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Paediatric Life Support (PLS): Leitlinie (ERC 2021)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf European Resuscitation Council (ERC) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die PLS-Leitlinien gelten für alle Kinder von 0 bis 18 Jahren (ausgenommen Neugeborene bei der Geburt).
  • Die kardiopulmonale Reanimation (CPR) erfolgt im Verhältnis 15:2, beginnend mit 5 initialen Beatmungen.
  • Die Sauerstoffsättigung (SpO2) sollte zielgerichtet auf 94-98 % titriert werden.
  • Bei Kreislaufversagen werden Flüssigkeitsboli von 10 ml/kg verabreicht und nach jedem Bolus reevaluiert.
  • Die Defibrillationsenergie bei schockbaren Rhythmen beträgt standardmäßig 4 J/kg.
  • Die Beutel-Masken-Beatmung (BMV) ist die empfohlene First-Line-Methode zur Beatmung während der CPR.
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Hintergrund

Die Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) 2021 zum Paediatric Life Support (PLS) umfassen die Versorgung kritisch kranker Säuglinge und Kinder vor, während und nach einem Herzstillstand. Sie gelten für alle Kinder im Alter von 0 bis 18 Jahren, mit Ausnahme der Erstversorgung von Neugeborenen direkt nach der Geburt. Kinder, die wie Erwachsene aussehen, können nach den Erwachsenen-Richtlinien behandelt werden.

ABCDE-Assessment und Normalwerte

Die Beurteilung eines kritisch kranken Kindes erfolgt systematisch nach dem ABCDE-Schema. Die Vitalparameter müssen altersentsprechend bewertet werden. Trends sind dabei aussagekräftiger als Einzelmessungen.

AlterAtemfrequenz (min)Herzfrequenz (min)Systolischer Blutdruck (p50)
1 Monat25-60110-18075 mmHg
1 Jahr20-50100-17095 mmHg
2 Jahre18-4090-160100 mmHg
5 Jahre17-3070-140100 mmHg
10 Jahre14-2560-120110 mmHg

Paediatric Basic Life Support (PBLS)

Jeder in PBLS geschulte Helfer sollte den spezifischen pädiatrischen Algorithmus anwenden:

  • Initiale Beatmung: 5 initiale Beatmungen durchführen.
  • Herzdruckmassage: Verhältnis 15:2 (Kompressionen zu Beatmungen). Frequenz: 100-120/min.
  • Drucktiefe: Mindestens ein Drittel des anterior-posterioren Brustkorbdurchmessers (max. 6 cm).
  • Technik: Bei Säuglingen wird für Einzelhelfer die Zwei-Daumen-Technik (Thoraxumfassung) empfohlen.

Paediatric Advanced Life Support (PALS)

Das Atemwegsmanagement und die medikamentöse Therapie erfordern ein koordiniertes Team-Vorgehen. Die Beutel-Masken-Beatmung (BMV) ist die empfohlene First-Line-Methode. Eine endotracheale Intubation sollte nur von kompetenten Anwendern durchgeführt werden.

Maßnahme/MedikamentDosis/EinstellungIndikation/Bemerkung
Defibrillation4 J/kgBei VF/pVT. Max. 8 J/kg bei refraktärem Kammerflimmern.
Adrenalin10 mcg/kg (max. 1 mg)Asystolie/PEA (sofort), VF/pVT (nach 3. Schock). Alle 3-5 Min.
Amiodaron5 mg/kg (max. 300 mg)VF/pVT nach dem 3. Schock. 2. Dosis (max. 150 mg) nach dem 5. Schock.
Beatmung (intubiert)Altersabhängig (10-25/min)Asynchrone Beatmung ohne Unterbrechung der Thoraxkompressionen.

Spezifische Notfälle und Therapie

Kreislaufversagen (Schock)

  • Flüssigkeitstherapie: Boli von 10 ml/kg balancierter Vollelektrolytlösung. Nach jedem Bolus reevaluieren, um eine Volumenüberladung zu vermeiden.
  • Hämorrhagischer Schock: Kristalloid-Boli minimieren (max. 20 ml/kg). Frühzeitig Blutprodukte und Tranexamsäure (15-20 mg/kg) verabreichen.
  • Vasoaktiva: Frühzeitiger Beginn mit Adrenalin oder Noradrenalin als kontinuierliche Infusion.

Anaphylaxie

  • Adrenalin i.m.: Sofortige intramuskuläre Gabe von 0,01 mg/kg (anterolateraler Oberschenkel). Bei fehlender Besserung nach 5-10 Minuten wiederholen.

Status Asthmaticus

  • Sauerstoff: Titration auf SpO2 94-98 %.
  • Medikamente: Inhalative kurzwirksame Beta-2-Mimetika (SABA), systemische Kortikosteroide (z.B. Prednisolon 1-2 mg/kg) innerhalb der ersten Stunde.
  • Reserve: Magnesiumsulfat i.v. (50 mg/kg über 20 Min, max. 2 g).

Status Epilepticus

StufeZeitfensterTherapieBemerkung
1> 5 Min.Midazolam, Lorazepam oder DiazepamDosis abhängig vom Applikationsweg.
2> 20 Min.Levetiracetam, Phenytoin oder ValproinsäureValproat meiden bei V.a. Leberversagen/Stoffwechselerkrankung.
3> 40 Min.Narkotika (Midazolam, Ketamin, Propofol)Kontinuierliches EEG-Monitoring empfohlen.

Hypoglykämie

  • Ziel: Blutzucker > 100 mg/dl (5,6 mmol/l).
  • Therapie: i.v. Glukose 0,3 g/kg als Bolus (z.B. 3 ml/kg 10%ige Glukose). Alternativ Glukagon i.m./s.c.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei der Reanimation von Kindern primär die Beutel-Masken-Beatmung (BMV) im 2-Helfer-Verfahren. Eine endotracheale Intubation sollte nur von sehr erfahrenen Anwendern durchgeführt werden, da Fehlplatzierungen häufig sind. Nutzen Sie bei intubierten Patienten immer die Kapnografie zur Lagekontrolle.

Häufig gestellte Fragen

Bei professionellen Helfern beträgt das Verhältnis 15:2, nachdem initial 5 Beatmungen durchgeführt wurden.
Es werden Boli von 10 ml/kg balancierter Vollelektrolytlösung empfohlen. Nach jedem Bolus muss das Kind reevaluiert werden, um eine Volumenüberladung zu vermeiden.
Die Standarddosis für die Defibrillation beträgt 4 J/kg Körpergewicht. Bei refraktärem Kammerflimmern kann die Dosis auf bis zu 8 J/kg gesteigert werden.
Mindestens ein Drittel des anterior-posterioren Durchmessers des Brustkorbs, jedoch maximal 6 cm (das Erwachsenen-Limit).
Sobald eine Pulsoxymetrie verfügbar ist, sollte der Sauerstoff zielgerichtet auf eine SpO2 von 94-98 % titriert werden, um Hyperoxie zu vermeiden.

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