Gonadotropine bei PCOS: Cochrane Review 2025
Hintergrund
Infertilität betrifft weltweit etwa eines von sieben Paaren. In rund einem Drittel der Fälle ist ein polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) die zugrunde liegende Ursache für die ausbleibenden Eisprünge.
Die Erstlinientherapie zur Ovulationsinduktion erfolgt in der Regel mit Clomifencitrat oder Letrozol. Wenn Frauen auf diese Medikamente nicht ansprechen oder trotz Eisprung nicht schwanger werden, spricht man von einem Clomifen-Versagen.
Als Zweitlinientherapie kommt häufig die Stimulation mit injizierbaren Gonadotropinen zum Einsatz. Hierbei stehen verschiedene Präparate zur Verfügung, darunter aus Urin gewonnene Formen (wie HMG und uFSH) sowie künstlich hergestelltes, rekombinantes FSH (rFSH).
Empfehlungen
Der Cochrane Review (2025) fasst die Evidenz zur Wirksamkeit verschiedener Gonadotropine bei PCOS zusammen. Die Ergebnisse basieren auf 15 randomisierten kontrollierten Studien.
Vergleich der Gonadotropin-Präparate
Laut Review gibt es kaum Unterschiede zwischen rekombinantem FSH (rFSH) und aus Urin gewonnenen Gonadotropinen. Dies betrifft die Raten für Lebendgeburten, klinische Schwangerschaften und Fehlgeburten (niedrige Evidenz).
Beim direkten Vergleich von humanem Menopausen-Gonadotropin (HMG) und gereinigtem urinärem FSH (uFSH) ist die Evidenzlage sehr unsicher. Es können keine verlässlichen Aussagen zu Überlegenheiten bei den Schwangerschaftsendpunkten getroffen werden.
| Vergleich | Lebendgeburten | Mehrlingsschwangerschaften | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|
| rFSH vs. urinäre Gonadotropine | Kein wesentlicher Unterschied | Kein wesentlicher Unterschied | Niedrig |
| HMG vs. uFSH | Unsicherer Effekt | Unsicherer Effekt | Sehr niedrig |
| Gonadotropine vs. Clomifen (fortgesetzt) | Höhere Rate unter Gonadotropinen | Kein wesentlicher Unterschied | Moderat / Niedrig |
Gonadotropine vs. Clomifen
Bei Frauen mit Clomifen-Versagen zeigt die Auswertung klare Vorteile für einen Wechsel der Therapie auf Gonadotropine.
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Gonadotropine führen wahrscheinlich zu mehr Lebendgeburten und klinischen Schwangerschaften (moderate Evidenz).
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Die Rate an Mehrlingsschwangerschaften wird dabei im Vergleich zu Clomifen nicht signifikant erhöht.
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Es besteht jedoch möglicherweise ein höheres Risiko für Fehlgeburten unter der Gonadotropin-Therapie.
Präparatewahl im klinischen Alltag
Da die Wirksamkeit der verschiedenen Gonadotropine vergleichbar zu sein scheint, wird eine pragmatische Entscheidung nahegelegt. Die Autoren des Reviews schlagen vor, bei der Auswahl eines Präparats vor allem Kosten und Praktikabilität abzuwägen.
💡Praxis-Tipp
Bei Frauen mit PCOS und Clomifen-Versagen ist der Wechsel auf Gonadotropine der fortgesetzten Clomifen-Gabe hinsichtlich der Lebendgeburtenrate überlegen. Da zwischen den verschiedenen Gonadotropin-Präparaten (rekombinant vs. urinär) keine signifikanten Wirkunterschiede belegt sind, wird empfohlen, die Präparatewahl primär von den Kosten und der Praktikabilität der Anwendung abhängig zu machen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es keine signifikanten Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen rekombinantem FSH und aus Urin gewonnenen Gonadotropinen. Die Raten für Lebendgeburten und klinische Schwangerschaften sind vergleichbar.
Es wird ein Wechsel auf Gonadotropine nahegelegt. Der Review zeigt, dass Gonadotropine im Vergleich zur fortgesetzten Clomifen-Gabe wahrscheinlich zu mehr Lebendgeburten führen.
Gemäß der ausgewerteten Daten gibt es möglicherweise keinen wesentlichen Unterschied bei der Rate der Mehrlingsschwangerschaften. Das Risiko wird durch den Wechsel auf Gonadotropine demnach nicht signifikant erhöht.
Die aktuelle Evidenz ist zu unsicher, um zu beurteilen, ob ein bestimmtes Gonadotropin-Präparat das Risiko für ein OHSS verringert. Im Vergleich zu Clomifen traten in der untersuchten Studie keine Fälle von OHSS auf.
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Quelle: Cochrane Review: Gonadotropins for ovulation induction in women with polycystic ovary syndrome (Cochrane, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.