Diabetes mellitus Typ 1: DMP-Leitlinie zu CGM und HbA1c
Hintergrund
Die IQWiG-Leitliniensynopse V22-05 fasst aktuelle evidenzbasierte Leitlinienempfehlungen zusammen, um das Disease-Management-Programm (DMP) für Diabetes mellitus Typ 1 zu aktualisieren. Ziel ist es, Diskrepanzen zwischen dem aktuellen DMP und dem neuesten Stand der Wissenschaft aufzuzeigen.
Diabetes mellitus Typ 1 ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die durch die Zerstörung der insulinproduzierenden Betazellen gekennzeichnet ist. Unbehandelt führt der absolute Insulinmangel zu schweren mikrovaskulären und makrovaskulären Folgeerkrankungen.
Die Synopse beleuchtet insbesondere neue technologische Entwicklungen wie kontinuierliches Glukosemonitoring (CGM) und automatisierte Insulinabgabe (AID). Zudem werden individualisierte Therapieziele und das Management von Begleiterkrankungen fokussiert.
Empfehlungen
Die IQWiG-Leitliniensynopse V22-05 formuliert zentrale Empfehlungen für die Versorgung von Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1.
Diagnostik
Laut Leitlinie kann ein HbA1c-Wert von $\ge$ 6,5 % zur Diagnosestellung herangezogen werden (Evidenzgrad A). Es wird davon abgeraten, routinemäßig das C-Peptid im Serum zu messen, um die Diagnose bei Erwachsenen zu bestätigen.
Therapieziele und Monitoring
Die Leitlinie empfiehlt, Therapieziele individuell und partizipativ zu vereinbaren. Neben dem HbA1c-Wert wird die "Time in Range" (TIR) als wichtiger Parameter genannt, wobei ein Zielwert von > 70 % im Bereich von 63-140 mg/dl angestrebt werden sollte.
| Patientengruppe | HbA1c-Zielwert | Bemerkung |
|---|---|---|
| Erwachsene (allgemein) | $\le$ 7,5 % oder $\le$ 6,5 % | Wenn ohne schwere Hypoglykämien erreichbar |
| Ältere / Multimorbide | < 8,0 % bis < 8,5 % | Vermeidung von Hypoglykämien hat Vorrang |
| Kinder und Jugendliche | < 7,0 % | < 6,5 % in der Remissionsphase möglich |
| Schwangere | < 6,0 % | Strenge Blutzuckerkontrolle erforderlich |
Diabetestechnologie
Der Einsatz moderner Technologien wird stark empfohlen:
-
Automatisierte Insulin-Dosierungs-Systeme (AID) werden für alle Altersgruppen bevorzugt empfohlen (Evidenzgrad A).
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Real-Time-CGM (rtCGM) wird für alle insulinpflichtigen Personen, einschließlich Personen $\ge$ 65 Jahre, empfohlen.
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Bei manueller Pumpentherapie (CSII) sollte eine kontinuierliche Glukosemessung integriert werden.
Management von Komplikationen
Zur Prävention und Behandlung von Folgeerkrankungen empfiehlt die Leitlinie:
-
Bei diabetischer Nephropathie und Hypertonie ist eine Erstlinientherapie mit ACE-Hemmern oder Angiotensin-Rezeptor-Blockern (ARB) indiziert.
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Der Blutdruckzielwert liegt für die meisten Erwachsenen bei < 130/80 mmHg.
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Bei einem diabetischen Fußsyndrom wird die Nutzung der SINBAD- oder WIfI-Klassifikation empfohlen.
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Eine Statintherapie wird bei diabetischer Nierenerkrankung (Stadium G3-5) unabhängig vom Albuminuriestatus empfohlen.
Schwangerschaft
Es wird eine frühzeitige präkonzeptionelle Beratung empfohlen. Laut Leitlinie müssen ACE-Hemmer, ARBs und Statine vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden.
💡Praxis-Tipp
Bei der Diagnostik einer diabetischen Fußinfektion wird laut Leitlinie von der Nutzung der Fußtemperatur oder quantitativer mikrobieller Analysen abgeraten. Die Diagnose sollte primär klinisch anhand lokaler oder systemischer Entzündungszeichen gestellt werden. Zudem wird betont, dass bei Verdacht auf eine aktive Charcot-Neuro-Osteoarthropathie eine sofortige Druckentlastung erfolgen muss, noch bevor die bildgebende Diagnostik abgeschlossen ist.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt für die meisten Erwachsenen einen HbA1c-Wert von $\le$ 7,5 % oder sogar $\le$ 6,5 %, sofern dies ohne schwere Hypoglykämien erreichbar ist. Bei älteren oder multimorbiden Menschen werden weniger strenge Ziele wie < 8,0 % empfohlen.
Es wird ein Blutdruckzielwert von < 130/80 mmHg für die meisten Erwachsenen mit Diabetes und Nephropathie empfohlen. Bei älteren Menschen über 80 Jahren kann ein moderaterer Zielwert von < 150/90 mmHg angemessen sein.
Laut Leitlinie sind ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB) und Statine in der Schwangerschaft kontraindiziert. Diese Medikamente sollten bereits präkonzeptionell abgesetzt oder umgestellt werden.
Die Leitlinie spricht eine starke Empfehlung für die Nutzung von automatisierten Insulin-Dosierungs-Systemen (AID) bei Kindern und Jugendlichen aus. Auch die Nutzung von Real-Time-CGM (rtCGM) wird zur Optimierung der Stoffwechseleinstellung empfohlen.
Zur Kommunikation und Klassifikation von Fußulzera wird die Nutzung des SINBAD- oder des WIfI-Systems empfohlen. Für die Einteilung von Fußinfektionen verweist die Leitlinie auf das IDSA/IWGDF-Klassifikationsschema.
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Quelle: IQWiG V22-05: Leitliniensynopse für die Aktualisierung des DMP Diabetes mellitus Typ 1 (IQWiG, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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