Lyme-Karditis: Diagnostik und Therapie laut StatPearls
Hintergrund
Die Lyme-Karditis ist eine Komplikation der Lyme-Borreliose, die durch eine Infektion mit dem Spirochäten Borrelia burgdorferi verursacht wird. Sie tritt in der frühen disseminierten Phase der Erkrankung auf, typischerweise Wochen bis Monate nach der initialen Infektion.
Laut der StatPearls-Zusammenfassung sind etwa 1 bis 10 Prozent der Borreliose-Fälle von einer kardialen Beteiligung betroffen. Junge erwachsene Männer weisen dabei ein deutlich erhöhtes Risiko auf.
Die Pathophysiologie beruht wahrscheinlich auf einer autoimmunen Entzündungsreaktion gegen die Spirochäten im Herzgewebe. Dies führt am häufigsten zu Überleitungsstörungen im Atrioventrikularknoten, seltener zu Myokarditis, Perikarditis oder Endokarditis.
Empfehlungen
Die StatPearls-Zusammenfassung formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie der Lyme-Karditis:
Klinische Evaluation und Diagnostik
Bei Verdacht auf eine Lyme-Karditis wird als erster Schritt ein Elektrokardiogramm (EKG) empfohlen. Die Leitlinie betont, dass der Grad des atrioventrikulären (AV-)Blocks bei diesen Personen innerhalb von Minuten bis Tagen stark schwanken kann.
Für die ätiologische Diagnostik wird ein zweistufiges serologisches Testverfahren empfohlen:
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Zunächst erfolgt ein Enzyme-Linked Immunosorbent Assay (ELISA).
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Bei positivem oder grenzwertigem Befund (IgM oder IgG) ist ein bestätigender Western-Blot erforderlich.
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Bei hoher klinischer Wahrscheinlichkeit und negativer Serologie kann eine Polymerase-Kettenreaktion (PCR) aus Herzgewebe erwogen werden.
Bildgebung
Zusätzliche bildgebende Verfahren sind laut Leitlinie nicht routinemäßig erforderlich, wenn ein isolierter AV-Block vorliegt. Bei Verdacht auf eine Myokarditis oder Klappenerkrankung wird eine Echokardiografie empfohlen.
Zur Differenzierung zwischen einer Myokarditis und einem akuten Koronarsyndrom kann eine kardiale Magnetresonanztomografie (MRT) herangezogen werden.
Stationäre Aufnahme
Die Leitlinie definiert spezifische Kriterien für eine stationäre Behandlungsbedürftigkeit. Diese basieren auf der klinischen Symptomatik und den EKG-Veränderungen.
| Kriterium | EKG-Befund | Klinische Symptomatik |
|---|---|---|
| AV-Block 1. Grades | PR-Intervall ≥ 300 ms | Keine spezifischen |
| AV-Block 2. oder 3. Grades | Unabhängig vom PR-Intervall | Keine spezifischen |
| Symptomatische Präsentation | Unabhängig | Synkope, Dyspnoe oder Brustschmerz |
Pacing und Rhythmuskontrolle
Bei hämodynamischer Instabilität in Kombination mit einem zweit- oder drittgradigen AV-Block ist die Anlage eines temporären Herzschrittmachers indiziert. Dieser kann nach Auflösung des hochgradigen Blocks wieder entfernt werden.
Dosierung
Die Leitlinie empfiehlt eine antibiotische Therapie, um kardiovaskuläre Komplikationen zu reduzieren und die Krankheitsdauer zu verkürzen. Die Gesamtdauer der Therapie beträgt 14 bis 21 Tage.
| Indikation / Schweregrad | Bevorzugte Wirkstoffe | Applikationsweg | Dauer |
|---|---|---|---|
| Milde bis moderate Erkrankung | Amoxicillin oder Doxycyclin | Oral | 14 bis 21 Tage |
| Schwere Erkrankung (stationär) | Ceftriaxon oder Cefotaxim | Intravenös | Bis zur Besserung des AV-Blocks |
| Zeckenstich-Prophylaxe (Anheftung ≥ 36h) | Doxycyclin 200 mg | Oral | Einmaldosis |
Nach Besserung des AV-Blocks (Rückgang auf Grad 1 mit PR-Intervall < 300 ms) wird bei stationären Verläufen eine Umstellung auf eine orale Therapie empfohlen, um die Gesamtdauer von 14 bis 21 Tagen zu komplettieren.
Kontraindikationen
Die Implantation eines permanenten Herzschrittmachers wird bei der Lyme-Karditis als Klasse-3-Indikation eingestuft und ist somit nicht empfohlen. Die Überleitungsstörungen sind transient und bilden sich unter antibiotischer Therapie in der Regel vollständig zurück.
💡Praxis-Tipp
Es wird darauf hingewiesen, dass das typische Erythema migrans bei Patienten mit Lyme-Karditis in nur 40 Prozent der Fälle auftritt und sich viele Betroffene nicht an einen Zeckenstich erinnern. Daher wird empfohlen, bei jungen Männern mit neu aufgetretenen, stark fluktuierenden AV-Blöcken unklarer Genese auch ohne typische Hauterscheinungen differenzialdiagnostisch an eine Lyme-Karditis zu denken und frühzeitig ein EKG abzuleiten.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie kann der Grad des AV-Blocks bei einer Lyme-Karditis extrem schnell fluktuieren. Es wird beschrieben, dass Wechsel zwischen einem erstgradigen, zweitgradigen und kompletten Herzblock innerhalb von Minuten bis Tagen auftreten können.
Eine stationäre Aufnahme wird empfohlen, wenn Symptome wie Synkopen, Dyspnoe oder Brustschmerzen vorliegen. Zudem gelten ein AV-Block zweiten oder dritten Grades sowie ein AV-Block ersten Grades mit einem PR-Intervall von mindestens 300 Millisekunden als zwingende Aufnahmekriterien.
Die Leitlinie empfiehlt eine antibiotische Gesamtdauer von 14 bis 21 Tagen. Bei schweren Verläufen wird initial intravenös behandelt, bis sich die Überleitungsstörungen bessern, gefolgt von einer oralen Erhaltungstherapie.
Bei hämodynamischer Instabilität und hochgradigem AV-Block wird die Anlage eines temporären Schrittmachers empfohlen. Ein permanenter Schrittmacher ist laut Leitlinie nicht indiziert, da sich die Blockierungen unter Antibiose in der Regel vollständig zurückbilden.
Wenn ausschließlich ein AV-Block vorliegt, sind in der Regel keine weiteren bildgebenden Studien erforderlich. Bei Verdacht auf eine Myokarditis oder Klappenbeteiligung wird jedoch eine Echokardiografie oder kardiale MRT empfohlen.
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Quelle: StatPearls: Lyme Carditis (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.