CochraneIa2020

Glioblastom: Anti-EGFR-Therapie und Indikationsstellung

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Glioblastome sind hochaggressive Hirntumoren, bei denen die Standardtherapie aus maximaler chirurgischer Resektion, Radiochemotherapie und adjuvanter Chemotherapie besteht. Bei 30 bis 60 % dieser Tumoren liegt eine Aberration des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors (EGFR) vor.

Diese Aberrationen umfassen Genamplifikationen oder Mutationen, insbesondere die EGFRvIII-Mutation. Sie führen zu einem unkontrollierten Zellwachstum und erhöhen das aggressive Potenzial des Tumors.

Der vorliegende Cochrane Review untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit von Anti-EGFR-Therapien bei Erwachsenen mit neu diagnostiziertem oder rezidivierendem Glioblastom. Zu den untersuchten Substanzklassen gehören monoklonale Antikörper, Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) und zielgerichtete Vakzine.

Empfehlungen

Der Cochrane Review formuliert basierend auf der Meta-Analyse folgende Kernaussagen zur Anti-EGFR-Therapie:

Gesamtüberleben (Overall Survival)

Laut Review gibt es keine Evidenz für einen Überlebensvorteil durch die Zugabe einer Anti-EGFR-Therapie. Dies gilt sowohl für die Erstlinientherapie (moderate Evidenz) als auch für das Rezidivstadium (niedrige Evidenz).

Progressionsfreies Überleben (PFS)

Für das progressionsfreie Überleben zeigt die Auswertung folgende Ergebnisse:

  • In der Erstlinientherapie wird keine Verlängerung des PFS beobachtet.

  • Im Rezidivstadium zeigt sich eine statistische Verlängerung des PFS (niedrige Evidenz).

  • Dieser PFS-Vorteil im Rezidivstadium übersetzt sich jedoch nicht in einen Vorteil beim Gesamtüberleben.

Lebensqualität und Verträglichkeit

Die Auswertung der Lebensqualität zeigt, dass Anti-EGFR-Therapien im Vergleich zur Standardversorgung weder schädlich noch vorteilhaft sind. Die Therapien werden im Allgemeinen gut vertragen.

Es wird jedoch auf spezifische Nebenwirkungen hingewiesen:

  • Erwartbare Nebenwirkungen wie Hautausschläge und Diarrhö treten auf, sind aber meist nicht schwerwiegend.

  • Es gibt keine signifikante Zunahme von schweren Hämatotoxizitäten wie Lymphopenie oder Neutropenie.

  • Bei der Anwendung des Antikörper-Wirkstoff-Konjugats ABT-414 (Depatuxizumab-Mafodotin) wird vor erheblichen okulären Toxizitäten gewarnt.

Dosierung

Der Review vergleicht drei Hauptklassen von Anti-EGFR-Therapien, die in den eingeschlossenen Studien untersucht wurden:

WirkstoffklasseWirkmechanismusBeispiele aus den Studien
Monoklonale AntikörperBlockade der extrazellulären Ligandenbindungsdomäne des EGFRNimotuzumab, Cetuximab, Panitumumab
Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI)Reversible/irreversible intrazelluläre Bindung zur Hemmung der SignalkaskadeErlotinib, Gefitinib, Afatinib, Vandetanib
Anti-EGFR-VakzineImmunologische Reaktion gegen die spezifische Peptidsequenz der EGFRvIII-MutationRindopepimut

Kontraindikationen

Der Review hebt spezifische Warnhinweise für bestimmte Präparate hervor:

  • ABT-414 (Depatuxizumab-Mafodotin): Es wird vor signifikanten okulären Toxizitäten gewarnt. In den Studien traten bei 28,4 % der Behandelten Grad-3- und Grad-4-Augentoxizitäten auf (z.B. verschwommenes Sehen, Keratitis, Photophobie).

  • Rindopepimut: Es wird auf häufige milde bis moderate Reaktionen an der Einstichstelle hingewiesen.

  • Thromboembolien: Glioblastome weisen generell ein hohes Risiko für venöse Thromboembolien auf. Es ist unklar, ob Anti-EGFR-Therapien dieses Risiko weiter erhöhen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein zentraler Hinweis für den klinischen Alltag ist die fehlende Wirksamkeit von Anti-EGFR-Therapien beim Glioblastom außerhalb von klinischen Studien. Obwohl EGFR-Mutationen bei diesen Tumoren häufig sind, lässt sich der Erfolg dieser Wirkstoffklasse aus anderen onkologischen Indikationen (wie dem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom) laut Review nicht auf das Glioblastom übertragen. Bei der experimentellen Gabe von ABT-414 wird zudem eine engmaschige ophthalmologische Kontrolle empfohlen, da schwere Augentoxizitäten sehr häufig auftreten.

Häufig gestellte Fragen

Laut Cochrane Review gibt es keine Evidenz für einen Überlebensvorteil durch Anti-EGFR-Therapien. Dies betrifft sowohl die Erstlinientherapie als auch die Behandlung von Rezidiven.

Die Therapien werden meist gut vertragen und verursachen typische Nebenwirkungen wie Hautausschläge und Diarrhö. Der Review warnt jedoch ausdrücklich vor schweren Augentoxizitäten bei der Gabe von ABT-414.

Die Meta-Analyse zeigt eine statistische Verlängerung des progressionsfreien Überlebens im Rezidivstadium. Dieser Effekt führt laut Review jedoch nicht zu einem verlängerten Gesamtüberleben der Behandelten.

Der Review schlussfolgert, dass TKI wie Erlotinib oder Afatinib beim Glioblastom intrinsisch ineffektiv zu sein scheinen. Sie zeigen in den untersuchten Studien keinen klinischen Nutzen gegenüber der Standardtherapie.

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Quelle: Cochrane Review: Anti-epidermal growth factor receptor therapy for glioblastoma in adults (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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