HIV-PrEP: Indikation, Dosierung, Leitlinien-Empfehlung
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie aus dem Jahr 2012 befasst sich mit der oralen Präexpositionsprophylaxe (PrEP) zur Verhinderung einer HIV-Infektion. Zielgruppe sind primär serodiskordante Paare sowie Männer und Transfrauen, die Sex mit Männern haben (MSM-TG).
Bisherige Präventionsmethoden wie Kondome und die Behandlung der infizierten Partner haben die Neuansteckungsraten gesenkt, reichen aber global nicht aus. Die tägliche Einnahme von antiretroviralen Medikamenten durch HIV-negative Personen bietet einen vielversprechenden zusätzlichen Schutz.
Klinische Studien zeigten eine hohe Wirksamkeit der PrEP, die stark mit der Adhärenz der Anwender korreliert. Bei nachweisbaren Medikamentenspiegeln im Blut konnte das Infektionsrisiko in Studien um bis zu 90 Prozent gesenkt werden.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur oralen Präexpositionsprophylaxe (PrEP):
Serodiskordante Paare
Laut Leitlinie kann die tägliche orale PrEP als zusätzliche Präventionsmaßnahme für den nicht-infizierten Partner erwogen werden (bedingte Empfehlung, hohe Evidenzqualität).
Es wird empfohlen, dabei folgende Aspekte zu beachten:
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Bei heterosexuellen Paaren kann entweder Tenofovir (TDF) allein oder die Kombination aus Tenofovir und Emtricitabin (TDF/FTC) eingesetzt werden.
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Bei gleichgeschlechtlichen serodiskordanten Paaren wird ausschließlich die Kombination TDF/FTC empfohlen, da nur hierfür ausreichende Evidenz vorliegt.
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Die PrEP sollte als Ergänzung zur frühen antiretroviralen Therapie des infizierten Partners betrachtet werden.
Männer und Transfrauen, die Sex mit Männern haben (MSM-TG)
Für diese Hochrisikogruppe empfiehlt die Leitlinie ebenfalls die Prüfung einer täglichen oralen PrEP als zusätzliche Intervention (bedingte Empfehlung, hohe Evidenzqualität).
Gemäß den Studiendaten wird für diese Gruppe spezifisch die Kombination aus Tenofovir und Emtricitabin (TDF/FTC) empfohlen. Die Maßnahme sollte in ein umfassendes Präventionskonzept integriert werden.
Voraussetzungen und Monitoring
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer sicheren Implementierung der PrEP. Folgende Schritte werden für die Praxis hervorgehoben:
-
Sicherstellung eines negativen HIV-Status vor Beginn der PrEP, um Resistenzbildungen zu vermeiden.
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Regelmäßige HIV-Nachtestungen während der Einnahme zur frühzeitigen Erkennung von Durchbruchinfektionen.
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Förderung einer hohen Adhärenz, da die Schutzwirkung stark von der täglichen Einnahme abhängt.
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Beibehaltung anderer Schutzmaßnahmen wie Kondomnutzung und STI-Behandlung.
Dosierung
| Medikament | Dosierung | Indikation laut Leitlinie |
|---|---|---|
| Tenofovir (TDF) + Emtricitabin (FTC) | 300 mg TDF / 200 mg FTC täglich | MSM-TG, serodiskordante Paare (hetero- und homosexuell) |
| Tenofovir (TDF) Monotherapie | 300 mg täglich | Heterosexuelle serodiskordante Paare |
Kontraindikationen
Die Leitlinie weist auf folgende Kontraindikationen und Warnhinweise hin:
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Vorbestehende Nierenerkrankungen
-
Vorbestehende Knochenerkrankungen
Es wird darauf hingewiesen, dass TDF/FTC eine leichte Abnahme der Knochenmineraldichte und der Nierenfunktion verursachen kann. Ein entsprechendes Monitoring auf unerwünschte Ereignisse wird empfohlen. Zudem darf die PrEP nicht bei Personen mit unklarem oder positivem HIV-Status begonnen werden.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt eindringlich davor, eine PrEP ohne vorherige, zweifelsfreie Bestätigung eines negativen HIV-Status zu beginnen. Es wird betont, dass die Einnahme der Medikamente bei einer unentdeckten akuten HIV-Infektion rasch zu gefährlichen Virusresistenzen führen kann. Zudem wird darauf hingewiesen, dass die PrEP bestehende Schutzmaßnahmen wie Kondome nicht ersetzen, sondern nur ergänzen soll.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie senkt die PrEP das Infektionsrisiko signifikant, wobei die Wirksamkeit stark von der Therapietreue abhängt. Bei optimaler Adhärenz und nachweisbaren Medikamentenspiegeln im Blut zeigte sich in Studien eine Risikoreduktion von bis zu 90 Prozent.
Für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), empfiehlt die Leitlinie ausschließlich die tägliche Einnahme der Fixkombination aus Tenofovir (TDF) und Emtricitabin (FTC). Für eine Monotherapie mit Tenofovir liegt in dieser Gruppe keine ausreichende Evidenz vor.
Die Leitlinie stellt klar, dass die PrEP als Teil einer Kombinationsprävention zu verstehen ist. Es wird nachdrücklich empfohlen, bestehende Schutzmaßnahmen wie die Kondomnutzung beizubehalten, um auch vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) zu schützen.
Bei einer Durchbruchinfektion wird ein sofortiges Absetzen der PrEP empfohlen, um Resistenzbildungen zu vermeiden. Anschließend sollte gemäß Leitlinie eine vollständige antiretrovirale Therapie nach nationalen Standards eingeleitet werden.
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Quelle: Guidance on oral pre-exposure prophylaxis (PrEP) for serodiscordant couples, men and transgender women who have sex with men at high risk of HIV (WHO, 2012). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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