Flugzeugdesinsektion: Insektizid-Wirksamkeitsprüfung
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie (2012) formuliert standardisierte Verfahren zur Prüfung der Wirksamkeit von Insektiziden, die speziell für die Desinsektion von Flugzeugen entwickelt wurden. Ziel ist es, die Ausbreitung von Krankheitsüberträgern durch den internationalen Luftverkehr gemäß den Internationalen Gesundheitsvorschriften (IHR 2005) zu verhindern.
Der Fokus der Testprotokolle liegt primär auf Stechmücken der Gattungen Aedes, Anopheles und Culex. Die Methodik kann jedoch laut Leitlinie mit leichten Modifikationen auch für andere gesundheitsrelevante Schädlinge wie Schaben adaptiert werden.
Es wird betont, dass biologische Tests unter streng kontrollierten Bedingungen mit gut charakterisierten Insektenkolonien stattfinden müssen. Die Einhaltung der Guten Laborpraxis (GLP) oder vergleichbarer Qualitätsstandards wird für die Durchführung der Studien vorausgesetzt.
Empfehlungen
Die Leitlinie beschreibt detaillierte Protokolle für Labor- und Feldstudien zur Evaluierung von Flugzeuginsektiziden.
Laborstudien
Für die Laborprüfungen wird die Verwendung von mindestens drei Mückenarten (Aedes, Anopheles, Culex) mit bekanntem Alter und Suszeptibilität gefordert. Die Leitlinie definiert folgende Testbereiche:
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Bestimmung der intrinsischen insektiziden Aktivität mittels topischer Applikation zur Ermittlung der letalen Dosis (LD50 und LD90)
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Prüfung der Aerosol-Aktivität in einem standardisierten Windkanal zur Bestimmung der letalen Konzentration
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Untersuchung auf Kreuzresistenzen unter Verwendung gut charakterisierter suszeptibler und resistenter Stämme
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Evaluierung der biologischen Wirksamkeit formulierter Produkte in einer Peet-Grady-Kammer
Feldstudien in Flugzeugen
Produkte müssen laut Leitlinie unter realistischen Bedingungen in Passagierkabinen und Frachträumen getestet werden. Die Mindestmaße der Kabine sollen 30 mal 5 Meter betragen.
Es wird empfohlen, die Tests in Flugzeugen mit einem und zwei Gängen durchzuführen. Vor den Versuchen muss sichergestellt sein, dass in den letzten drei Monaten keine residualen Insektizide im Flugzeug angewendet wurden.
Prüfmethoden nach Anwendungsart
Die Leitlinie unterscheidet die Evaluierung anhand der geplanten Applikationsmethode:
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Bei Aerosolen mit Sofortwirkung (Pre-flight, Blocks-away, Top-of-descent) wird die Wirksamkeit über Käfig-Bioassays ermittelt
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Bei Produkten mit kombinierter Sofort- und begrenzter Langzeitwirkung erfolgt zusätzlich ein WHO-Kegel-Bioassay auf behandelten Oberflächen
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Bei Insektiziden für eine langfristige Residualwirkung werden WHO-Kegel-Bioassays in regelmäßigen Abständen bis zum Absinken der Mortalität unter 80 Prozent durchgeführt
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende aktuell von der WHO empfohlene Methoden und Dosierungen für die Flugzeugdesinsektion:
| Methode | Wirkstoff | Zieldosis | Anwendungszeitpunkt |
|---|---|---|---|
| Pre-flight | Permethrin 2% (cis:trans 25:75) | 0,7 g a.i./100 m³ | Vor dem Einsteigen der Passagiere |
| Blocks-away | D-Phenothrin 2% | 0,7 g a.i./100 m³ | Nach Schließen der Türen, vor Start |
| Top-of-descent | D-Phenothrin 2% | 0,7 g a.i./100 m³ | Zu Beginn des Sinkflugs |
| Residualbehandlung | Permethrin (cis:trans 25:75) EC | 0,2 g/m² | Regelmäßig (max. 2 Monate Intervall) |
Es wird darauf hingewiesen, dass bei der Residualbehandlung die Emulsion mit 10 ml/m² aufgetragen wird, um ein Herablaufen zu vermeiden.
Kontraindikationen
Die Leitlinie weist darauf hin, dass das Cockpit bei der Pre-flight-Behandlung nicht besprüht werden darf und die Zugangstür geschlossen bleiben muss. Bei der Blocks-away-Methode wird das Cockpit vor dem Einsteigen der Piloten behandelt. Zudem wird gewarnt, dass in elektrisch sensiblen Bereichen anstelle eines Kompressionssprühgeräts zwingend ein Aerosol verwendet werden muss.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass bei der Prüfung von Residualinsektiziden in Flugzeugen jegliche Interferenz mit den behandelten Oberflächen, wie etwa durch routinemäßige Reinigung, vermieden werden muss. Es wird daher empfohlen, für diese Langzeittests ausschließlich Flugzeuge zu verwenden, die vorübergehend außer Dienst gestellt sind. Dies verhindert eine Verfälschung der biologischen Assays durch mechanisch abgetragenes Insektizid.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie müssen Tests mit mindestens einer Aedes-Art, einer Anopheles-Art und einer Culex-Art durchgeführt werden. Die Mücken müssen ein bekanntes Alter aufweisen und suszeptibel gegenüber Insektiziden sein.
Die Leitlinie fordert für die Tests in Flugzeugen minimale interne Kabinenabmessungen von 30 mal 5 Metern. Zudem sollen sowohl Flugzeuge mit einem als auch mit zwei Gängen in die Versuche einbezogen werden.
Die Residualwirkung wird gemäß Leitlinie mittels WHO-Kegel-Bioassays (WHO cones) auf repräsentativen Oberflächen in der Kabine und im Frachtraum überprüft. Die Tests werden wöchentlich wiederholt, bis die 24-Stunden-Mortalität der Mücken unter 80 Prozent fällt.
Die Peet-Grady-Kammer ist ein standardisierter Testraum mit einem Volumen von etwa 5,8 Kubikmetern, der in der Leitlinie zur Prüfung der biologischen Wirksamkeit von Aerosolen beschrieben wird. Darin wird die Knock-down-Rate und Mortalität von frei fliegenden Mücken nach einer Insektizidgabe gemessen.
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Quelle: Guidelines for testing the efficacy of insecticide products used in aircraft (WHO, 2012). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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