Infektiöse Endokarditis: Antibiose und Duke-Kriterien
Hintergrund
Die Inzidenz der infektiösen Endokarditis ist in den letzten Jahrzehnten deutlich angestiegen. Gleichzeitig verbleibt die intrahospitale Mortalität auf einem unverändert hohen Niveau von 20 bis 30 Prozent.
Aufgrund der oft komplexen Diagnose und Therapie hat die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) im Jahr 2023 aktualisierte Leitlinien veröffentlicht. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) hat hierzu einen detaillierten Kommentar verfasst.
Ziel der neuen Empfehlungen ist es, medizinisches Fachpersonal bei schwierigen klinischen Entscheidungen zu unterstützen. Wesentliche Neuerungen betreffen die Prävention, die diagnostischen Kriterien sowie einen Paradigmenwechsel hin zur oralen Antibiotikatherapie bei ausgewählten Patienten.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie stellt die Umstellung von einer wochenlangen intravenösen auf eine orale Antibiotikatherapie bei stabilen Patienten einen Paradigmenwechsel dar. Es wird betont, dass diese Oralisierung erst nach mindestens 10 Tagen intravenöser Gabe und einer unauffälligen TEE-Kontrolle erfolgen darf. Zudem wird darauf hingewiesen, dass bei transkatheterbasierten Eingriffen wie der TAVI auch Enterokokken prophylaktisch abgedeckt werden sollten.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt eine Antibiotikagabe vor invasiven zahnärztlichen Eingriffen bei Hochrisikopatienten. Dazu zählen Personen mit Klappenprothesen, stattgehabter Endokarditis oder bestimmten angeborenen Herzfehlern.
In den modifizierten Duke-Kriterien von 2023 wurde unter anderem E. faecalis als neues Major-Kriterium aufgenommen. Zudem gelten nun auch positive Befunde in der PET/CT oder SPECT/CT als Major-Kriterium für den Nachweis infektiöser Läsionen.
Eine Operationsindikation besteht laut Leitlinie vor allem bei Herzinsuffizienz, unkontrollierter Infektion oder zur Prävention von Embolien. Bei einem kardiogenen Schock wird eine Notfalloperation innerhalb von 24 Stunden empfohlen.
Die Leitlinie ermöglicht bei ausgewählten, stabilen Patienten einen Wechsel auf eine orale Antibiose. Dies wird jedoch erst nach einer initialen intravenösen Therapie von mindestens 10 Tagen und dem Ausschluss von Komplikationen empfohlen.
Bei einer CIED-assoziierten Infektion wird eine vollständige Systemextraktion empfohlen. Die Leitlinie betont, dass dies mit einer deutlich verbesserten Prognose einhergeht und in spezialisierten Zentren erfolgen sollte.
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Quelle: Kommentar zu den Leitlinien 2023 der ESC zur infektiösen Endokarditis (DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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