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Virusinfektionen nach Transplantation: AWMF-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Vor SOT und allo-SZT wird ein serologisches Screening (IgG) auf HSV, VZV, CMV und EBV empfohlen.
  • Ein routinemäßiges virologisches Monitoring auf HSV nach Transplantation wird nicht empfohlen.
  • Bei allo-SZT erhalten HSV-seropositive Empfänger standardmäßig eine antivirale Prophylaxe mit Aciclovir bis Tag 100.
  • Die Diagnostik akuter HSV-Infektionen erfolgt über den direkten Virusnachweis (PCR/NAT), Serologien sind post-transplant wenig aussagekräftig.
  • Bei Therapieversagen nach 10 Tagen Aciclovir-Gabe sollte eine Resistenztestung erfolgen und auf Foscarnet umgestellt werden.
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Hintergrund

Patienten nach solider Organtransplantation (SOT) und allogener Stammzelltransplantation (allo-SZT) sind durch die therapiebedingte Immunsuppression stark durch Virusinfektionen gefährdet. Ohne Prophylaxe treten HSV-Infektionen bei bis zu 80 % der allo-SZT-Patienten auf, meist in der frühen Aplasiephase. Nach SOT kommt es in den ersten 30 Tagen bei 40 bis 50 % zu Reaktivierungen. Die vorliegende Leitlinie definiert Standards für Diagnostik, Prophylaxe und Therapie.

Serologisches Screening vor Transplantation

Vor der Transplantation soll der Serostatus erhoben werden, um das Risiko zu stratifizieren. IgM-Nachweise spielen vor Transplantation keine Rolle und werden nicht empfohlen.

VirusSpender (SOT/allo-SZT)Empfänger SOTEmpfänger allo-SZT
HSV-IgGnicht empfohlen (↓)empfohlen (↑)stark empfohlen (↑↑)
VZV-IgGnicht empfohlen (↓)empfohlen (↑)stark empfohlen (↑↑)
CMV-IgGstark empfohlen (↑↑)empfohlen (↑)stark empfohlen (↑↑)
EBV-VCA-IgGstark empfohlen (↑↑)stark empfohlen (↑↑)stark empfohlen (↑↑)

Virologisches Monitoring

Ein routinemäßiges virologisches Monitoring nach Transplantation wird für HSV nicht empfohlen (↓). Bei anderen Viren (z. B. CMV, EBV, AdV, BKPyV) erfolgt ein risikoadaptiertes Monitoring mittels quantitativer PCR (qNAT).

Antivirale Prophylaxe (Fokus HSV)

Die Indikation zur Prophylaxe unterscheidet sich je nach Transplantationsart deutlich:

TransplantationsartEmpfehlungMedikament & Dosierung (Erwachsene)
SOTNicht routinemäßig empfohlen (↓)Nur in Ausnahmefällen bei häufigen/schweren Reaktivierungen.
allo-SZTStark empfohlen (↑↑) für HSV-seropositive EmpfängerAciclovir p.o. 2x 800 mg/d oder i.v. 2x 5 mg/kg/d. Dauer: Bis Tag 100, bei Risiko länger.

Diagnostik bei Symptomatik

Bei klinischem Verdacht auf eine akute HSV-Infektion ist der direkte Virusnachweis mittels PCR (NAT) der Goldstandard. Serologische Untersuchungen sind unter Immunsuppression nicht aussagekräftig und sollten nicht angefordert werden.

MaterialIndikation
Bläscheninhalt / AbstrichMukokutane Läsionen, Herpes labialis/genitalis
LiquorVerdacht auf Meningoenzephalitis
BAL / TrachealsekretVerdacht auf Pneumonitis / Tracheobronchitis
EDTA-Blut / PlasmaVerdacht auf disseminierte Infektion
GewebebiopsieVerdacht auf gewebsinvasive Erkrankung (z. B. Hepatitis)

Therapie der HSV-Infektion

Die Therapie richtet sich nach der Schwere der Infektion. Wenn möglich, sollte die Immunsuppression reduziert werden.

Schweregrad1. WahlAlternativen
Lokalisierte InfektionAciclovir i.v. (3x 5 mg/kg/d) oder p.o. (5x 400 mg/d) für 7 TageValaciclovir p.o., Famciclovir p.o.
Disseminierte / schwere InfektionAciclovir i.v. (3x 10-15 mg/kg/d) für 14-21 TageUmstellung auf p.o. erst bei klinischer Stabilität
Aciclovir-ResistenzFoscarnet (FOS) i.v. (3x 40 mg/kg/d oder 2x 60 mg/kg/d)Cidofovir (CDV) i.v. (Off-label)

Virusresistenz

Bei fehlender klinischer Besserung innerhalb von 10 Tagen unter antiviraler Therapie besteht der Verdacht auf eine Resistenz (↑).

  • Es soll eine genotypische oder phänotypische Resistenztestung erfolgen.
  • Bei schwerwiegenden Erkrankungen sollte das Ergebnis der Testung nicht abgewartet, sondern direkt auf Foscarnet umgestellt werden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei immunsupprimierten Patienten nach Transplantation auf die HSV-Serologie zur Akutdiagnostik. Nutzen Sie stattdessen immer den direkten Virusnachweis (PCR) aus dem Läsionsabstrich, Liquor oder Blut.

Häufig gestellte Fragen

Ein serologisches Screening (HSV-IgG) wird vor der Transplantation empfohlen. Ein routinemäßiges virologisches Monitoring nach der Transplantation wird hingegen nicht empfohlen.
HSV-seropositive Empfänger erhalten standardmäßig eine Prophylaxe mit Aciclovir (z.B. 2x 800 mg/d p.o. bei Erwachsenen) bis Tag 100 nach der Transplantation.
Wenn sich die klinische Symptomatik unter adäquater antiviraler Therapie nach 10 Tagen nicht bessert.
Foscarnet (FOS) intravenös ist das Mittel der ersten Wahl bei nachgewiesener oder hochgradig verdächtiger Aciclovir-Resistenz.

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