Hitzebedingte Gesundheitsstörungen: Hitzschlag-Therapie
Hintergrund
Die DEGAM S1-Handlungsempfehlung befasst sich mit der Prävention, Diagnostik und Therapie hitzebedingter Gesundheitsstörungen in der hausärztlichen Praxis. Die Inzidenz dieser Erkrankungen steigt während Hitzeperioden deutlich an, wobei eine hohe Dunkelziffer vermutet wird.
Laut Leitlinie haben ältere, chronisch kranke und sehr junge Menschen ein hohes Risiko für einen klassischen Hitzeschaden. Junge Erwachsene und Sportler sind hingegen häufiger von anstrengungsinduzierten Hitzeschäden betroffen.
Die Mortalität eines Hitzschlags ist stark von der Höhe und Dauer der Hyperthermie sowie dem schnellen Einleiten von Kühlungsmaßnahmen abhängig. Sie wird in der Literatur mit 10 bis 80 Prozent angegeben.
Klinischer Kontext
Hitzebedingte Gesundheitsstörungen nehmen aufgrund des Klimawandels und häufigerer Hitzewellen weltweit zu. Besonders gefährdet sind vulnerable Gruppen wie ältere Menschen, Säuglinge, chronisch Kranke und Personen, die im Freien arbeiten.
Bei hohen Umgebungstemperaturen versucht der Körper, die Kerntemperatur durch Vasodilatation und Schwitzen zu regulieren. Übersteigen die Wärmebelastung und der Flüssigkeitsverlust die Kompensationsmechanismen, kommt es zu Dehydratation, Elektrolytentgleisungen und im Extremfall zu einem lebensbedrohlichen Versagen der Thermoregulation.
In der hausärztlichen Praxis ist die frühzeitige Erkennung von Hitzeerschöpfung und Hitzschlag essenziell, um schwere Organschäden oder letale Verläufe zu verhindern. Zudem erfordern viele chronische Erkrankungen und Dauermedikationen bei Hitzeperioden eine proaktive Dosisanpassung.
Die Diagnostik stützt sich primär auf die Anamnese der Hitzeexposition und das klinische Bild, welches von Schwindel und Muskelkrämpfen bis hin zu Bewusstseinsstörungen reicht. Die Messung der Körperkerntemperatur und die Beurteilung des Hydratationsstatus sind zentrale Bausteine der initialen Evaluation.
Wissenswertes
Verschiedene Wirkstoffe können die Thermoregulation oder den Flüssigkeitshaushalt beeinträchtigen. Dazu zählen insbesondere Diuretika, Anticholinergika, Betablocker und bestimmte Psychopharmaka wie Neuroleptika. Eine sorgfältige Überprüfung der Medikation ist bei Risikopatienten in Hitzeperioden ratsam.
Die Hitzeerschöpfung geht meist mit starkem Schwitzen, normaler oder leicht erhöhter Körpertemperatur und intaktem Bewusstsein einher. Ein Hitzschlag ist hingegen ein lebensbedrohlicher Notfall, der durch eine Körperkerntemperatur über 40 Grad Celsius, eine Anhidrose und ausgeprägte neurologische Ausfälle wie Verwirrtheit oder Koma gekennzeichnet ist.
Bei schweren hitzebedingten Erkrankungen stehen Elektrolyte, Nierenretentionsparameter und die Kreatinkinase im Fokus, um eine Dehydratation, ein akutes Nierenversagen oder eine Rhabdomyolyse zu erkennen. Zudem können Gerinnungsparameter und Leberwerte Aufschluss über beginnende Endorganschäden geben.
Die rasche und aggressive Kühlung des Patienten hat oberste Priorität und sollte idealerweise bereits prähospital beginnen. Begleitend erfolgt eine kontrollierte intravenöse Volumengabe, während antipyretische Medikamente wie Paracetamol wirkungslos und potenziell hepatotoxisch sind.
Die Aufklärung über eine ausreichende, an Herz- und Nierenfunktion angepasste Flüssigkeitszufuhr sowie das Meiden direkter Sonneneinstrahlung sind essenziell. Zudem sollten Patienten instruiert werden, ihre Wohnung kühl zu halten und bei ersten Warnsymptomen frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Ein Hitzschlag kann auch bei einer Körperkerntemperatur von unter 40 °C vorliegen, insbesondere wenn neurologische Symptome wie Bewusstseinsstörungen auftreten. Die Leitlinie betont, dass im Zweifelsfall immer von einem Hitzschlag ausgegangen und eine sofortige Kühlung eingeleitet werden sollte. Dabei ist darauf zu achten, die Kühlungsmaßnahmen bei Erreichen von 38,5 bis 39 °C rechtzeitig zu beenden, um eine gefährliche Hypothermie zu verhindern.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie können unter anderem Diuretika, Anticholinergika, Antihistaminika, SSRI, Betablocker und Neuroleptika die Wärmeregulation beeinträchtigen. Zudem kann sich bei Hitze die Resorption von transdermalen Medikamenten verändern.
Eine Hitzeerschöpfung geht meist mit einer Kerntemperatur unter 40 °C einher und zeigt keine gravierenden neurologischen Ausfälle. Ein Hitzschlag ist laut Leitlinie durch Temperaturen über 40 °C sowie schwere ZNS-Symptome wie Koma oder Krämpfe gekennzeichnet.
Die Leitlinie empfiehlt, die Körperkerntemperatur nach Möglichkeit rektal zu messen. Dies liefert die zuverlässigsten Werte zur Steuerung der Kühlungsmaßnahmen.
Bei älteren Personen mit klassischem Hitzschlag wird die Verdunstungskühlung empfohlen. Dabei wird der Patient mit Wasser besprüht und einem Luftstrom ausgesetzt, was laut Leitlinie eine sehr effektive und praktikable Methode darstellt.
Wenn nach intensiver Belastung neurologische Symptome wie Krämpfe ohne starke Überwärmung auftreten, sollte an eine belastungsassoziierte Hyponatriämie gedacht werden. Als Ultima Ratio wird hier die Gabe von hypertoner Kochsalzlösung (3 Prozent) empfohlen.
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Quelle: Hitzebedingte Gesundheitsstörungen in der hausärztlichen Praxis (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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