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Vorhofflimmern: S3-Leitlinie zur Diagnostik & Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose erfordert ein 12-Kanal-EKG oder ein 1-Kanal-EKG über mindestens 30 Sekunden.
  • Die Einteilung erfolgt nach Episodendauer in paroxysmales, persistierendes, lang-persistierendes und permanentes Vorhofflimmern.
  • Ein opportunistisches Screening wird bei Patienten ab 75 Jahren oder mit erhöhtem Schlaganfallrisiko empfohlen.
  • Jeder Patient mit neu diagnostiziertem Vorhofflimmern soll eine transthorakale Echokardiographie erhalten.
  • Die Symptomerfassung sollte strukturiert mittels modifiziertem EHRA-Score erfolgen.
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Hintergrund

Vorhofflimmern (AF) ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung und betrifft in Deutschland etwa 2 % der Bevölkerung. Es ist durch eine schnelle, unkoordinierte elektrische Aktivierung des Vorhofmyokards gekennzeichnet. Dies führt zum Verlust der Vorhofkontraktion und erhöht das Risiko für Thrombenbildung (insbesondere im linken Vorhofohr), Schlaganfälle und Herzinsuffizienz.

Klassifikation

Die Einteilung von Vorhofflimmern erfolgt primär nach dem klinischen Verteilungsmuster und der Episodendauer:

KlassifikationDefinition
ErstdiagnostiziertErstmals diagnostiziertes AF, unabhängig von Dauer oder Symptomatik
ParoxysmalEndet spontan oder durch Kardioversion innerhalb von 7 Tagen
PersistierendEndet spontan oder durch Kardioversion nach mehr als 7 Tagen
Lang-persistierendKontinuierlich > 12 Monate zum Zeitpunkt der Rhythmuskontroll-Entscheidung
PermanentGemeinsame Entscheidung von Arzt und Patient, keine Rhythmuskontrolle mehr anzustreben

Diagnostik und Basisuntersuchungen

Die Diagnose darf nicht allein auf Basis von Geräte-Algorithmen (z. B. Smartwatches) gestellt werden.

  • Die Diagnostellung soll durch ärztliche Interpretation eines EKGs von ausreichender Qualität erfolgen.
  • Erforderlich ist die Dokumentation im 12-Kanal-EKG oder in einem 1-Kanal-EKG für mindestens 30 Sekunden.
  • Bei Patienten mit diagnostiziertem AF sollte ein 12-Kanal-EKG geschrieben werden.
  • Alle Patienten mit neu diagnostiziertem AF sollen eine transthorakale Echokardiographie erhalten, um strukturelle Veränderungen (z. B. vergrößerter linker Vorhof, Klappenvitien) zu erkennen.
  • Die Therapieplanung soll die Abschätzung des Schlaganfallrisikos, das Erfassen der Komorbiditäten und die Entscheidung über Rhythmus- oder Frequenzkontrolle umfassen.
BereichEmpfohlene Basisdiagnostik
AnamneseSymptomatik, EHRA-Score, CHA2DS2-VASc, Risikofaktoren
UntersuchungBMI, Blutdruck, Auskultation, Zeichen einer Herzinsuffizienz
LaborTSH, Hb, Kalium, Kreatinin (GFR), evtl. NT-proBNP
Apparativ12-Kanal-EKG, Transthorakale Echokardiographie

Symptomerfassung

Die Schwere der Symptomatik von AF soll mit dem modifizierten EHRA-Score erhoben werden. Dieser hilft bei der Therapieplanung und der Beurteilung des Behandlungserfolgs.

ScoreSymptomeBeschreibung
1KeineDas Vorhofflimmern verursacht keine Beschwerden.
2aLeichtDie normale Alltagstätigkeit ist durch die Symptome nicht beeinträchtigt.
2bMittelschwerAlltagstätigkeit nicht beeinträchtigt, aber Patienten sind verunsichert.
3SchwerNormale Alltagstätigkeiten sind durch die Symptome beeinträchtigt.
4BehinderndNormale Alltagstätigkeit ist nicht mehr möglich.

Screening

Ein generelles, systematisches Screening (z. B. populationsweit mit Wearables) wird derzeit nicht empfohlen. Stattdessen wird ein opportunistisches Screening favorisiert:

  • Um bislang unerkanntes Vorhofflimmern zu erkennen, sollte Menschen ab 75 Jahren und/oder mit erhöhtem Schlaganfallrisiko ein mindestens einmaliges EKG empfohlen werden.

Zu den Risikofaktoren, die ein Screening rechtfertigen, zählen:

  • Alter ≥ 75 Jahre
  • Herzinsuffizienz
  • Hypertonie
  • Diabetes mellitus
  • Schlaganfall oder TIA in der Anamnese
  • Koronare oder periphere Gefäßerkrankungen
  • Adipositas (BMI > 30)

Lebensstil und Prävention

Die Modifikation von Risikofaktoren ist ein essenzieller Pfeiler der Therapie, um die Vorhofflimmer-Last zu senken und den Progress zu bremsen.

  • Patienten mit AF sollen hinsichtlich des Ausmaßes ihrer körperlichen Aktivität regelmäßig befragt und zu den Vorteilen moderater körperlicher Aktivität beraten werden.
  • Besonders Patienten mit paroxysmalem AF sowie Angst vor körperlicher Aktivität soll ein strukturiertes Training (z. B. Herzsportgruppe) empfohlen werden.
  • Bei positivem Screening auf eine psychische Störung (z. B. Depression, Angst) soll eine klinische Diagnosestellung angestrebt werden.

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich bei Smartwatch-Alarmen (Device-detected AF) nie allein auf den Algorithmus. Sichern Sie die Diagnose immer mit einem ärztlich befundeten EKG (mind. 30 Sekunden) und veranlassen Sie bei Erstdiagnose stets eine transthorakale Echokardiographie.

Häufig gestellte Fragen

Wenn es in einem 12-Kanal-EKG oder einem 1-Kanal-EKG für mindestens 30 Sekunden dokumentiert und ärztlich befunden wurde.
Jeder Patient mit neu diagnostiziertem Vorhofflimmern soll eine transthorakale Echokardiographie (TTE) erhalten.
Nein, ein generelles Screening wird derzeit nicht empfohlen. Ein opportunistisches Screening mittels EKG ist jedoch bei Patienten ab 75 Jahren oder mit erhöhtem Schlaganfallrisiko indiziert.
Die Einteilung erfolgt nach Episodendauer in paroxysmal (< 7 Tage), persistierend (> 7 Tage), lang-persistierend (> 12 Monate) und permanent.
Die Schwere der Symptomatik soll standardisiert mit dem modifizierten EHRA-Score (Stufen 1 bis 4) erhoben werden.

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