WHO2025

Infertilität: Diagnostik, Therapie und Prävention

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2025)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie (2025) zur Prävention, Diagnostik und Behandlung der Infertilität adressiert eine Erkrankung, die weltweit etwa einen von sechs Menschen im reproduktionsfähigen Alter betrifft. Infertilität wird definiert als das Ausbleiben einer Schwangerschaft nach 12 Monaten regelmäßigen, ungeschützten Geschlechtsverkehrs.

Die Ursachen können vielfältig sein und umfassen weibliche Faktoren wie Ovulationsstörungen oder Tubenerkrankungen sowie männliche Faktoren. In vielen Fällen liegt eine Kombination vor oder die Ursache bleibt ungeklärt.

Ziel der Leitlinie ist es, eine evidenzbasierte, personenzentrierte und universell zugängliche Versorgung zu fördern. Dabei wird ein besonderer Fokus auf kosteneffektive Interventionen und die Reduktion von gesundheitlichen Ungleichheiten gelegt.

Empfehlungen

Die WHO-Leitlinie (2025) formuliert detaillierte Empfehlungen zur Betreuung von Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch.

Prävention und Beratung

Die Leitlinie empfiehlt, die allgemeine Bevölkerung über Fertilität aufzuklären und Personen mit Kinderwunsch zu Lebensstilanpassungen zu beraten. Zudem wird eine routinemäßige Kurzberatung zum Tabakverzicht für alle rauchenden Personen in Gesundheitseinrichtungen empfohlen (starke Empfehlung). Auf das Risiko einer Infertilität durch unbehandelte sexuell übertragbare Infektionen ist routinemäßig hinzuweisen.

Diagnostik der Frau

Bei Verdacht auf Ovulationsstörungen und unauffälliger Anamnese wird die Bestimmung des mittlutealen Progesterons zur Ovulationsbestätigung empfohlen. Fällt dieser Test negativ aus, sollte laut Leitlinie eine Wiederholungsmessung erfolgen.

Zur weiteren Abklärung formuliert die Leitlinie folgende Empfehlungen:

  • Die Ovarialreserve sollte primär anhand des Alters beurteilt werden; alternativ können Antralfollikelzählungen (AFC), das Anti-Müller-Hormon (AMH) oder FSH genutzt werden.

  • Für die Beurteilung der Tubendurchgängigkeit wird die Hysterosalpingographie (HSG) oder die Hysterosalpingo-Kontrastsonographie (HyCoSy) empfohlen.

  • Bei Verdacht auf Uterushöhlenanomalien wird die Saline Infusion Sonohysterography (SIS) gegenüber dem 3D-Ultraschall bevorzugt, sofern letzterer nicht bereits verfügbar ist.

Diagnostik des Mannes

Liegen ein oder mehrere Spermienparameter außerhalb der WHO-Referenzbereiche, wird eine Wiederholung des Spermiogramms nach mindestens 11 Wochen empfohlen. Sind alle Parameter normwertig, wird von einer Wiederholung abgeraten.

Therapie bei weiblichen Faktoren

Bei anovulatorischer Infertilität durch ein polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS) wird ein stufenweises Vorgehen empfohlen:

Therapielinie bei PCOSBevorzugte InterventionAlternative Intervention
ErstlinientherapieLetrozolClomifencitrat mit Metformin
ZweitlinientherapieGonadotropineLaparoskopisches ovarielles Drilling (LOD)
DrittlinientherapieIn-vitro-Fertilisation (IVF)Keine

Bei Tubenerkrankungen richtet sich die Therapie nach dem Alter und dem Schweregrad der Erkrankung:

Schweregrad (Hull und Rutherford)Alter der FrauEmpfohlene Therapie
Grad I und II (leicht bis mittelschwer)< 35 JahreChirurgische Intervention
Grad III (schwer)< 35 JahreIn-vitro-Fertilisation (IVF)
Alle Grade≥ 35 JahreIn-vitro-Fertilisation (IVF)

Bei einem Hydrosalpinx wird vor einer IVF eine Salpingektomie oder Tubenokklusion empfohlen. Von einer hysteroskopischen Septumresektion bei Infertilität ohne rezidivierende Fehlgeburten wird abgeraten.

Therapie bei männlichen Faktoren

Bei einer klinischen Varikozele wird eine chirurgische oder radiologische Behandlung gegenüber einem abwartenden Vorgehen empfohlen. Dabei wird die mikroskopische Chirurgie gegenüber anderen chirurgischen Verfahren bevorzugt.

Therapie bei unklarer Infertilität

Als Erstlinientherapie wird ein abwartendes Vorgehen (Expectant Management) für 3 bis 6 Monate gegenüber einer unstimulierten intrauterinen Insemination (U-IUI) empfohlen. Bei Erfolglosigkeit wird eine stimulierte IUI (S-IUI) mit Clomifencitrat oder Letrozol empfohlen. Als Drittlinientherapie wird die IVF ohne intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) empfohlen (starke Empfehlung).

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie rät von einer routinemäßigen hysteroskopischen Septumresektion bei Frauen mit Infertilität ab, sofern keine rezidivierenden Fehlgeburten in der Anamnese vorliegen. Zudem wird betont, dass bei einem unauffälligen ersten Spermiogramm keine Wiederholungsmessung erforderlich ist. Dies erspart unnötige Überweisungen und reduziert psychische Belastungen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird die Diagnose gestellt, wenn nach 12 Monaten ungeschütztem Verkehr keine Schwangerschaft eintritt und alle Basisuntersuchungen unauffällig sind. Dies umfasst eine normale Anamnese, eine bestätigte Ovulation, offene Tuben und normwertige Spermienparameter.

Die Leitlinie empfiehlt Letrozol als Erstlinientherapie zur Ovulationsinduktion bei einem polyzystischen Ovarsyndrom. Falls Letrozol aufgrund von Off-Label-Bestimmungen nicht eingesetzt werden kann, wird Clomifencitrat in Kombination mit Metformin empfohlen.

Es wird empfohlen, ein Spermiogramm nach mindestens 11 Wochen zu wiederholen, wenn ein oder mehrere Parameter außerhalb der WHO-Referenzbereiche liegen. Bei vollständig normwertigen Parametern wird von einer Wiederholung abgeraten.

Bei Männern mit Infertilität und klinischer Varikozele wird eine chirurgische oder radiologische Behandlung empfohlen. Dabei wird die mikroskopische Chirurgie gegenüber anderen chirurgischen Verfahren bevorzugt.

Als Erstlinientherapie wird ein abwartendes Vorgehen für 3 bis 6 Monate empfohlen. Von einer unstimulierten intrauterinen Insemination (U-IUI) oder einer ovariellen Stimulation mit zeitlich abgestimmtem Verkehr wird abgeraten.

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Quelle: Guideline for the prevention, diagnosis and treatment of infertility (WHO, 2025). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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