Hirnfunktionsausfall (IHA): Diagnostik und Feststellung
Hintergrund
Die Richtlinie der Bundesärztekammer (BÄK) aus dem Jahr 2022 definiert die Regeln zur Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls. Dies entspricht naturwissenschaftlich-medizinisch dem Tod des Menschen.
Die Diagnostik erfolgt nach einem strengen dreistufigen Schema. Dieses umfasst die Prüfung der Voraussetzungen, die Feststellung der klinischen Ausfallsymptome und den Nachweis der Irreversibilität.
Die fünfte Fortschreibung berücksichtigt insbesondere neue intensivmedizinische Entwicklungen. Dazu gehören detaillierte Vorgaben für Patienten mit extrakorporaler Membranoxygenierung (ECMO) sowie angepasste Qualifikationsanforderungen an die untersuchenden Ärzte.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fallstrick in der Praxis ist die Beurteilung von spinalen Reflexen. Die Leitlinie betont, dass spinale Extremitäten-Bewegungen (wie das Lazarus-Zeichen) oder spinale vegetative Symptome die Diagnose eines irreversiblen Hirnfunktionsausfalls nicht ausschließen. Es wird eine strikte Differenzierung zwischen zerebralen und spinalen Reaktionen gefordert.
Häufig gestellte Fragen
Laut Richtlinie müssen zwei Fachärzte mit mehrjähriger intensivmedizinischer Erfahrung bei schweren Hirnschädigungen die Untersuchung unabhängig voneinander durchführen. Mindestens einer der Ärzte muss Facharzt für Neurologie oder Neurochirurgie sein.
Die Leitlinie fordert auch unter ECMO den Nachweis fehlender Eigenatmung bei einem pCO2 von mindestens 60 mmHg. Die Durchführung muss durch Ärzte erfolgen, die mit den physiologischen Besonderheiten der extrakorporalen Oxygenierung vertraut sind.
Das Konzept der Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls ist bei Frühgeborenen unter 37 Schwangerschaftswochen postmenstruell nicht anwendbar. Die Richtlinie schließt diese Patientengruppe explizit von der Diagnostik aus.
Bei einer sekundären Hirnschädigung (z. B. nach Hypoxie) wird bei Erwachsenen eine Wartezeit von mindestens 72 Stunden bis zur zweiten klinischen Untersuchung gefordert. Alternativ kann eine apparative Zusatzdiagnostik erfolgen, um die Wartezeit zu umgehen.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Richtlinie zur Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls (5. Fortschreibung 2022) (Bundesärztekammer (BÄK), 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Hypoxisch-ischämische Enzephalopathie (HIE) im Erwachsenenalter
Akute Bewusstseinsstörung jenseits der Neugeborenenperiode
Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) zur kardiopulmonalen Reanimation 2021: Update und Kommentar
Schädel-Hirn-Trauma im Kindes- und Jugendalter
Empfehlungen zur extrakorporalen kardiopulmonalen Reanimation (eCPR) Konsensuspapier der DGIIN, DGK, DGTHG, DGfK, DGNI, DGAI, DIVI und GRC
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen