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Dysphagie bei Kopf-Hals-Tumoren: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Goldstandard der Diagnostik sind FEES und Videofluoroskopie (VFSS) mit 25 FPS.
  • Blauschluck und niederfrequenter Breischluck sind zur Pathophysiologie-Beurteilung obsolet.
  • Eine prophylaktische PEG-Anlage vor Radiochemotherapie kann erwogen werden.
  • Geblockte Trachealkanülen schützen nicht vor Aspiration bei oraler Nahrungsaufnahme.
  • Patientenberichtete Fragebögen (PROMs) wie EAT-10 oder MDADI sollen in die Diagnostik integriert werden.
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Hintergrund

Die oropharyngeale Dysphagie ist eine der schwerwiegendsten Folgen einer Kopf-Hals-Tumor-Erkrankung oder deren onkologischer Therapie. Bis zu 70 % der Patienten sind betroffen. Die Dysphagie führt häufig zu Malnutrition, Aspirationspneumonien und einer signifikant reduzierten Lebensqualität.

KomplikationPrävalenz vor TherapiePrävalenz nach Therapie
Mangelernährung3 - 49 %23 - 94 %
Aspirationspneumonie-2 - 28 %
Sarkopenie7 - 65 %12 - 66 %

Instrumentelle Diagnostik

Zur differenzierten Erfassung der Pathophysiologie soll mindestens eines der beiden Goldstandard-Verfahren eingesetzt werden:

  • FEES (Flexible Endoskopische Evaluation des Schluckvorganges)
  • VFSS (Videofluoroskopie) mit 25 FPS (frames per second)

Die Diagnostik soll frühzeitig im akutstationären Setting erfolgen und regelmäßig kontrolliert werden.

Nicht empfohlene Verfahren: Diagnostikverfahren wie die „Blauschluck“-Untersuchung und der niederfrequente Ösophagus-Breischluck (≤ 4 FPS) sollen nicht zur Erfassung der Pathophysiologie eingesetzt werden. Auch der 51 ml Wasserschlucktest (WST) sollte nicht vor Einsatz einer instrumentellen Diagnostik als Screening verwendet werden (Empfehlungsgrad B).

Patientenberichtete Endpunkte (PROMs)

Die Selbsteinschätzung des Patienten soll zwingend in die Diagnostik einbezogen werden. Hierfür sollen validierte deutschsprachige Fragebögen genutzt werden:

FragebogenFokusFragenanzahl
EAT-10Schluckvermögen, emotionale/soziale Aspekte10
SSQSchluckprobleme inkl. Lebensqualität17
SWAL-QoLAnstrengung, Angst, Alltagsfunktion, Schlaf44
MDADIEmotionale, funktionale und physische Aspekte20

Ernährungsmanagement und PEG-Anlage

Das Management der Mangelernährung richtet sich nach der S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Onkologie“.

  • Prophylaktische PEG-Anlage: Eine prophylaktische PEG kann vor einer geplanten Radio(chemo)therapie erfolgen (Empfehlungsgrad 0). Ziel ist es, die onkologische Behandlung ohne Unterbrechung oder Abbruch durchzuführen.

Trachealkanülen-Management

Das Trachealkanülen-Management ist essenziell für die Dysphagie-Rehabilitation:

  • Blockung (Cuff): Soll nur zum Schutz vor Aspiration von Sekret, Blut, Erbrochenem oder Sondennahrung verwendet werden. Sie schützt nicht vor Aspiration bei oraler Ernährung (Essen/Trinken).
  • Sprechventil: Die Kanüle soll endoskopisch kontrolliert und frühzeitig entblockt werden. Ein Sprechventil unterstützt das pulmonale Sekretmanagement und fördert die Sensibilität.
  • Dekanülierung: Soll neben dem laryngotrachealen Befund auch den Allgemeinzustand und die pulmonale Situation berücksichtigen. Die Fähigkeit zur oralen Nahrungsaufnahme ist für die Dekanülierung nicht zwingend erforderlich.

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich bei der oralen Nahrungsaufnahme niemals auf eine geblockte Trachealkanüle als Aspirationsschutz. Nutzen Sie stattdessen frühzeitig FEES oder VFSS zur sicheren Beurteilung der Schluckfunktion.

Häufig gestellte Fragen

Die FEES (Flexible Endoskopische Evaluation des Schluckvorganges) und die Videofluoroskopie (VFSS) mit 25 Bildern pro Sekunde.
Nein, der Blauschluck und der niederfrequente Breischluck sollen hierfür nicht eingesetzt werden.
Nein, die Blockung schützt nur vor Sekret, Blut oder Sondennahrung, aber nicht vor Aspiration bei der oralen Nahrungsaufnahme.
Eine prophylaktische PEG-Anlage kann erwogen werden (Empfehlungsgrad 0), um Therapieabbrüche durch Mangelernährung zu vermeiden.
Nein, für die Dekanülierung sind primär der laryngotracheale Befund, die pulmonale Situation und der Allgemeinzustand entscheidend.

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