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Onkopedia/DGHOOnkologie

BPDCN: Leitlinie zur Diagnostik und Therapie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia/DGHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die BPDCN ist eine sehr seltene, aggressive hämatologische Neoplasie, die von Vorläufern plasmazytoider dendritischer Zellen (pDC) ausgeht.
  • Die Erstmanifestation erfolgt in 86-94 % der Fälle kutan (oft kontusiforme Läsionen), es liegt jedoch meist bereits eine Systemerkrankung vor.
  • Die Diagnose wird durch den charakteristischen Immunphänotyp (CD123+, CD4+, CD56+) bei Abwesenheit linienspezifischer Marker gesichert.
  • Eine kurative Behandlung erfordert eine intensive Induktionstherapie gefolgt von einer allogenen Stammzelltransplantation (alloSZT).
  • Für die Erstlinientherapie ist das zielgerichtete CD123-Fusionsprotein Tagraxofusp zugelassen.
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Hintergrund

Die blastische plasmazytoide dendritische Zellneoplasie (BPDCN) ist eine sehr seltene und meist aggressiv verlaufende hämatologische Systemerkrankung. Sie geht von Vorläufern plasmazytoider dendritischer Zellen (pDC) aus und weist sowohl myeloische als auch lymphatische Prägungen auf.

Die Inzidenz liegt bei etwa 0,04 / 100.000 / Jahr. Die Erkrankung betrifft überwiegend ältere Erwachsene (medianes Alter ca. 64 Jahre) mit einer deutlichen männlichen Dominanz (Geschlechterverhältnis 3-4:1). Ein zweiter, kleinerer Altersgipfel findet sich bei Patienten unter 20 Jahren. In 20-40 % der Fälle ist die BPDCN mit myeloischen Neoplasien (MDS, CMML, AML) assoziiert.

Klinisches Bild

Obwohl es sich um eine Systemerkrankung handelt, manifestiert sich die BPDCN bei 86-94 % der Patient*innen primär an der Haut.

  • Kutane Manifestation: Asymptomatische, rasch progrediente Läsionen. Häufig zeigen sich rötlich-violette, kontusiforme (Hämatom-artige) Makulae, Plaques oder Knoten.
  • Systemische Ausbreitung: Nach im Median 2,5 Monaten kommt es zu extrakutanen Manifestationen. Bei Erstdiagnose sind meist bereits Knochenmark (49-68 %), Lymphknoten (27-56 %), Milz (17-44 %) oder das periphere Blut (17-28 %) befallen.
  • ZNS-Befall: Bei Erstdiagnose in 4-9 % der Fälle, im Rezidiv bei bis zu 30 %.

Diagnostik

Aufgrund der Seltenheit kommt es oft zu diagnostischen Verzögerungen. Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit (Hämatologie, Dermatologie, Pathologie) ist essenziell.

UntersuchungZiel / Maßnahme
HautbiopsieHistologie, Immunhistochemie
KnochenmarkAspiration (Zytologie, Immunphänotypisierung) und Biopsie (Histologie)
BildgebungCT Hals/Thorax/Abdomen/Becken (Lymphomstaging)
LiquorpunktionZellzahl, Differenzierung (ZNS-Ausschluss)
BlutDifferenzialblutbild, ggf. Immunphänotypisierung

Diagnosekriterien und Immunphänotyp

Wegweisend für die Diagnose ist der charakteristische Immunphänotyp der Tumorzellen. Es müssen mindestens vier der folgenden fünf Marker exprimiert sein, wobei CD123 immer im Panel enthalten sein sollte. Gleichzeitig müssen linienspezifische Marker (pan-T, pan-B, myeloisch) negativ sein.

MarkerExpression bei BPDCNBemerkung
CD123Positiv (≈95%)Obligat
CD4Positiv (≈95%)
CD56Positiv (≈95%)
TCL1Positiv (≈90%)
BDCA2Positiv (≈90%)
Linien-MarkerNegativKeine Expression von CD3, CD79a, Myeloperoxidase, Lysozym etc.

Therapie

Unbehandelt führt die BPDCN rasch zum Tod (mediane Überlebenszeit historisch 8-12 Monate, aktuell 16-24 Monate). Die Therapieentscheidung richtet sich nach Alter, Allgemeinzustand (ECOG) und Transplantationsfähigkeit.

StufeTherapieBemerkung
Fit für IntensivtherapiePolychemotherapie analog ALL/LBL- oder AML-ProtokollenZiel: Komplette Remission (CR). ALL-Regime zeigen tendenziell höhere CR-Raten.
Konsolidierung (Fit)Allogene Stammzelltransplantation (alloSZT)Einzige potenziell kurative Option. Myeloablative Konditionierung wird empfohlen.
Nicht fit für IntensivtherapieCHOP, Tagraxofusp oder MonosubstanzenPalliative Intention. Tagraxofusp (CD123-Fusionsprotein) ist für die Erstlinie zugelassen.
Isoliert kutaner BefallStrahlentherapieOption bei reduziertem Allgemeinzustand oder Ablehnung systemischer Therapie.
RezidivTagraxofusp, Venetoclax, Azacitidin, StudienSehr schlechte Prognose. Reinduktion je nach Vortherapie.

Remissionskriterien

Es existieren keine international einheitlichen Kriterien, empfohlen wird eine Kombination aus hämatologischen und dermatologischen Scores (mSWAT).

StatusKnochenmarkHaut (mSWAT)Peripheres Blut
CR (Komplette Remission)Blasten ≤5%Komplette NormalisierungNeutrophile ≥1.000/µl, Thrombozyten ≥100.000/µl, keine Blasten
CRi (CR mit inkompletter Erholung)Blasten ≤5%Komplette NormalisierungInkomplette Erholung der Zellreihen, keine Blasten
PR (Partielle Remission)Blasten 5-25%50 - <100% NormalisierungNeutrophile ≥1.000/µl, Thrombozyten ≥100.000/µl

Nachsorge

Aufgrund der hohen Rezidivwahrscheinlichkeit und der Assoziation mit myeloischen Neoplasien sind engmaschige Kontrollen erforderlich. In den ersten drei Monaten vierwöchentlich, danach dreimonatlich (Anamnese, Hautinspektion, Differenzialblutbild).

💡Praxis-Tipp

Denken Sie bei älteren Patienten mit rasch progredienten, bläulich-lividen (hämatomartigen) Hautläsionen an eine BPDCN und fordern Sie in der Hautbiopsie explizit die immunhistochemische Färbung auf CD123 an.

Häufig gestellte Fragen

In fast 90 % der Fälle manifestiert sich die Erkrankung zuerst an der Haut durch asymptomatische, rötlich-violette, kontusiforme (hämatomartige) Knoten oder Makulae.
Die Diagnose erfordert die Expression von CD123, CD4 und CD56 (sowie oft TCL1 und BDCA2) bei gleichzeitigem Fehlen von T-Zell-, B-Zell- und myeloischen Markern.
Eine langfristige Heilung ist nach aktuellem Stand fast ausschließlich durch eine intensive Induktionschemotherapie mit anschließender allogener Stammzelltransplantation (alloSZT) in der ersten kompletten Remission möglich.
Tagraxofusp, ein gegen CD123 gerichtetes Fusionsprotein mit einem Diphtherietoxin, ist in der EU für die Erstlinientherapie der BPDCN zugelassen.
Die Prognose ist ernst. Ohne allogene Stammzelltransplantation liegt das mediane Gesamtüberleben bei nur 16 bis 24 Monaten.

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