Herzrhythmusstörungen: Indikation zur Katheterablation
Hintergrund
Der vorliegende Rapid Report des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) umfasst evidenzbasierte Entscheidungshilfen zu elektrophysiologischen Untersuchungen und Ablationsbehandlungen.
Ziel der Dokumente ist die Unterstützung der gemeinsamen Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) bei Herzrhythmusstörungen.
Die Entscheidungshilfen richten sich an Personen mit Vorhofflimmern, Kammertachykardien oder allgemeinen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Sie stellen die Vor- und Nachteile von medikamentösen und interventionellen Behandlungsalternativen vergleichend dar. Die Erstellung erfolgte auf Basis systematischer Literaturrecherchen und orientiert sich an internationalen Standards.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht stellt verschiedene Behandlungsoptionen bei Herzrhythmusstörungen gegenüber.
Vorhofflimmern: Frequenz- vs. Rhythmuskontrolle
Bei Vorhofflimmern wird zwischen der reinen Frequenzkontrolle und der Rhythmuskontrolle unterschieden.
Die Rhythmuskontrolle bietet laut Bericht einen besseren Schutz vor Langzeitkomplikationen bei Personen, die seit weniger als einem Jahr an Vorhofflimmern leiden oder zusätzlich eine Herzschwäche aufweisen.
| Strategie | Eingesetzte Verfahren | Zielsetzung | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Frequenzkontrolle | Betablocker, Kalziumantagonisten, Digitalis | Ruhepuls < 110 (ggf. < 80) Schläge/Minute | Meist ausreichend zur Symptomlinderung |
| Rhythmuskontrolle | Kardioversion, Antiarrhythmika, Katheterablation | Wiederherstellung und Erhalt des Sinusrhythmus | Besserer Schutz bei Herzschwäche oder Vorhofflimmern < 1 Jahr |
Vorhofflimmern: Kardioversion
Zur akuten Wiederherstellung des Sinusrhythmus stehen die elektrische und die medikamentöse Kardioversion zur Verfügung.
| Verfahren | Erfolgsrate | Narkose erforderlich | Spezifische Risiken |
|---|---|---|---|
| Elektrokardioversion | ca. 90 von 100 Personen | Ja (kurz, leicht) | Hautverbrennungen, verlangsamter Herzschlag |
| Medikamentöse Kardioversion | 44 bis 78 von 100 Personen | Nein | Blutdruckabfall, Schilddrüsenprobleme, verzögerter Wirkeintritt |
Vorhofflimmern: Erhalt des Sinusrhythmus
Um den normalen Herzrhythmus nach einer Kardioversion langfristig zu erhalten, vergleicht der Bericht die dauerhafte Medikamenteneinnahme mit der Katheterablation.
| Verfahren | Rückfallquote (innerhalb 3 Jahre) | Schwere/Lebensbedrohliche Komplikationen |
|---|---|---|
| Medikamente (Antiarrhythmika) | ca. 70 von 100 Personen | ca. 1 von 100 Personen |
| Katheterablation | ca. 50 von 100 Personen | ca. 2 von 100 Personen |
Kammertachykardie
Zum Schutz vor lebensbedrohlichen Folgen einer Kammertachykardie (wie Kammerflimmern und plötzlicher Herztod) werden verschiedene Verfahren einzeln oder in Kombination eingesetzt:
-
Implantierbarer Defibrillator (ICD): Senkt die Sterblichkeit am plötzlichen Herztod innerhalb von 2 bis 3 Jahren von 8 auf 3 von 100 Personen.
-
Medikamentöse Therapie: Betablocker sind gut belegt und schützen vor Komplikationen; Amiodaron wird als Alternative bei unzureichendem Schutz genannt.
-
Katheterablation: Schützt bei Personen mit bereits implantiertem ICD und Infarktnarbe besser vor erneuten Tachykardien und ICD-Stromstößen als Medikamente.
Kontraindikationen
Der Bericht nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise für die medikamentöse Frequenzkontrolle:
-
Betablocker sind bei Asthma oder COPD nicht geeignet.
-
Kalziumantagonisten sind bei einer bestehenden Herzschwäche nicht geeignet.
-
Herzglykoside (Digitalis) erfordern bei gestörter Nierenfunktion besondere Vorsicht, da sie zu Sehstörungen oder Herzrhythmusstörungen führen können.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht hebt hervor, dass die Rhythmuskontrolle bei Vorhofflimmern nicht für alle Betroffenen zwingend erforderlich ist, jedoch bei einer bestehenden Herzschwäche oder einer Erkrankungsdauer von unter einem Jahr deutliche Vorteile bietet. Zudem wird betont, dass eine Katheterablation bei Kammertachykardien besonders dann erwogen wird, wenn trotz Medikamenten wiederholt Rhythmusstörungen auftreten und ein ICD häufig Stromstöße auslöst.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht bringt die Elektrokardioversion das Herz bei etwa 90 von 100 behandelten Personen sofort wieder in den normalen Rhythmus. Bei der medikamentösen Variante liegt die Erfolgsrate je nach Wirkstoff lediglich zwischen 44 und 78 Prozent.
Der Bericht gibt an, dass es innerhalb von drei Jahren bei etwa 50 von 100 behandelten Personen erneut zu Vorhofflimmern oder Vorhofflattern kommt. Bei einer rein medikamentösen Erhaltungstherapie liegt diese Rate mit etwa 70 von 100 Personen noch höher.
Es wird berichtet, dass bei etwa 3 von 100 Personen Komplikationen wie Infektionen, Wundheilungsstörungen, Blutungen oder ein Verrutschen der Elektroden auftreten. Bei 1 von 100 Personen können diese Komplikationen lebensbedrohlich sein.
Die Ablation wird laut Bericht empfohlen, wenn das Herz durch eine Infarktnarbe geschädigt ist und trotz Medikamenten wiederholt Kammertachykardien auftreten. Sie kann auch eine Alternative zur dauerhaften Medikamenteneinnahme sein, wenn das Herz ansonsten gesund ist.
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Quelle: IQWiG P21-02: Entscheidungshilfe Ablation bei Herzrhythmusstörungen (IQWiG, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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