Gicht: Diagnostik, Akuttherapie und Harnsäuresenkung
Hintergrund
Die vorliegende Zusammenfassung basiert auf der S3-Leitlinie der AWMF zur Diagnostik und Therapie der Gicht. Das primäre Therapieziel bei gesicherter Gicht ist es, akute Gichtanfälle zu verhindern, langfristige Gelenkschäden zu vermeiden und die Funktionalität zu erhalten.
Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der das Löslichkeitsprodukt von Harnsäure überschritten wird. Dies führt zur Ablagerung von Harnsäurekristallen in Gelenken und Geweben, was schmerzhafte Entzündungsreaktionen und langfristig tophöse Veränderungen auslösen kann.
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer an das individuelle kardiovaskuläre und renale Risikoprofil angepassten Therapie. Zudem wird ein elektronisch unterstützter Interaktions- und Dosierungscheck vor Therapiebeginn empfohlen (Empfehlungsgrad B).
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist das abrupte Absetzen einer bestehenden harnsäuresenkenden Therapie während eines akuten Gichtanfalls. Die Leitlinie betont, dass eine bereits begonnene Therapie nicht unterbrochen werden sollte, da Schwankungen des Serumharnsäurespiegels weitere Anfälle begünstigen können. Zudem wird empfohlen, bei Einleitung einer Harnsäuresenkung an eine medikamentöse Anfallsprophylaxe für 3 bis 6 Monate zu denken.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird unter einer harnsäuresenkenden Therapie ein Serumharnsäurewert von unter 6 mg/dl (< 360 µmol/l) angestrebt. Bei Patienten mit tophöser Gicht kann ein strengerer Zielwert von unter 5 mg/dl erwogen werden.
Die Leitlinie empfiehlt NSAR, Glukokortikoide oder niedrig-dosiertes Colchicin als gleichwertige Mittel der ersten Wahl. Die Auswahl sollte sich nach den individuellen Komorbiditäten und der Komedikation des Patienten richten.
Schleifen- und Thiazid-Diuretika erhöhen die Serumharnsäure und sollten laut Leitlinie nur unter strenger Indikationsstellung eingesetzt werden. Es wird empfohlen, nach Möglichkeit alternative Antihypertensiva wie Losartan zu verwenden, da dieses den Harnsäurespiegel leicht senken kann.
Eine Therapie mit Xanthinoxidase-Inhibitoren wird bei stark beeinträchtigenden Anfällen, mehr als einem Anfall pro Jahr oder bei Vorliegen von Tophi empfohlen. Der Beginn kann bereits innerhalb der ersten 14 Tage nach Beginn eines Gichtanfalls erfolgen.
Es wird ausdrücklich eine niedrig-dosierte Therapie empfohlen, um Toxizität zu vermeiden. Die Tageshöchstdosis sollte 2 mg nicht überschreiten, und pro Gichtanfall sollten maximal 6 mg verabreicht werden.
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Quelle: Diagnostik und Therapie der Gicht (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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