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Onkopedia/DGHOOnkologie

Akute Graft-versus-Host-Erkrankung (aGvHD): Onkopedia

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia/DGHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die aGvHD tritt bei 30-60% der Patienten nach allogener Stammzelltransplantation auf und betrifft primär Darm, Haut und Leber.
  • Die Standardprophylaxe besteht aus einem Calcineurin-Inhibitor (CyA oder Tacrolimus) in Kombination mit MTX oder MMF.
  • Ab einem klinischen Schweregrad II ist eine systemische Erstlinientherapie mit Prednisolon (2 mg/kg/Tag) indiziert.
  • Bei Steroid-Refraktärität ist Ruxolitinib (2 x 10 mg/Tag) die empfohlene Zweitlinientherapie.
  • Die Diagnose sollte nach Möglichkeit histologisch gesichert werden, um Differenzialdiagnosen wie Infektionen oder Medikamententoxizität auszuschließen.
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Hintergrund

Die akute Graft-versus-Host-Erkrankung (aGvHD) ist eine systemische, entzündliche Erkrankung, die nach allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation (HSZT) auftritt. Sie entsteht, wenn Spender-T-Zellen das Gewebe des Empfängers als fremd erkennen und schädigen. Die aGvHD betrifft 30-60 % der Patienten und trägt zu 15-30 % der Todesfälle bei.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:

  • HLA-Mismatch zwischen Spender und Empfänger
  • Geschlechts-Mismatch (weibliche Spenderin für männlichen Empfänger)
  • Stammzellquelle (Blutstammzellen > Knochenmark > Nabelschnurblut)
  • Zunehmendes Alter von Spender und Empfänger
  • Reduzierte immunsuppressive Prophylaxe

Klinisches Bild und Diagnostik

Die aGvHD manifestiert sich vornehmlich an drei Organsystemen. Eine histologische Sicherung wird zur Abgrenzung von Differenzialdiagnosen (z.B. Infektionen, Medikamententoxizität) empfohlen.

1. Darm-aGvHD

Typisch sind profuse wässrige Diarrhöen, abdominelle Krämpfe und Gewichtsverlust. Bei Befall des oberen Gastrointestinaltrakts stehen Anorexie und Dyspepsie im Vordergrund.

Histologischer GradBeschreibung (Darm)
IEinzelzellnekrosen/Apoptosen des Kryptenepithels
IIGrad I mit Nekrose und Untergang vollständiger Einzelkrypten
IIIGrad II mit Verlust zusammenhängender Krypten, fokale Mukosadefekte
IVDiffuse mikroskopische Mukosadefekte bis zum Epithelverlust

2. Haut-aGvHD

Das Leitsymptom ist ein makulopapulöses Exanthem (oft mit Juckreiz), das an lichtexponierten Stellen (Dekolleté, Nacken, Gesicht) beginnen kann.

Histologischer GradBeschreibung (Haut)
IVakuoläre Degeneration der basalen Keratinozyten
IIVakuoläre Degeneration mit Spongiose und Dyskeratose (Civatte bodies)
IIIGrad II und zusätzlich Epidermolyse mit Blasenbildung
IVVollständiger Untergang des Epithels

3. Leber-aGvHD

Klinisch zeigt sich ein Ikterus durch Bilirubinanstieg. Eine Biopsie ist nur bei isolierter Leberwerterhöhung oder fehlendem Ansprechen auf die Initialtherapie erforderlich.

Klassifikation

Die Schwere der aGvHD wird organbezogen in Stadien (0-4) eingeteilt. Daraus ergibt sich der Gesamtschweregrad (0-IV). Die Einteilung erfolgt häufig nach Harris oder Glucksberg.

OrganStadium 1Stadium 2Stadium 3Stadium 4
HautExanthem <25% KOExanthem 25-50% KOGeneralisiertes ExanthemBlasenbildung/Desquamation >5% KO
DarmDiarrhö 500-1000 ml/TagDiarrhö 1000-1500 ml/TagDiarrhö >1500 ml/Tag"Akuter Bauch", blutige Diarrhö
LeberBilirubin 2-3 mg/dlBilirubin 3-6 mg/dlBilirubin 6-15 mg/dlBilirubin >15 mg/dl

Prophylaxe

Die Wahl der Prophylaxe richtet sich nach dem individuellen Risiko (HLA-Kompatibilität, Alter, Remissionsstatus).

  • Standardprophylaxe: Calcineurin-Inhibitor (Cyclosporin A oder Tacrolimus) kombiniert mit Methotrexat (MTX) oder Mycophenolatmofetil (MMF).
  • Fremdspender/Mismatch: Zusätzlicher Einsatz von Antithymozytenglobulin (ATG) oder Cyclophosphamid nach Transplantation (PTCY).
MedikamentDosierung/ZielspiegelBemerkung
Cyclosporin A (CyA)Zielspiegel >250 ng/ml (Tag 0)Interagiert mit Cytochrom P-450 (CYP3A4)
TacrolimusZielspiegel 5-12 ng/mlAlternative zu CyA, ähnliches Toxizitätsprofil
ATG-Fresenius3 x 20 mg/kg (Fremdspender)Gabe vor Transplantation (Tag -3 bis -1)
Cyclophosphamid50 mg/kg/Tag (Tag 3 und 4)Post-Transplant (PTCY) bei Haplo/Mismatch

Therapie

Die Therapie richtet sich nach dem klinischen Gesamtschweregrad. Ab Schweregrad II ist eine systemische Immunsuppression indiziert.

Erstlinientherapie

  • Prednisolon: 2 mg/kg/Tag i.v. (bei isolierter Haut-GvHD Grad 2 reicht 1 mg/kg/Tag).
  • Calcineurin-Inhibitoren: CyA-Spiegel im Bereich >200 ng/ml halten.
  • Supportiv: Flüssigkeitssubstitution, parenterale Ernährung, antimykotische Prophylaxe (z.B. Posaconazol).

Bei Ansprechen innerhalb von 4 Tagen wird das Steroid bis Tag +7 fortgeführt, danach erfolgt eine Dosisreduktion (Tapering) um 20 % alle 5 Tage.

Zweit- und Drittlinientherapie

Bei fehlendem Ansprechen (Progression nach 3 Tagen, keine Veränderung nach 7 Tagen oder kein Abklingen nach 14 Tagen) liegt eine Steroid-refraktäre aGvHD vor. Eine Dosiseskalation des Steroids über 2 mg/kg wird nicht empfohlen.

StufeTherapieDosierungEvidenz
2. LinieRuxolitinib2 x 10 mg täglich p.o.Standard bei Steroid-Refraktärität (Level IB)
2. LinieExtrakorporale Photopherese (ECP)Initial 3x/WocheBei Kontraindikation gegen Ruxolitinib
3. LinieMycophenolatmofetil (MMF)2 x 1g/Tag i.v.Salvage-Therapie
3. LinieInfliximab (anti-TNFα)3 mg/kg i.v.Salvage-Therapie

💡Praxis-Tipp

Untersuchen Sie bei Verdacht auf eine Darm-aGvHD im Rahmen der Koloskopie unbedingt das terminale Ileum, da hier Manifestationen gehäuft auftreten. Eskalieren Sie Steroide bei fehlendem Ansprechen nicht über 2 mg/kg KG, sondern leiten Sie zügig eine Zweitlinientherapie (z.B. Ruxolitinib) ein.

Häufig gestellte Fragen

Die klassische akute GvHD ist definiert als Manifestation innerhalb der ersten 100 Tage nach der Stammzelltransplantation.
Die akute GvHD manifestiert sich vornehmlich an Haut, Darm und Leber.
Ab Schweregrad II erfolgt die Erstlinientherapie mit Prednisolon 2 mg/kg/Tag i.v. Bei isolierter Haut-GvHD Grad 2 ist 1 mg/kg/Tag ausreichend.
Die empfohlene Zweitlinientherapie bei fehlendem Ansprechen auf Steroide ist der JAK-Inhibitor Ruxolitinib (2 x 10 mg täglich p.o.).
Posaconazol wird empfohlen, da es im Vergleich zu Fluconazol eine geringere Rate an invasiven Aspergillosen und eine niedrigere pilzbedingte Mortalität zeigt.

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