrisiko.
Neu aufgetretener Diabetes mellitus
Der Bericht stellt fest, dass es Unterschiede in der Inzidenz von laborchemisch diagnostiziertem Diabetes mellitus zwischen den Wirkstoffgruppen gibt.
Ein daraus resultierender klinischer Schaden lässt sich laut Analyse jedoch nicht ableiten. Personen, die unter Diuretikatherapie einen Diabetes entwickelten, zeigten im Studienverlauf kein erhöhtes Risiko für schwerwiegende patientenrelevante Endpunkte.
💡Praxis-Tipp
Laut IQWiG-Bericht weisen Diuretika in der Erstlinientherapie der unkomplizierten essenziellen Hypertonie das robusteste Nutzenprofil auf. Es wird explizit darauf hingewiesen, dass eine unter Diuretika neu aufgetretene Diabetes-Diagnose im Studienverlauf nicht mit einem erhöhten Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Endpunkte assoziiert war. Individuelle Komorbiditäten sind bei der initialen Wirkstoffwahl stets zu berücksichtigen.
Häufig gestellte Fragen
Der Bericht sieht Diuretika in der Regel als Therapie der ersten Wahl an. Sie sind bei der Reduktion von Folgekomplikationen keiner anderen Wirkstoffgruppe unterlegen und zeigen in einigen Aspekten einen Zusatznutzen.
Laut Analyse gibt es einen belegten Zusatznutzen von ACE-Hemmern gegenüber Kalziumantagonisten hinsichtlich des Risikos für eine Herzinsuffizienz. Beim Insultrisiko zeigen Kalziumantagonisten jedoch bei bestimmten Personengruppen Vorteile.
Der Bericht zeigt Hinweise, dass Angiotensin-II-Antagonisten bei Vorliegen eines Diabetes einen Zusatznutzen gegenüber Beta-Blockern bezüglich Mortalität und Herzinsuffizienz haben. Zudem scheinen ACE-Hemmer in dieser Gruppe Vorteile beim Herzinfarktrisiko gegenüber Kalziumantagonisten zu bieten.
Die Auswertung zeigt zwar eine erhöhte Diabetesinzidenz unter bestimmten Therapien, leitet daraus aber keinen direkten klinischen Schaden ab. Personen, die unter Diuretika einen Diabetes entwickelten, hatten im Studienverlauf kein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Endpunkte.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: IQWiG A05-09: Verschiedene antihypertensive Wirkstoffe als Therapie der ersten Wahl bei Patienten mit essenzieller Hypertonie (IQWiG, 2010). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.