Interstitielle Zystitis (IC/BPS): Diagnostik & Therapie
Hintergrund
Die AWMF-Leitlinie befasst sich mit der Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Zystitis und des Blasenschmerzsyndroms (IC/BPS). Es handelt sich um eine chronische, abakterielle Entzündung der Harnblase, die mit starkem Schmerz, Pollakisurie und imperativem Harndrang einhergeht.
Grundsätzlich wird die Erkrankung in zwei Subtypen unterteilt. Die Hunner-Typ IC (HIC) ist durch typische Schleimhautläsionen gekennzeichnet, während diese bei der Nicht-Hunner-Typ IC (NHIC) fehlen.
Die Erkrankung tritt bei Frauen deutlich häufiger auf als bei Männern. Sie ist laut Leitlinie stark mit nichtharnblasenassoziierten Komorbiditäten wie dem Reizdarmsyndrom, Fibromyalgie oder Endometriose assoziiert.
💡Praxis-Tipp
Bei Patienten mit chronischen Unterbauchbeschwerden und begleitenden Erkrankungen wie Reizdarmsyndrom, Endometriose oder Fibromyalgie sollte differenzialdiagnostisch stets an eine IC/BPS gedacht werden. Es wird empfohlen, die Diagnose frühzeitig durch eine Zystoskopie mit Hydrodistension in Narkose zu sichern, da die medikamentöse Therapie in frühen Krankheitsstadien die besten Erfolge zeigt.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie beschreibt die IC/BPS als Ausschlussdiagnose, die eine umfassende Abklärung erfordert. Als zentraler diagnostischer Schritt wird eine Urethrozystoskopie mit diagnostischer Hydrodistension in Narkose empfohlen.
Zur Wiederherstellung der Blasenschleimhaut wird die Instillation von Hyaluronsäure, Chondroitinsulfat oder einer Kombination beider Substanzen empfohlen. Bei akuten Schmerzspitzen kann laut Leitlinie auch eine Instillation mit Lidocain erwogen werden.
Es wird empfohlen, Pentosanpolysulfat in einer Dosierung von 3 x 100 mg als Basistherapie einzusetzen. Wegen eines potenziellen Risikos für eine pigmentäre Makulopathie rät die Leitlinie zu regelmäßigen augenärztlichen Kontrollen.
Die Leitlinie empfiehlt einen multimodalen Ansatz und den Off-Label-Einsatz von Ko-Analgetika wie Amitriptylin oder Pregabalin bei neuropathischen Schmerzen. Vor NSAR und Opioiden wird gewarnt, da diese durch Histaminfreisetzung die Symptome verschlechtern können.
Bei der Hunner-Typ IC wird die transurethrale Fulguration der Läsionen als effektive Maßnahme empfohlen. Eine Zystektomie mit Harnableitung sollte laut Leitlinie nur als Ultima Ratio bei therapierefraktären Verläufen und hohem Leidensdruck angeboten werden.
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Quelle: Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Cystitis (IC/BPS) (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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