GKV-Versorgungsdaten: Zielpopulation bei COPD & Asthma
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht GA17-04 untersucht die Validität und Nutzbarkeit von BARMER-Versorgungsdaten zur Bestimmung der GKV-Zielpopulation in der frühen Nutzenbewertung (AMNOG). Pharmazeutische Unternehmer nutzen häufig Routinedatenanalysen, deren Methodik und Herleitung der Patientenzahlen oft intransparent sind.
Um belastbare Referenzzahlen zu generieren, analysierte das Institut pseudonymisierte Daten aus dem Wissenschafts-Data-Warehouse (WDWH) der BARMER. Die Auswertung umfasste die Jahre 2015 bis 2017 und basierte auf rund 8,6 Millionen durchgängig versicherten Personen.
Als Indikationen wurden die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), die pulmonale arterielle Hypertonie (PAH) und das Asthma bronchiale ausgewählt. Die ermittelten Prävalenzen wurden auf die Gesamtpopulation der gesetzlichen Krankenversicherung hochgerechnet und mit den Angaben aus bisherigen Dossiers verglichen.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende zentrale Erkenntnisse zur Nutzbarkeit von Routinedaten für epidemiologische Schätzungen:
Methodische Herausforderungen
Die Analyse zeigt, dass sich Routinedaten gut für chronische Erkrankungen mit regelmäßiger Inanspruchnahme medizinischer Leistungen eignen. Es wird jedoch betont, dass klinische Parameter wie Laborwerte (z. B. Eosinophilie) oder die Symptomkontrolle in Abrechnungsdaten fehlen.
Laut Bericht müssen diese fehlenden Informationen oft durch medikamentöse Verordnungen als Proxy operationalisiert werden. Dies führt zu methodischen Unschärfen bei der Bestimmung spezifischer Subpopulationen.
Ergebnisse zu COPD
Für die COPD ermittelte die Analyse eine deutlich niedrigere Prävalenz (4,13 % im Jahr 2017) als die in Dossiers häufig zitierte BOLD-Studie (13,2 %). Der Bericht stellt fest, dass in fast 60 % der abgerechneten Fälle kein spezifischer Schweregrad codiert war.
Zudem lag der Anteil der Erkrankten mit zwei oder mehr Exazerbationen bei den Schweregraden III und IV mit rund 20 bis 23 % deutlich unter den Werten aus Disease-Management-Programmen. Dies wird auf die unterschiedliche Erfassungsmethodik zurückgeführt.
Ergebnisse zu PAH und Asthma
Bei der pulmonalen arteriellen Hypertonie (PAH) stimmten die aus Routinedaten ermittelten Patientenzahlen gut mit den Obergrenzen der Dossierangaben überein. Für Asthma bronchiale ergab sich eine Prävalenz von 5,79 % (2017), was ebenfalls den Schätzungen in den Dossiers entsprach.
Die Identifikation spezifischer Subpopulationen erfolgte im Bericht über Verordnungsdaten:
-
Schweres Asthma wurde über die Verordnung von hoch dosierten inhalativen Kortikosteroiden plus langwirksamen Beta-2-Sympathomimetika definiert
-
Die IgE-vermittelte Asthma-Population wurde über die Verordnung von Omalizumab operationalisiert
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PAH-Patienten wurden über eine Kombination aus ICD-Codes und spezifischen PAH-Medikamenten identifiziert
Klassifikation der COPD-Schweregrade
Der Bericht nutzt die ICD-10-Codierung zur Einteilung der COPD-Schweregrade nach FEV1-Werten. Es wird folgende Gegenüberstellung der Grenzwerte in der Zielpopulation und im ICD-10 dokumentiert:
| Schweregrad | Zielpopulation (Sollwert) | ICD-10-Abgrenzung (Sollwert) |
|---|---|---|
| I | FEV1 >= 80 % | FEV1 >= 70 % |
| II | 50 % <= FEV1 < 80 % | 50 % <= FEV1 < 70 % |
| III | 30 % <= FEV1 < 50 % | 35 % <= FEV1 < 50 % |
| IV | FEV1 < 30 % | FEV1 < 35 % |
💡Praxis-Tipp
Bei der Interpretation von epidemiologischen Daten aus AMNOG-Dossiers ist zu berücksichtigen, dass Routinedatenanalysen klinische Parameter oft nur unzureichend abbilden. Der Bericht zeigt, dass insbesondere bei der COPD eine hohe Diskrepanz zwischen abgerechneten Diagnosen und klinischen Studien besteht, da im Praxisalltag häufig unspezifische Codes ohne Schweregradangabe verwendet werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht erfassen Routinedaten nur Personen, die ärztliche Leistungen tatsächlich in Anspruch nehmen. Zudem führen unspezifische Codierungen im Praxisalltag zu einer systematischen Unterschätzung spezifischer Schweregrade.
Der Bericht stellt fest, dass Laborwerte in administrativen Daten nicht enthalten sind. Solche klinischen Kriterien müssen über medikamentöse Verordnungen als Proxy operationalisiert werden, was mit methodischen Unsicherheiten verbunden ist.
Die Analyse zeigt, dass Routinedaten eine wertvolle Quelle zur Plausibilisierung von Patientenzahlen darstellen. Ihre Aussagekraft ist jedoch auf abrechnungsrelevante Leistungen beschränkt.
Da ICD-Codes keine Schweregrade abbilden, wurde schweres Asthma im Bericht über Medikationsdaten operationalisiert. Es wurden Fälle eingeschlossen, bei denen hoch dosierte inhalative Kortikosteroide in Kombination mit langwirksamen Beta-2-Sympathomimetika verordnet wurden.
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Quelle: IQWiG GA17-04: Nutzung von BARMER-Versorgungsdaten im Verfahren der Dossierbewertung des IQWiG (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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