Glitazone bei Typ-2-Diabetes: IQWiG-Bericht
Hintergrund
Der IQWiG-Abschlussbericht A05-05A aus dem Jahr 2009 bewertet den therapeutischen Nutzen und Schaden der Glitazone (Pioglitazon und Rosiglitazon) bei der Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2. Ziel der Untersuchung war ein Vergleich mit Placebo sowie mit anderen antidiabetischen Therapien.
Die Bewertung basiert auf einer systematischen Literaturrecherche von randomisierten kontrollierten Studien mit einer Laufzeit von mindestens 24 Wochen. Dabei wurden sowohl Monotherapien als auch Kombinationstherapien mit Metformin, Sulfonylharnstoffen oder Insulin analysiert.
Ein besonderer Fokus des Berichts liegt auf patientenrelevanten Endpunkten. Dazu zählen makro- und mikrovaskuläre Folgekomplikationen, Mortalität, Hypoglykämien sowie unerwünschte Ereignisse wie Ödeme und Herzinsuffizienz.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende zentrale Bewertungsergebnisse:
Kardiovaskuläre Endpunkte und Mortalität
Laut IQWiG zeigt sich für die patientenrelevanten Endpunkte makro- und mikrovaskuläre Folgekomplikationen sowie Mortalität kein genereller Beleg für einen Zusatznutzen der Glitazone.
Für Pioglitazon gibt es bei Personen mit Metforminkontraindikation einen Hinweis auf einen Zusatznutzen hinsichtlich eines kombinierten Endpunkts aus Gesamtmortalität, nicht tödlichem Myokardinfarkt und Schlaganfall. Bei Personen mit stattgehabtem Schlaganfall wird ein reduziertes Risiko für erneute Schlaganfälle beschrieben.
Dem steht jedoch ein Hinweis auf einen größeren Schaden durch Pioglitazon in Form von schwerwiegenden und nicht schwerwiegenden Herzinsuffizienzen gegenüber.
Blutzuckersenkung und Hypoglykämien
Bei der gemeinsamen Betrachtung von Blutzuckersenkung und Hypoglykämierisiko zeigt der Bericht Vorteile für die Glitazone auf:
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Es besteht ein Beleg für einen Zusatznutzen von Pioglitazon im Vergleich zu Sulfonylharnstoffen (jeweils in Kombination mit Metformin) aufgrund seltenerer Hypoglykämien.
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Für Rosiglitazon in Kombination mit Metformin wird ebenfalls ein Beleg für einen Zusatznutzen gegenüber Sulfonylharnstoffen mit Metformin bezüglich des Hypoglykämierisikos festgestellt.
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Ein Vorteil hinsichtlich schwerer Hypoglykämien konnte für beide Substanzen nicht belegt werden.
Unerwünschte Ereignisse und Risiken
Der Bericht identifiziert signifikante Risiken unter einer Therapie mit Glitazonen. Es wird ein Beleg für einen Schaden durch Rosiglitazon hinsichtlich der Gesamtrate von Ödemen festgestellt, welcher in der Zweifachtherapie ab einer Dosis von 8 mg auftritt.
Zudem liegen für beide Substanzen Hinweise auf einen größeren Schaden bezüglich folgender Ereignisse vor:
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Vermehrtes Auftreten von peripheren Ödemen in diversen Kombinationsbehandlungen.
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Größere Zunahme des Körpergewichts beziehungsweise des Body-Mass-Index.
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Erhöhtes Frakturrisiko bei Frauen unter Pioglitazon (sowie unter Rosiglitazon in Studien außerhalb der Zulassung).
Vergleich der Nebenwirkungsprofile
Die folgende Tabelle fasst die wesentlichen Erkenntnisse zu den unerwünschten Wirkungen im Vergleich zu Kontrollgruppen (Placebo oder andere Antidiabetika) zusammen:
| Wirkstoff | Hypoglykämierisiko (vs. Sulfonylharnstoff) | Risiko für Ödeme | Risiko für Gewichtszunahme | Frakturrisiko bei Frauen |
|---|---|---|---|---|
| Pioglitazon | Geringer | Erhöht | Erhöht | Erhöht |
| Rosiglitazon | Geringer | Erhöht (dosisabhängig) | Erhöht | Erhöht |
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht warnt vor einem erhöhten Risiko für Herzinsuffizienzen und periphere Ödeme unter der Therapie mit Pioglitazon und Rosiglitazon. Es wird zudem darauf hingewiesen, dass bei weiblichen Personen unter Glitazon-Therapie ein signifikant erhöhtes Frakturrisiko besteht. Diese unerwünschten Ereignisse stehen einem potenziellen Nutzen bei der Vermeidung von Hypoglykämien gegenüber.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht weisen sowohl Pioglitazon als auch Rosiglitazon ein geringeres Risiko für Hypoglykämien auf als Sulfonylharnstoffe, wenn sie mit Metformin kombiniert werden. Ein Vorteil bezüglich schwerer Hypoglykämien konnte jedoch nicht belegt werden.
Der Bericht stellt fest, dass die Behandlung mit Pioglitazon oder Rosiglitazon im Vergleich zu Placebo oder anderen Antidiabetika mit einer signifikant größeren Zunahme des Körpergewichts und des Body-Mass-Index verbunden ist.
Es gibt laut Bericht keinen generellen Beleg für einen Zusatznutzen hinsichtlich der Mortalität oder makrovaskulärer Komplikationen. Lediglich für Pioglitazon ergab sich in einer Subgruppe mit Metforminkontraindikation oder stattgehabtem Schlaganfall ein Hinweis auf einen Nutzen.
Die Auswertung zeigt einen Hinweis auf einen größeren Schaden durch Pioglitazon in Form von vermehrten schwerwiegenden und nicht schwerwiegenden Herzinsuffizienzen. Zudem treten periphere Ödeme unter der Therapie signifikant häufiger auf.
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Quelle: IQWiG A05-05A: Glitazone zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 (IQWiG, 2009). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.