Glioblastom-Rezidiv Therapie: Cochrane Review
Hintergrund
Das Glioblastom ist ein hochmaligner Hirntumor, der nach der primären Standardtherapie fast unweigerlich fortschreitet oder rezidiviert. Für die Behandlung bei Krankheitsprogression oder Rezidiv gibt es bislang keinen einheitlichen Konsens.
Dieser Cochrane Review aus dem Jahr 2021 untersucht die Wirksamkeit weiterer Behandlungen für das erste und nachfolgende Rezidive. Eingeschlossen wurden Personen, die zuvor die Standardversorgung (Stupp-Protokoll) mit Radiotherapie und Temozolomid erhalten haben.
Die Evidenz basiert auf einer Netzwerk-Metaanalyse von 42 Studien mit über 5000 Teilnehmenden. Lomustin (CCNU) diente in den meisten Vergleichen als Referenzbehandlung.
Empfehlungen
Der Cochrane Review liefert folgende Erkenntnisse zur Behandlung des Glioblastom-Rezidivs:
Erstes Rezidiv - Systemtherapie
Laut Review gibt es keine Evidenz von hoher Sicherheit, dass eine der getesteten Therapien der Monotherapie mit Lomustin überlegen ist. Kombinationstherapien verbessern das Gesamtüberleben im Vergleich zu Lomustin in der Regel nicht.
| Therapie | Gesamtüberleben (OS) vs. Lomustin | Progressionsfreies Überleben (PFS) | Risiko für schwere unerwünschte Ereignisse (SAE) |
|---|---|---|---|
| Bevacizumab + Lomustin | Wahrscheinlich kein Unterschied | Mögliche Verbesserung | Deutlich erhöht (höchstes Risiko) |
| Bevacizumab (Mono) | Wahrscheinlich kein Unterschied | Wahrscheinlich kein Unterschied | Geringer als bei Kombinationen |
| Regorafenib | Mögliche Verbesserung (niedrige Evidenz) | Sehr unsichere Evidenz | Gering (zweitbeste Verträglichkeit) |
| Fotemustin | Ähnliche Effekte | Keine Daten im Review | Keine spezifischen Daten im Review |
| Temozolomid + Depatux-M | Mögliche Verbesserung (niedrige Evidenz) | Keine Daten im Review | Keine spezifischen Daten im Review |
Operative und strahlentherapeutische Ansätze
Für ausgewählte Personen zeigt die Evidenz mögliche Überlebensvorteile durch eine Re-Operation. Dies gilt mit oder ohne anschließende Re-Bestrahlung und Chemotherapie.
Zweites oder spätere Rezidive
Die Datenlage für zweite oder spätere Rezidive ist laut Review sehr begrenzt. Es wird auf folgende Aspekte hingewiesen:
-
Eine Radiotherapie mit oder ohne Bevacizumab kann bei ausgewählten Personen einen positiven Effekt auf das Überleben haben.
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Tumortherapiefelder (Tumour-Treating Fields) zeigen wahrscheinlich kaum einen Überlebensunterschied im Vergleich zur ärztlichen Wahltherapie.
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Es liegt keine verlässliche Evidenz für die beste unterstützende Behandlung (Best Supportive Care) vor.
💡Praxis-Tipp
Der Review warnt davor, dass Kombinationstherapien wie Bevacizumab plus Lomustin das Gesamtüberleben im Vergleich zur Lomustin-Monotherapie nicht verbessern, aber mit einem signifikant höheren Risiko für schwere unerwünschte Ereignisse einhergehen. Es wird hervorgehoben, dass Lomustin bezüglich der schweren Nebenwirkungen am besten und Regorafenib am zweitbesten abschneidet.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review nutzt die Monotherapie mit Lomustin (CCNU) als Referenzbehandlung. Es konnte keine Therapie identifiziert werden, die Lomustin in Bezug auf das Gesamtüberleben mit hoher Evidenzsicherheit überlegen ist.
Laut Review gibt es wahrscheinlich keinen Unterschied im Gesamtüberleben zwischen einer Bevacizumab-Monotherapie und Lomustin. Die Kombination aus Bevacizumab und Lomustin kann zwar das progressionsfreie Überleben verbessern, erhöht aber das Risiko für schwere Nebenwirkungen deutlich.
Die Evidenz deutet darauf hin, dass eine Re-Operation bei sorgfältig ausgewählten Personen einen Überlebensvorteil bieten kann. Dies gilt unabhängig davon, ob zusätzlich eine Re-Bestrahlung oder Chemotherapie erfolgt.
Regorafenib kann das Gesamtüberleben im Vergleich zu Lomustin möglicherweise verbessern, wobei die Evidenzsicherheit hierfür niedrig ist. Bezüglich schwerer unerwünschter Ereignisse zeigte Regorafenib im Review das zweitbeste Profil nach Lomustin.
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Quelle: Cochrane Review: Treatment options for progression or recurrence of glioblastoma: a network meta-analysis (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.