Nichtinvasive Beatmung (NIV): DGP S2k-Leitlinie
Hintergrund
Die DGP S2k-Leitlinie behandelt den Einsatz der nichtinvasiven Beatmung (NIV) bei der akuten respiratorischen Insuffizienz (ARI). Im Fokus stehen die Reduktion von Intubationsraten, Mortalität und Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation.
Pathophysiologisch wird zwischen der hypoxämischen ARI (z. B. kardiales Lungenödem, ARDS) und der hyperkapnischen ARI (z. B. exazerbierte COPD) unterschieden. Die Domäne der NIV sind Erkrankungen, die zum Versagen der Atempumpe führen.
Bei primärer Hypoxämie durch ein Lungenversagen sind die Effekte der NIV weniger deutlich. Hier wird ein engmaschiges Monitoring gefordert, um eine notwendige Intubation nicht zu verzögern.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen:
Hyperkapnische respiratorische Insuffizienz
Bei einer akuten hyperkapnischen ARI mit einem pH-Wert unter 7,35 wird der Einsatz der NIV empfohlen. Bei leichtgradiger COPD-Exazerbation mit einem pH-Wert ab 7,35 besteht laut Leitlinie keine Indikation für eine akute NIV.
Ein Therapieversuch wird auch bei akutem ventilatorischem Versagen durch neuromuskuläre oder thorakal-restriktive Erkrankungen empfohlen.
Kardiogenes Lungenödem
Es wird eine frühzeitige CPAP-Therapie neben der Sauerstoffgabe empfohlen, auch bereits prähospital. Bei zusätzlicher Hyperkapnie kann primär NIV als Alternative zu CPAP eingesetzt werden.
Kardiologische Interventionen dürfen durch die NIV nicht verzögert werden. Während der Therapie wird eine regelmäßige Überwachung des arteriellen Blutdrucks empfohlen.
Hypoxämische respiratorische Insuffizienz
Bei leicht bis moderat gestörtem Gasaustausch (PaO2/FiO2 > 150 mmHg) zeigt die Leitlinie keinen Vor- oder Nachteil von CPAP/NIV gegenüber der High-Flow-Sauerstofftherapie (HFNO).
Bei mittelschwerem bis schwerem ARDS kann im Einzelfall ein Therapieversuch unternommen werden. Dies soll ausschließlich unter kontinuierlichem Monitoring und ständiger Intubationsbereitschaft erfolgen.
Zur Präoxygenierung vor einer endotrachealen Intubation sollte NIV eingesetzt werden.
Weaning und Postextubationsphase
Die Leitlinie empfiehlt, akut-invasiv beatmete COPD-Patienten möglichst frühzeitig zu extubieren und auf NIV umzustellen. Dies gilt auch bei einem gescheiterten Spontanatmungsversuch.
Bei Risikopatienten für ein Extubationsversagen sollte nach länger dauernder invasiver Beatmung präventiv NIV eingesetzt werden. Bei einem hypoxämischen Extubationsversagen von Nicht-COPD-Patienten wird eine sofortige Reintubation empfohlen.
Pädiatrie
Die Leitlinie empfiehlt NIV als primäre Beatmungsform bei Kindern mit:
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Bronchiolitis
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Asthma
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Vorbestehenden chronischen Atemwegserkrankungen
Die Therapie erfordert ein intensives Monitoring auf der Intensivstation.
Kontraindikationen
Die Leitlinie definiert folgende Kontraindikationen für die Anwendung der NIV:
| Absolute Kontraindikationen | Relative Kontraindikationen |
|---|---|
| Fehlende Spontanatmung, Schnappatmung, Apnoen | Hyperkapnisch bedingtes Koma |
| Fixierte oder funktionelle Verlegung der Atemwege | Massive Agitation trotz Sedierung |
| Gastrointestinale Blutung oder Ileus | Massiver Sekretverhalt oder Unfähigkeit zum Abhusten |
| Nicht-hyperkapnisch bedingtes Koma | Schwergradige Hypoxämie oder Azidose (pH < 7,1) |
| Hämodynamische Instabilität (z. B. kardiogener Schock) | |
| Anatomische Inkompatibilität des Interfaces |
Bei Vorliegen relativer Kontraindikationen ist ein Therapieversuch nur gerechtfertigt, wenn das Behandlungsteam qualifiziert ist und eine unverzügliche Intubationsbereitschaft sichergestellt ist.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler ist die verzögerte Intubation bei einem NIV-Versagen, insbesondere bei hypoxämischer respiratorischer Insuffizienz oder ARDS. Die Leitlinie betont, dass bei ausbleibender Besserung von Dyspnoe, Atemfrequenz oder Blutgasen innerhalb von 1 bis 2 Stunden die NIV umgehend beendet und eine invasive Beatmung eingeleitet werden soll. Zudem wird bei schwerer Azidose (pH < 7,30) eine Durchführung der NIV ausschließlich auf einer Intensiv- oder Intermediate-Care-Station empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt den Einsatz der NIV bei einer akuten hyperkapnischen Exazerbation der COPD, wenn der pH-Wert unter 7,35 liegt. Bei milderen Formen mit einem pH-Wert ab 7,35 ist eine akute NIV in der Regel nicht indiziert.
Ja, laut Leitlinie sollte beim kardiogenen Lungenödem frühzeitig eine CPAP-Therapie begonnen werden. Bei begleitender Hyperkapnie kann auch eine NIV mit inspiratorischer Druckunterstützung erfolgen.
Bei leichtem bis moderatem ARDS kann ein Therapieversuch unter ständiger Intubationsbereitschaft unternommen werden. Bei schwerem ARDS warnt die Leitlinie vor einer erhöhten Mortalität durch eine verzögerte Intubation.
Es wird empfohlen, COPD-Patienten frühzeitig zu extubieren und auf NIV umzustellen. Zudem sollte NIV präventiv bei Risikopatienten eingesetzt werden, um ein Postextubationsversagen zu verhindern.
Die Leitlinie bestätigt, dass NIV als palliative Maßnahme zur Linderung von Dyspnoe und zur Verbesserung der Lebensqualität eingesetzt werden kann. Dies erfordert eine ausführliche Aufklärung und die Berücksichtigung des Patientenwillens.
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Quelle: DGP S2k-Leitlinie Nichtinvasive Beatmung als Therapie der akuten respiratorischen Insuffizienz (Version 3.3) (DGP, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.