Herzkatheterlabor & Hybrid-OP: Leitlinie (DGK)
📋Auf einen Blick
- •Herzkatheterlabore erfordern eine Mindestgröße von 40 Quadratmetern und eine direkte Anbindung an Notfall- und Intensivbereiche.
- •Der Strahlenschutz nach dem ALARA-Prinzip umfasst bauliche, anlagenbezogene und persönliche Schutzmaßnahmen.
- •Die fraktionelle Flussreserve (FFR) sollte in jedem Herzkatheterlabor für Koronarinterventionen verfügbar sein.
- •Für elektrophysiologische Untersuchungen (EPU) sind reduzierte Durchleuchtungsraten (3-5 Bilder/s) und 3D-Mapping-Systeme empfohlen.
- •Implantationen von Rhythmusaggregaten erfordern spezifische hygienische Standards, wie eine Raumlufttechnik der Klasse Ib.
Hintergrund
Die DGK-Leitlinie definiert die baulichen, technischen und organisatorischen Voraussetzungen für das Einrichten und Betreiben von Herzkatheterlaboren und Hybrid-OPs. Durch die Erweiterung des kardiologischen Spektrums (z. B. strukturelle Herzerkrankungen, komplexe Elektrophysiologie) sind die Anforderungen an Hygiene, Bildgebung und Strahlenschutz in den letzten Jahren deutlich gestiegen.
Bauliche Struktur
Das Herzkatheterlabor sollte als zentrale Funktionseinheit mit kurzen Wegen zu Notaufnahme und Intensivstation geplant werden.
- Herzkatheterraum: Mindestens 40 m² Fläche, um ausreichend Platz für beatmungspflichtige Patienten und Reanimationsmaßnahmen zu bieten.
- Kontrollraum: Räumlich getrennt, aber visuell über eine Bleiglasscheibe und akustisch (z. B. Gegensprechanlage) mit dem Untersuchungsraum verbunden.
- Weitere Bereiche: Patientenüberwachungsbereich, Demonstrationsraum, Materiallager und Technikraum.
Strahlenschutz
Der Strahlenschutz folgt dem ALARA-Prinzip ("as low as reasonably achievable"). Die Strahlenexposition muss durch anlagenbezogene und persönliche Maßnahmen konsequent minimiert werden.
| Schutzmaßnahme | Beispiele | Bleigleichwert |
|---|---|---|
| Anlagenbezogen | Obertischschutzscheibe, Untertischlamellen, Fußschalterschutz | 0,5–1,0 mm Pb |
| Persönlich (Untersucher) | Rundummantel, Schilddrüsenschutz, Bleibrille | 0,35–0,5 mm Pb |
| Patientenbezogen | Abdeckung nicht durchleuchteter Bereiche (z. B. Beine) | 0,2–1,0 mm Pb |
Basisausstattung Messplatz
Zur grundlegenden Ausstattung für Linksherzkatheteruntersuchungen gehören:
- Kardioangiographieanlage: Frei schwimmender, höhenverstellbarer Tisch.
- Hämodynamischer Messplatz: 6-Kanal-Schreiber (Frequenzgang 0–250 Hz, für Elektrophysiologie bis 500 Hz), Registrierung von ≥3 EKG-Ableitungen und 2 simultanen Druckkurven.
- Kontrastmittelinjektor
- Notfallausstattung: Defibrillator, Intubationsbesteck, temporäre Schrittmacher.
Spezifische Verfahren
Koronare Instrumentierung (PCI)
| Verfahren | Empfehlung | Indikation / Bemerkung |
|---|---|---|
| FFR (Fraktionelle Flussreserve) | Sollte in jedem Labor verfügbar sein | Beurteilung der hämodynamischen Relevanz von Stenosen. |
| IVUS (Intravaskulärer Ultraschall) | Kann erwogen werden | Beurteilung von Hauptstammstenosen, Stentapposition. |
| OCT (Optische Kohärenztomographie) | Kann erwogen werden | Hohe Auflösung zur Beurteilung lumennaher Strukturen. |
Elektrophysiologie (EP)
Für elektrophysiologische Untersuchungen gelten besondere Anforderungen an die Bildgebung und Signalverarbeitung:
- Bildfrequenz: Reduktion auf 3 bis 5 Bilder/s zur Dosisminimierung.
- EKG-Aufzeichnung: Filter von 0,01–500 Hz, Registrierung von mindestens 40 (besser 80) intrakardialen Kanälen.
- 3D-Mapping: Standard bei komplexen Ablationen (z. B. ventrikuläre Tachykardien) zur Reduktion der Durchleuchtungszeit.
Implantation von Rhythmusaggregaten
Die Implantation von Schrittmachern und Defibrillatoren erfordert einen primär sterilen Bereich. Raumlufttechnische Anlagen (RLT) der Klasse Ib sind für Implantationen, Revisionen oder Aufrüstungen im Herzkatheterlabor zwingend erforderlich.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie bei elektrophysiologischen Untersuchungen konsequent eine reduzierte Bildfrequenz von 3 bis 5 Bildern pro Sekunde und 3D-Mapping-Systeme, um die Strahlenbelastung für sich und den Patienten signifikant zu senken.