Distale Radiusfraktur: DGOOC Leitlinie
Hintergrund
Die distale Radiusfraktur ist eine der häufigsten Frakturen. Bei jüngeren Menschen unter 40 Jahren entsteht sie meist durch Hochenergietraumata wie Verkehrs- oder Sportunfälle, wobei die Geschlechterverteilung annähernd gleich ist.
Bei Personen über 40 Jahren, insbesondere bei Frauen, dominieren Niedrigenergietraumata wie Stürze aus dem Stand. Eine verminderte Knochendichte und Osteoporose gelten hier als wesentliche Prädiktoren für das Frakturrisiko.
Die Einteilung der Frakturen erfolgt häufig nach der AO/OTA-Klassifikation. Diese unterscheidet zwischen extraartikulären, partiell artikulären und komplett artikulären Frakturen des distalen Radius.
Empfehlungen
Die DGOOC-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Versorgung der distalen Radiusfraktur:
Diagnostik
Laut Leitlinie umfasst die klinische Untersuchung die Prüfung von Weichteilschaden, Durchblutung, Motorik und Sensibilität. Es wird empfohlen, auf Begleitverletzungen des Handskeletts und ein mögliches Kompartmentsyndrom zu achten.
Als Standard-Bildgebung wird eine Röntgenuntersuchung des Handgelenks in zwei Ebenen empfohlen. Dabei sollte die Schulter 90° abduziert und der Ellenbogen in Mittelstellung gebeugt sein.
Eine Computertomographie (CT) wird zur Beurteilung der Gelenkflächenkongruenz und zum Ausschluss karpaler Begleitverletzungen empfohlen. Eine Kernspintomographie (MRT) gilt als Goldstandard zum Nachweis okkulter Skaphoidfrakturen und ligamentärer Läsionen.
Instabilitätskriterien
Die Leitlinie definiert spezifische Kriterien, die auf eine Instabilität der Fraktur hinweisen und die Therapiewahl maßgeblich beeinflussen:
| Kriterium | Grenzwert / Merkmal |
|---|---|
| Dorsalkippung | > 20° im lateralen Strahlengang |
| Palmarkippung | > 20° |
| Radiusverkürzung | > 4 mm relative Ulnaverlängerung |
| Radiale Inklination | < 10° im ap-Strahlengang |
| Gelenkfragmente | Dorsale oder palmare dislozierte Kantenfragmente |
Konservative Therapie
Eine nicht-operative Therapie wird bei stabilen extraartikulären und nicht oder gering dislozierten intraartikulären Frakturen empfohlen. Bei Personen über 70 Jahren zeigt sich laut Leitlinie häufig kein funktioneller Unterschied zwischen operativer und konservativer Versorgung.
Die Reposition sollte immer unter Analgesie erfolgen, beispielsweise durch eine Bruchspaltanästhesie. Anschließend wird ein retinierender Unterarmstützverband empfohlen.
Operative Therapie
Eindeutige Indikationen zur Operation sind instabile Frakturen, dislozierte intraartikuläre Frakturen sowie Frakturen mit relevantem Weichteilschaden oder Nervenkompression. Auch erfolglose konservative Repositionsversuche erfordern ein operatives Vorgehen.
Als häufigstes Verfahren wird die volare winkelstabile Plattenosteosynthese genannt. Diese ist insbesondere bei osteoporotischem Knochen indiziert, da sie einen deutlich geringeren Repositionsverlust aufweist.
Nachbehandlung
Es wird empfohlen, die Hand frühzeitig bei leichten täglichen Aktivitäten einzusetzen und selbstständige Bewegungsübungen der angrenzenden Gelenke durchzuführen. Dies hat einen präventiven Einfluss auf die Ausbildung eines Complex Regional Pain Syndroms (CRPS).
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Aspekte als Kontraindikationen für eine operative Versorgung:
-
Lokale Kontraindikationen im Operationsgebiet (z.B. Infektionen)
-
Allgemeine Kontraindikationen gegen eine Operation oder Narkose aufgrund des Allgemeinzustandes
-
Ausdrückliche Ablehnung der vorgeschlagenen operativen Therapie durch den Verletzten
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, bei inakzeptabler Redislokation eine sekundäre Nachreposition im Gips durchzuführen, da dies die Rate an Complex Regional Pain Syndrom (CRPS) erhöht. Stattdessen wird bei Repositionsverlust ein Wechsel des Behandlungsverfahrens, in der Regel zur operativen Stabilisierung, empfohlen. Zudem wird betont, dass bei osteoporotischem Knochen eine alleinige Stützverband-Immobilisation häufig unzureichend ist, um die reponierte Stellung zu halten.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird eine CT-Untersuchung empfohlen, um karpale Begleitverletzungen auszuschließen. Zudem dient sie der genauen Beurteilung der Gelenkflächenkongruenz und von Gelenkstufen bei intraartikulären Frakturen.
Es wird empfohlen, stabile extraartikuläre Frakturen sowie nicht oder nur gering dislozierte intraartikuläre Frakturen konservativ zu behandeln. Auch bei älteren Personen über 70 Jahren wird häufig ein konservatives Vorgehen favorisiert, da funktionell oft keine Nachteile bestehen.
Die Leitlinie gibt an, dass die Reposition immer unter Analgesie erfolgen muss. Dies kann medikamentös, als Regionalanästhesie, Kurznarkose oder durch eine Bruchspaltanästhesie geschehen, wobei letztere besonders bei älteren Personen als sicher und effektiv gilt.
Zu den Instabilitätskriterien zählen unter anderem eine Dorsalkippung von über 20 Grad, eine Radiusverkürzung von mehr als 4 Millimetern sowie dislozierte Kantenfragmente. Auch eine Tendenz zur Redislokation nach initialer Reposition wird als klares Instabilitätszeichen gewertet.
Bei einer konservativen Therapie wird eine Ruhigstellung im Stützverband für mehr als 4 bis 5 Wochen empfohlen. Während dieser Zeit sind regelmäßige Röntgenkontrollen, insbesondere innerhalb der ersten Woche, zur Erkennung eines Repositionsverlustes angezeigt.
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Quelle: DGOOC: Distale Radiusfraktur (DGOOC, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.