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Harninkontinenz der Frau: Leitlinie zur Diagnostik (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Abklärung der Harninkontinenz erfordert eine systematische Anamnese inklusive einer detaillierten Medikamentenüberprüfung.
  • Zur Objektivierung der Symptome soll ein validierter Fragebogen sowie ein Blasentagebuch über mindestens 3 Tage geführt werden.
  • Ein standardisierter Vorlagen-Wiegetest (Pad-Test) wird zur Quantifizierung des Urinverlustes empfohlen.
  • Eine Urinuntersuchung ist zum Ausschluss von Infektionen, Mikrohämaturie oder Glucosurie routinemäßig durchzuführen.
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Hintergrund

Die Harninkontinenz ist nach Definition der International Continence Society (ICS) jeglicher unfreiwillige Urinabgang. Sie betrifft etwa 30 % aller Frauen, wobei die Prävalenz mit zunehmendem Alter deutlich ansteigt. Die Erkrankung führt zu einer massiven Beeinträchtigung der Lebensqualität mit physischen, psychischen, sozialen und ökonomischen Folgen für die Betroffenen.

Formen der Harninkontinenz

Die Leitlinie unterscheidet pathophysiologisch verschiedene Formen der weiblichen Harninkontinenz:

FormCharakteristika
BelastungsinkontinenzUnwillkürlicher Urinverlust bei körperlicher Anstrengung (Husten, Niesen, Sport) ohne Harndrang.
DranginkontinenzUrinverlust begleitet von oder folgend auf imperativen Harndrang.
Überaktive Blase (ÜAB)Imperativer Harndrang, oft mit Pollakisurie und Nykturie, ohne Harnwegsinfekt.
MischharninkontinenzKombination aus Symptomen der Belastungs- und Dranginkontinenz.
Inkontinenz bei chronischer HarnretentionErhöhter Restharn durch Detrusorunteraktivität oder Blasenauslassobstruktion.
Neurogene DetrusorüberaktivitätAufgrund neurologischer Erkrankungen (z.B. MS, Parkinson) oder spinaler Schädigung.
Extraurethrale HarninkontinenzStetiger vaginaler/rektaler Urinverlust (z.B. durch Fisteln oder ektopen Ureter).

Diagnostik: Anamnese und klinische Untersuchung

Die Erhebung einer ausführlichen Anamnese ist der erste und grundlegende Schritt in der Diagnostik.

  • Starke Empfehlung: Die Abklärung soll systematisch erfolgen und Allgemeinanamnese, urogynäkologische Anamnese, körperliche Untersuchung sowie Untersuchungs- und Behandlungserwartungen einschließen.
  • Starke Empfehlung: Eine Anamnese des aktuellen Medikamentengebrauchs soll bei allen Patientinnen erstellt werden.
  • Empfehlung: Alle neuen Medikamente, die mit der Entstehung oder Verschlimmerung der Harninkontinenz in Zusammenhang stehen, sollten überprüft werden.
  • Starke Empfehlung: Berücksichtigung sollen finden: Harnspeicherung, Blasenentleerung, Beschwerden nach der Miktion, Typ und Ausprägung der Inkontinenz sowie der Leidensdruck.

Bei der klinischen Untersuchung ist die urogynäkologische Untersuchung in Steinschnittlage mit geteilten Spekula (in Ruhe und beim Pressen) essenziell. Zur Beurteilung der Kontraktionsfähigkeit des Beckenbodens kann der Oxford-Score verwendet werden (offene Empfehlung).

Objektivierung und Quantifizierung

Zur weiteren Abklärung stehen verschiedene standardisierte Instrumente zur Verfügung:

InstrumentDurchführungEmpfehlungsgrad
Patienten-FragebögenValidierte Fragebögen zur Erfassung von Symptomen und Lebensqualität.Starke Empfehlung: Wenn eine standardisierte Erfassung erwünscht ist, soll ein validierter und adäquater Fragebogen benutzt werden.
BlasentagebuchErfassung von Flüssigkeitsaufnahme, Miktionsvolumen und Inkontinenzepisoden.Starke Empfehlung: Soll geführt werden. Empfehlung: Sollte über zumindest 3 Tage geführt werden.
Vorlagenwiegetest (Pad-Test)Messung des Urinverlustes durch abgewogene Vorlagen bei definierten Übungen (z.B. 1h- oder 24h-Test).Starke Empfehlung: Soll mit standardisierter Dauer und Übungsprotokoll genutzt werden. Empfehlung: Sollte genutzt werden, wenn eine Quantifizierung notwendig ist.

Urinanalyse

Im Rahmen der Basisdiagnostik ist eine Urinuntersuchung (Streifentest, ggf. Urin-Sediment und Urinkultur) routinemäßig durchzuführen. Dies dient dem sicheren Ausschluss einer Infektion, Mikrohämaturie, Proteinurie oder Glucosurie.

💡Praxis-Tipp

Lassen Sie Patientinnen zur Objektivierung der Beschwerden routinemäßig ein Blasentagebuch über mindestens 3 Tage führen und überprüfen Sie stets die aktuelle Medikation auf inkontinenzfördernde Präparate.

Häufig gestellte Fragen

Die Belastungsinkontinenz ist durch Urinverlust bei körperlicher Anstrengung (z.B. Husten, Niesen) ohne Harndrang gekennzeichnet. Die Dranginkontinenz geht hingegen mit einem imperativen Harndrang einher.
Laut Leitlinie sollte das Blasentagebuch über mindestens 3 Tage geführt werden, um verlässliche Daten zu Miktionsvolumen und Inkontinenzepisoden zu erhalten.
Der Pad-Test soll genutzt werden, wenn eine genaue Quantifizierung der Harninkontinenz notwendig ist. Er erfordert eine standardisierte Dauer und ein Übungsprotokoll.
Eine Urinuntersuchung (Streifentest, ggf. Sediment und Kultur) soll routinemäßig erfolgen, um Harnwegsinfekte, Mikrohämaturie, Proteinurie oder Glucosurie auszuschließen.

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