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Klinische Ernährung im Alter: S3-Leitlinie (DGEM)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der Energiebedarf älterer Menschen liegt bei ca. 30 kcal/kg Körpergewicht pro Tag.
  • Die Proteinzufuhr sollte mindestens 1,0 g/kg Körpergewicht betragen, bei Krankheit mehr.
  • Als Richtwert für die Flüssigkeitszufuhr gelten 30 ml/kg Körpergewicht täglich.
  • Ein routinemäßiges Screening auf Mangelernährung (z. B. mit MNA-SF) wird für alle geriatrischen Patienten empfohlen.
  • Restriktive Diäten und längere Nahrungskarenzen sind potenziell schädlich und sollten vermieden werden.
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Hintergrund

Physiologisches Altern und geriatrie-typische Multimorbidität gehen häufig mit Funktionseinbußen einher. Mangelernährung, hypertone Dehydratation, Sarkopenie und Adipositas sind weit verbreitete Probleme. Ziel der klinischen Ernährung im Alter ist es, durch eine bedarfsgerechte Zufuhr von Energie und Nährstoffen den Ernährungszustand, die Funktionalität, die Selbstständigkeit und die Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern.

Energie- und Nährstoffbedarf

Die Zufuhr muss stets individuell an Ernährungsstatus, körperliche Aktivität, Gesundheitszustand und Toleranz angepasst werden.

NährstoffRichtwert pro TagBemerkung
Energie~30 kcal/kg KGIndividuelle Anpassung; bei Mangelernährung oft höherer Bedarf pro kg KG.
ProteinMindestens 1,0 g/kg KGBei akuter/chronischer Krankheit 1,2-1,5 g/kg KG, bei schwerer Krankheit bis zu 2,0 g/kg KG.
Flüssigkeit~30 ml/kg KGAnpassung an Verluste (Fieber, Hitze, Durchfall) oder Restriktionen (Herz-/Niereninsuffizienz).
BallaststoffeMindestens 30 gAuch bei enteraler Ernährung ballaststoffhaltige Produkte verwenden.
Vitamin D20 µg (800 IE)Supplementierung bei immobilen Personen mit fehlender Sonnenlichtexposition.

Screening und Diagnostik

Alle älteren Personen (inklusive jener mit Übergewicht oder Adipositas) sollen routinemäßig auf Mangelernährung gescreent werden.

  • Screening-Tools: Empfohlen werden validierte Instrumente wie das MNA-SF (Mini Nutritional Assessment - Short Form), NRS 2002 oder MUST.
  • Assessment: Bei positivem Screening folgt eine detaillierte Erfassung von Ernährungszustand, Nahrungsdefizit und potenziellen Ursachen.
  • Diagnose: Die Diagnose der Mangelernährung erfolgt idealerweise nach den GLIM-Kriterien.

Ursachen und Interventionen

Bei einem Risiko für oder einer manifesten Mangelernährung müssen die zugrunde liegenden Ursachen identifiziert und beseitigt oder kompensiert werden.

UrsacheMögliche Intervention
Kau- und SchluckproblemeZahnbehandlung, Dysphagie-Abklärung, konsistenzmodifizierte Kost
Eingeschränkte MobilitätPhysiotherapie, Krafttraining, gelieferte Mahlzeiten (Essen auf Rädern)
Kognitive BeeinträchtigungÜberwachung, verbale Aufforderung, Hilfe beim Essen
Restriktive DiätenÜberprüfung und Lockerung von Diätvorschriften

Unterstützende Maßnahmen im Alltag

Die Ernährungsversorgung erfordert oft multimodale und multiprofessionelle Ansätze:

  • Vermeidung von Restriktionen: Einschränkende Diätvorgaben und längere Nahrungskarenzen sind für geriatrische Patienten potenziell schädlich und sollen weitestgehend vermieden werden.
  • Hilfe bei Mahlzeiten: Individuell benötigte Unterstützung (z. B. Kleinschneiden, Essen anreichen) sowie geeignete Hilfsmittel (modifiziertes Besteck/Geschirr) anbieten.
  • Essumgebung: Eine angenehme Umgebung und das Essen in Gesellschaft fördern die Nahrungsaufnahme.
  • Gelieferte Mahlzeiten: Für zu Hause lebende Senioren sollten gelieferte Mahlzeiten energiedicht und proteinreich sein und durch Zwischenmahlzeiten ergänzt werden.
  • Bewegung: Zusätzlich zur Ernährungstherapie sollten ältere Menschen zu körperlicher Aktivität und strukturiertem Training ermutigt werden, um Muskelmasse zu erhalten.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei geriatrischen Patienten weitestgehend auf restriktive Diäten (wie strenge Diabetes- oder cholesterinarme Kost). Die Sicherstellung einer ausreichenden Energie- und Proteinzufuhr hat oberste Priorität, um funktionelle Einbußen zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Der Bedarf liegt bei mindestens 1,0 g/kg Körpergewicht pro Tag. Bei akuten oder chronischen Erkrankungen steigt er auf 1,2 bis 1,5 g/kg, bei schweren Erkrankungen sogar auf bis zu 2,0 g/kg.
Die Kurzform des Mini Nutritional Assessment (MNA-SF) ist weit verbreitet und wird für alle Lebensbereiche empfohlen. Alternativen sind der NRS 2002 (Klinik) oder MUST (ambulant).
Der Richtwert liegt bei 30 ml pro kg Körpergewicht und Tag. Dieser muss bei erhöhten Verlusten (z. B. Fieber, Hitze) oder bestimmten Erkrankungen (z. B. Herzinsuffizienz) individuell angepasst werden.
Nein. Einschränkende Diätvorgaben sind im Alter potenziell schädlich, da sie das Risiko für Mangelernährung erhöhen. Sie sollten zugunsten einer ausreichenden Nahrungsaufnahme gelockert werden.

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