ClariMedClariMed
DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Vorhofflimmern Leitlinie 2024 (ESC/DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der neue AF-CARE-Pfad strukturiert die Therapie in Komorbiditäten (C), Antikoagulation (A), Rhythmus-/Frequenzkontrolle (R) und Evaluation (E).
  • DOAKs werden zur Schlaganfallprävention gegenüber Vitamin-K-Antagonisten (VKA) bevorzugt, außer bei mechanischen Herzklappen oder Mitralstenose.
  • Die Indikation zur oralen Antikoagulation (OAK) richtet sich nach dem CHA2DS2-VA-Score (Klasse I ab Score 2).
  • Thrombozytenaggregationshemmer sind keine Alternative zur OAK in der Schlaganfallprävention.
  • Das primäre Ziel der Frequenzkontrolle ist eine Ruheherzfrequenz von < 110 Schlägen pro Minute.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die ESC/DGK-Leitlinie 2024 etabliert den AF-CARE-Pfad als zentralen, patientenzentrierten Ansatz für das Management von Vorhofflimmern. Dieser multidisziplinäre Pfad umfasst vier Säulen: C (Komorbiditäten- und Risikofaktorenmanagement), A (Antikoagulation und Schlaganfallprävention), R (Rhythmus- und Frequenzkontrolle) und E (Evaluation und dynamische Neubewertung).

Klassifikation des Vorhofflimmerns

Das zeitliche Muster hilft bei der klinischen Einordnung. Es wird jedoch ausdrücklich nicht empfohlen, das zeitliche Muster zur Bestimmung der Notwendigkeit einer oralen Antikoagulation heranzuziehen (Klasse III).

MusterDefinition
ErstdiagnoseZuvor nicht diagnostiziertes Vorhofflimmern, unabhängig von Dauer oder Symptomen.
ParoxysmalSpontane oder intervenierte Terminierung innerhalb von 7 Tagen (meist < 48h).
PersistierendHält länger als 7 Tage an. Lang anhaltend: kontinuierlich > 12 Monate.
PermanentGemeinsame Entscheidung von Arzt und Patient gegen weitere Rhythmuskontroll-Versuche.

[C] Komorbiditäten- und Risikofaktorenmanagement

Die Modifikation von Risikofaktoren ist essenziell, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern (Klasse I).

  • Hypertonie: Zielblutdruck 120–129/70–79 mmHg (Klasse I).
  • Herzinsuffizienz: SGLT2-Inhibitoren werden unabhängig von der LVEF empfohlen (Klasse I).
  • Adipositas: Gewichtsreduktion von mindestens 10 % anstreben (Klasse I).
  • Alkohol: Reduktion auf ≤ 3 Standardgetränke (≤ 30 g Alkohol) pro Woche (Klasse I).
  • Körperliche Aktivität: Individuelles Trainingsprogramm zur Verbesserung der Fitness (Klasse I).

[A] Schlaganfallprävention und Antikoagulation

Die Indikation zur oralen Antikoagulation (OAK) wird anhand des CHA2DS2-VA-Scores gestellt.

KomponenteDefinitionPunkte
CChronische Herzinsuffizienz (oder LVEF ≤ 40 %)1
HHypertonie1
AAlter ≥ 75 Jahre2
DDiabetes mellitus1
SSchlaganfall, TIA oder arterielle Thromboembolie in der Anamnese2
VGefäßkrankheiten (KHK, pAVK, Aortenplaques)1
AAlter 65–74 Jahre1

Therapieempfehlungen:

  • OAK-Indikation: Empfohlen ab einem Score ≥ 2 (Klasse I), erwogen bei Score 1 (Klasse IIa).
  • DOAK vs. VKA: DOAKs werden bevorzugt (Klasse I), außer bei mechanischen Herzklappen oder mittelschwerer/schwerer Mitralstenose.
  • VKA-Therapie: Ziel-INR 2,0–3,0. Die Zeit im therapeutischen Bereich (TTR) sollte > 70 % betragen (Klasse I).
  • Thrombozytenaggregationshemmer: Dürfen nicht als Alternative zur OAK zur Schlaganfallprävention eingesetzt werden (Klasse III).

[R] Frequenz- und Rhythmuskontrolle

Das primäre Ziel der Frequenzkontrolle ist eine Ruheherzfrequenz von < 110 Schlägen pro Minute (milde Kontrolle). Bei anhaltenden Symptomen ist eine strengere Kontrolle indiziert (Klasse IIa).

MedikamentIndikation / Bemerkung
BetablockerMittel der 1. Wahl, einsetzbar unabhängig von der LVEF (Klasse I).
DigoxinEinsetzbar bei jeder LVEF (Klasse I).
Diltiazem / VerapamilNur bei LVEF > 40 % (Kontraindiziert bei HFrEF) (Klasse I).

Für die Rhythmuskontrolle stehen je nach Begleiterkrankung Antiarrhythmika (Amiodaron, Dronedaron, Flecainid, Propafenon) oder die Katheterablation zur Verfügung. Bei HFrEF (LVEF ≤ 40 %) ist Amiodaron das medikamentöse Mittel der Wahl (Klasse I).

Blutungsmanagement

Blutungsrisiko-Scores dürfen nicht verwendet werden, um Patienten eine OAK vorzuenthalten (Klasse III). Bei lebensbedrohlichen Blutungen unter DOAKs sollten spezifische Antidote erwogen werden (Klasse IIa), unter VKA Prothrombinkomplexkonzentrate (PPSB) (Klasse IIa).

💡Praxis-Tipp

Setzen Sie Thrombozytenaggregationshemmer (wie ASS) niemals als Ersatz für eine orale Antikoagulation zur Schlaganfallprävention ein. Nutzen Sie bei der Frequenzkontrolle Kalziumantagonisten (Verapamil/Diltiazem) nur, wenn die LVEF sicher > 40 % liegt.

Häufig gestellte Fragen

Der CHA2DS2-VA-Score. Ab einem Score von 2 wird eine OAK empfohlen (Klasse I), bei einem Score von 1 sollte sie erwogen werden (Klasse IIa).
DOAKs werden bevorzugt eingesetzt, es sei denn, der Patient hat eine mechanische Herzklappe oder eine mittelschwere bis schwere Mitralstenose.
Das primäre Ziel der Frequenzkontrolle ist eine Ruheherzfrequenz von unter 110 Schlägen pro Minute (milde Kontrolle).
Nein. Die Leitlinie empfiehlt ausdrücklich nicht, Blutungsrisiko-Scores zu verwenden, um über den Beginn oder das Absetzen einer OAK zu entscheiden (Klasse III).
Der Alkoholkonsum sollte auf maximal 3 Standardgetränke (≤ 30 Gramm Alkohol) pro Woche reduziert werden, um das Wiederauftreten von Vorhofflimmern zu verringern.

Verwandte Leitlinien