Testikuläres Seminom: ESMO Leitlinie 2022
📋Auf einen Blick
- •Seminome sind seltene solide Tumoren, die vorwiegend bei jungen Männern auftreten.
- •Bei nicht-metastasierten Tumorstadien ist die **aktive Überwachung** der primäre Ansatz, um Überbehandlung zu vermeiden.
- •Die Strahlentherapie ist eine Option bei wenigen Metastasen, wird aber aufgrund des erhöhten Risikos für Sekundärmalignome **vorsichtig empfohlen**.
- •Eine primäre **nervenschonende retroperitoneale Lymphknotendissektion** wird bei geringer Metastasierung angewendet.
Hintergrund
Seminome sind seltene solide Tumoren, die vorwiegend bei jungen Männern auftreten. Sie sind etwas häufiger als nicht-seminomatöse Keimzelltumoren des Hodens.
Behandlung von Seminom-Stadien
Aktive Überwachung
Bei nicht-metastasierten Tumorstadien ist die aktive Überwachung der primäre Ansatz. Dies dient dazu, eine Überbehandlung der Patienten zu vermeiden.
Strahlentherapie
Seminome zeichnen sich durch ihre Strahlenempfindlichkeit aus. Dies macht die Strahlentherapie zu einer möglichen Option in Tumorstadien mit wenigen Metastasen. Die Leitlinienempfehlung ist jedoch aufgrund des erhöhten Risikos für Sekundärmalignome vorsichtig.
Retroperitoneale Lymphknotendissektion (RPLND)
Bei einer geringen Metastasierung wird eine primäre nervenschonende retroperitoneale Lymphknotendissektion durchgeführt.
Internationale Leitlinienperspektive
Das Konzept der aktiven Überwachung und der nervenschonenden retroperitonealen Lymphknotendissektion ist bereits in den Leitlinien der American Urological Association (AUA) und des National Comprehensive Cancer Network (NCCN) implementiert. In den Leitlinien der European Association of Urology (EAU) wird dieser Ansatz hingegen noch als individuelles Vorgehen betrachtet.
💡Praxis-Tipp
Erwägen Sie bei nicht-metastasierten Seminom-Stadien primär die aktive Überwachung, um eine Überbehandlung zu vermeiden.