Midostaurin bei Mastozytose: IQWiG-Nutzenbewertung
Hintergrund
Die IQWiG-Dossierbewertung A23-111 untersucht den Zusatznutzen von Midostaurin. Der Wirkstoff wird als Monotherapie bei erwachsenen Personen mit aggressiver systemischer Mastozytose (ASM), systemischer Mastozytose mit assoziierter hämatologischer Neoplasie (SM-AHN) oder Mastzellleukämie (MCL) eingesetzt.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beauftragte die Bewertung, da der Umsatz des Orphan-Drugs die gesetzliche Schwelle von 30 Millionen Euro überschritten hat. Beim Marktzugang 2017 galt der Zusatznutzen aufgrund der Sondersituation für Orphan-Drugs noch unabhängig von der Datenlage als belegt.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde eine patientenindividuelle Therapie festgelegt. Diese umfasst die Auswahl aus Avapritinib, Cladribin und Imatinib unter Berücksichtigung von Vortherapie, Allgemeinzustand und KIT-Mutationsstatus.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende Ergebnisse zur Evidenzlage und zum Zusatznutzen:
Vorgelegte Evidenz
Laut Bewertung legte der pharmazeutische Unternehmer keine randomisierten kontrollierten Studien (RCT) für einen direkten Vergleich vor. Stattdessen basierte das Dossier auf folgenden Daten:
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Zwei einarmige Phase-II-Studien (D2201 und A2213)
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Einer nicht randomisierten, retrospektiven Registerstudie (Lübke 2022)
Bewertung der Studienqualität
Die Dossierbewertung stuft die vorgelegten Studien als nicht geeignet ein, um einen Zusatznutzen abzuleiten. Die einarmigen Studien lassen keinen Vergleich mit der zweckmäßigen Vergleichstherapie zu.
Bei der Registerstudie wurde ausschließlich Cladribin als Vergleich herangezogen, was nicht der geforderten patientenindividuellen Therapieauswahl entspricht. Zudem ist laut Bericht unklar, ob eine adäquate Methodik zur Herstellung einer Strukturgleichheit (Propensity-Score-Matching) angewendet wurde.
Fazit zum Zusatznutzen
Aufgrund der ungeeigneten Datenlage kommt das Institut zu einem klaren Ergebnis. Für erwachsene Personen mit ASM, SM-AHN oder MCL ergibt sich im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie kein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen.
Der Zusatznutzen von Midostaurin in diesem Anwendungsgebiet ist demnach nicht belegt. Die finale Beschlussfassung obliegt dem G-BA.
Dosierung
Die Dokumentation nennt folgende Dosierungen, die in den bewerteten Studien und der Fachinformation verwendet wurden:
| Wirkstoff | Dosierung | Einnahmehinweise |
|---|---|---|
| Midostaurin | 100 mg 2-mal täglich | Im Abstand von ca. 12 Stunden, zusammen mit Nahrung, Kapseln im Ganzen schlucken |
| Cladribin (Vergleichstherapie) | 0,14 mg/kg/Tag | An Tag 1 bis 5 eines 28-tägigen Zyklus (subkutan oder intravenös) |
Laut Fachinformation sollte die Therapie von einer in der Krebstherapie erfahrenen ärztlichen Person eingeleitet werden. Es wird eine prophylaktische Gabe von Antiemetika in Übereinstimmung mit der nationalen Praxis empfohlen.
Kontraindikationen
Der Bericht verweist auf folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen gemäß Fachinformation:
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Neutropenie und Infektionen
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Kardiale Dysfunktion und Lungentoxizität
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Schwere Nierenfunktionsstörung
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Schwindelgefühl und Vertigo (Einfluss auf Verkehrstüchtigkeit)
Zudem wird die Anwendung während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter ohne Verhütung nicht empfohlen. Während der Behandlung und für mindestens vier Monate danach sollte nicht gestillt werden.
💡Praxis-Tipp
Bei der Interpretation der aktuellen Nutzenbewertung ist zu berücksichtigen, dass der Zusatznutzen von Midostaurin im Jahr 2017 aufgrund des Orphan-Drug-Status formal als belegt galt. Da die Umsatzgrenze überschritten wurde, war nun eine reguläre Bewertung erforderlich, bei der die Evidenz aufgrund methodischer Mängel (fehlender direkter Vergleich, unzureichendes Propensity-Score-Matching) als nicht ausreichend für einen Beleg eingestuft wurde.
Häufig gestellte Fragen
Laut Fachinformation beträgt die Dosis 100 mg zweimal täglich. Die Kapseln sollen im Abstand von etwa 12 Stunden unzerkaut und zusammen mit Nahrung eingenommen werden.
Die aktuelle Dossierbewertung kommt zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt ist. Die vorgelegten Studien waren methodisch nicht geeignet, um einen Vorteil nachzuweisen.
Der G-BA definiert eine patientenindividuelle Therapie als Vergleich. Diese umfasst je nach Vortherapie und Mutationsstatus die Wirkstoffe Avapritinib, Cladribin oder Imatinib.
Die Anwendung während der Schwangerschaft wird nicht empfohlen. Ebenso wird laut Fachinformation von einer Einnahme bei Frauen im gebärfähigen Alter abgeraten, sofern keine sichere Verhütung erfolgt.
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Quelle: IQWiG A23-111: Midostaurin (systemische Mastozytose) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.